Man könnte seitenweise fortfahren über die
Dinge zu schreiben, die es in Nordkorea nicht gibt
und über die erschreckenden Einblicke, die sich einem
auftun. Vieles hat man bereits gewusst, wenn man
sich mit diesem Land beschäftigt hat, doch plötzlich
sieht man sich der düsteren Erkenntnis viel direkter
gegenüber, plötzlich ist sie anschaulich und lebensnah.
Guy Delisles Graphik Novel kann kein
vollständiges Bild dieses mysteriösen Landes liefern. Er
kann nur wiedergeben, was er selbst erfahren hat. Seine
Berichte sind kritisch gefärbt, schwanken zwischen
Ironie und geschockter Überraschung. Obwohl Delisle
es versucht, bekommt er nicht die Antworten, die
er sucht, Gespräche mit den Einheimischen gibt es
kaum und wenn er mit den Männern spricht, die ihn
tagtäglich umgeben, stößt er auf eingebläute Floskeln
oder Schweigen. Delisle reagiert mit vorsichtiger
Rebellion. Er leiht seinem Übersetzer „1984“ von
George Orwell, er bestellt Cola, schießt Fotos, die nicht
das perfekt inszenierte Nordkorea zeigen und er entlässt
Papierflieger in die Freiheit.
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