in Palästina gelebt hatten. Es gab einheimische Christen und
muslimische Araber. Und es gab Drusen, deren religiösen
Praktiken vor der Welt geheim gehalten und bewahrt werden.
Diese Liste könnte immer weiter gehen.
Der Anblick Jerusalems und die Leidenschaft mit der Juden
unterschiedlichster Herkunft an der Klagemauer beteten, bewegten
mich zutiefst. Im Gegensatz zu meinem eigenen Land, das zur
damaligen Zeit zutiefst gespalten und demoralisiert war, zeigten
sich gleichaltrige Israelis unerschütterlich in dem Stolz auf ihr
Land und warteten ungeduldig auf ihren Militärdienst, in vielen
Fällen sogar mit der klaren Absicht, sich als Freiwillige für die
Elitekampfeinheiten zu melden. Sie fühlten sich persönlich an
dem Aufbau eines jüdischen Staates beteiligt, mehr als 1800 Jahre
nachdem die Römer den Bar-Kochba-Aufstand niederschlugen,
den letzten jüdischen Versuch von Souveränitätsausübung auf
diesem Land.
Um es deutlich zu sagen: Eine Staatenbildung ist ein
unendlich komplexer Vorgang. Im Falle Israels begann dieser vor
dem Hintergrund von Spannungen mit der lokalen arabischen
Bevölkerung, die Anspruch auf genau das selbe Land erhob und
tragischerweise den Vorschlag der UNO ablehnte, das Land in
einen arabischen und einen jüdischen Staat zu teilen. Während
die arabische Welt versuchte den israelischen Staat zu isolieren, zu
demoralisieren und letztlich zu zerstören, verdoppelte sich Israels
Bevölkerung in den ersten drei Jahren seiner Existenz. Dies war
eine unvorstellbare Belastung im Hinblick auf die sowieso schon
limitierten Ressourcen und man war gezwungen große Teile des
nationalen Haushalts für die Landesverteidigung zu verwenden.
Zudem musste man einen Weg finden eine nationale Identität
und einen gesellschaftlichen Konsens in einer Bevölkerung zu
formen, die geographisch, linguistisch, sozial und kulturell nicht
heterogener hätte sein können.
Ferner gibt es den komplizierten und häufig nicht ausreichend
gewürdigten Aspekt des potentiellen Konflikts zwischen den
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