K-Colors of Korea July 2014 | Page 25

Man könnte seitenweise fortfahren über die Dinge zu schreiben, die es in Nordkorea nicht gibt und über die erschreckenden Einblicke, die sich einem auftun. Vieles hat man bereits gewusst, wenn man sich mit diesem Land beschäftigt hat, doch plötzlich sieht man sich der düsteren Erkenntnis viel direkter gegenüber, plötzlich ist sie anschaulich und lebensnah. Guy Delisles Graphik Novel kann kein vollständiges Bild dieses mysteriösen Landes liefern. Er kann nur wiedergeben, was er selbst erfahren hat. Seine Berichte sind kritisch gefärbt, schwanken zwischen Ironie und geschockter Überraschung. Obwohl Delisle es versucht, bekommt er nicht die Antworten, die er sucht, Gespräche mit den Einheimischen gibt es kaum und wenn er mit den Männern spricht, die ihn tagtäglich umgeben, stößt er auf eingebläute Floskeln oder Schweigen. Delisle reagiert mit vorsichtiger Rebellion. Er leiht seinem Übersetzer „1984“ von George Orwell, er bestellt Cola, schießt Fotos, die nicht das perfekt inszenierte Nordkorea zeigen und er entlässt Papierflieger in die Freiheit. 25