K-Colors of Korea July 2014 | Page 24

Pjöngjang Beeindruckende Graphik Novel von Guy Delisle I Text von Esther Klung, Foto vom Verlag m Auftrag einer französischen Trickfilmproduktion wurde Guy Delisle 2001 nach Nordkorea geschickt um einheimische Zeichner anzuleiten. In einem Land, in dem Filme einzig Propagandazwecken dienen, bezahlen westliche Firmen für die Gestaltung ihres Vorabendprogramms. Da China vielen zu teuer geworden ist, werden die Studios nach Nordkorea verlegt. Studios sind dort kleine Büros, in denen per Hand jedes Bild einzeln gezeichnet wird und das, wenn es sein muss, immer und immer wieder. Die Arbeiter sind dankbar, ihren Dörfern zu entkommen und ihren Familien ein etwas besseres Leben bieten zu können. Doch was ist besser in einem diktatorischen Niemandsland wie Nordkorea? Der Aufenthalt des kanadischen Comiczeichners endete nach zwei Monaten mit nachhaltigen Eindrücken, die er in seiner 176 Seiten starken Graphik-Novel mit grau tristen, aber durchweg eindringlichen Bildern verarbeitet. Der Comic selbst schließt mit einem Bild von einem Papierflieger, den Delisle aus dem Fenster wirft, in der Hoffnung, dass er den Fluss erreicht. „Los. Du schaffst es“ sind die letzten Worte, die man liest, bevor man das Buch zuklappt. Man kann die Szene stehen lassen ohne sie zu bewerten, doch gleichzeitig bietet sie genug für Interpretation. Pjöngjang, wie wir es durch die Augen des Zeichners sehen, ist leer, präzise, monumental. Die Bauten sollen beeindrucken und einschüchtern. 24 Überall werden Ruhm und Leistungen des Führers, Kim Jong-Il, gepriesen. Delisle muss sich natürlich die wichtigsten Monumente ansehen, am seltsamsten erscheint einem dabei das „Museum der Freundschaft“, in denen Geschenke internationaler Gäste für das Staatsoberhaupt ausgestellt werden. Gezeigt werden neben Flachbildschirmen, ausgestopften Tieren und Aschenbechern auch russische Autos. Die Straße, auf der Delisle und sein ständiger Begleiter, Dolmetscher und Aufpasser, das Museum erreichen, wurde nur zu eben diesem Zweck erbaut und bleibt bis auf das Auto, in dem sie sitzen, leer. Überhaupt ist Pjöngjang die Stadt der Leere. Autos gibt es kaum, Menschen spärlich. Sie schweigen, dürfen nicht mit den Ausländern reden. Es gibt keine Orte, an denen man sich treffen kann, um Spaß zu haben. Das Hotel, in dem die internationalen Gäste wohnen, befindet sich auf einer Insel und es ist untersagt diese ohne Begleitung zu verlassen. Delisle tut es trotzdem, doch begreift schnell, dass er mit solchen Alleingängen vor allem dem Mann schadet, der angewiesen ist, ihn zu bewachen. Drei Restaurants gibt es in dem Hotel, mit winziger Speisekarte und nur dann wirklich frischen Speisen, wenn wichtige, ausländische Delegationen erwartet werden. Es gibt ein Kaufhaus ohne Licht und ohne funktionierende Rolltreppen, einen einzigen Ort, an dem man Eiscreme kaufen kann und eine Partyzone für Ausländer, die sich im Gebäude der NGOs befindet.