HARVARD BUSINESS MANAGER MAGAZINE Harvard_Business_Manager__Juli_2017 | Page 90

AKADEMIE SELBSTMANAGEMENT Eine schwedische Studie aus dem Jahr 2011 fand heraus, dass die Wahrschein- lichkeit einer Scheidung um 40 Prozent höher ist bei Paaren, bei denen ein Partner mindestens 45 Minuten für den Arbeitsweg benötigt. Das alles muss nicht so bleiben. For- schungen, darunter auch unsere eigenen, zeigen, dass nur kleine Optimierungen nötig sind, um das Pendeln angenehmer zu gestalten und Sie glücklicher und produktiver zu machen. Diese fünf Stra- tegien können Ihnen dabei helfen. 1. VERÄNDERN SIE IHRE EINSTELLUNG Ihr Arbeitsweg ist eine Gelegenheit, um vom persönlichen in den professionel- len Modus umzuschalten. Morgens zu Hause sind Sie vielleicht Eltern, Partner oder Pfleger. Sobald Sie im Büro an - kommen, setzen Sie sich den professio- nellen Hut auf. Abends kehren Sie wie- der zur persönlichen Ebene zurück, selbst wenn Sie noch mal in den profes- sionellen Modus wechseln, um Arbeit fertig zu machen. Jeder dieser Über- gänge erfordert einen Wechsel der Perspektive. Wenn wir uns dafür nicht die Zeit nehmen, schleppen wir die Gedanken und Sorgen der einen Rolle wahrscheinlich mit in die andere, und das belastet uns. Einfache Rituale sind eine Möglich- keit, diese mentalen Übergänge leichter zu vollziehen. In einer bislang unver - öffentlichten Studie hat Francesca Gino zusammen mit Hal Hershfield von der University of California in Los Angeles herausgefunden, da ss die jenigen, die kleine Routinen in ihren Arbeitsweg eingebaut hatten, beispielsweise Nach- richten checken oder im Kalender die Tagesereignisse durchgehen, sich mehr auf den vor ihnen liegenden Tag freu- ten, zufriedener mit ihrem Job und we- niger gestresst waren als diejenigen, die keine Routinen hatten. Das ist nicht sonderlich überraschend, wenn man be- denkt, dass Rituale alle möglichen posi- tiven Effekte haben, sogar für solche Menschen, die gar nicht an diese Effekte glauben: So sind wir dadurch beispiels- weise weniger nervös, bevor wir uns einer risikoreichen Aufgabe widmen, 90 HARVARD BUSINESS MANAGER JULI 2017 IE ABNEIGUNG GEGEN DAS PENDELN HAT ERNSTHAFTE AUS - WIRKUNGEN: MENSCHEN MIT EINEM LANGEN ARBEITSWEG SIND BE SORGTER UND WENIGER ZUFRIEDEN MIT IHREM LEBEN ALS DIEJENIGEN MIT KÜRZEREN WEGEN. DARÜBER HINAUS EMPFINDEN SIE IHRE TÄG - LICHE ARBEIT ALS WENIGER LOHNENSWERT. empfinden mehr Freude an der Tätig- keit, die wir gerade durchführen, und erholen uns leichter von Misserfolgen oder Ver lusten. Überlegen Sie sich also Ihre eigenen Pendelroutinen. Sie könn- ten sich vielleicht jeden Tag auf Ihrem Weg zur Arbeit im selben Coffeeshop einen entkoffeinierten Caffè Latte kau- fen. Für einen noch stärkeren Effekt probieren Sie eine oder mehrere der Vorgehensweisen aus, die wir Ihnen nachfolgend empfehlen. 2. WERDEN SIE PRODUKTIV Wenn Sie einen Teil Ihres Arbeitswegs darauf verwenden, den Tag oder die Woche zu planen, werden Sie besser vorbereitet und somit glücklicher und energiegeladener bei der Arbeit ankom- men. Das haben wir in verschiedenen Studien herausgefunden, die wir mit britischen und amerikanischen Arbeit- nehmern durchgeführt haben. Die erste war eine Feldstudie mit 225 Angestell- ten des britischen Büros der weltweit tätigen Marketing- und Technologie - agentur DigitasLBi. Wie wir erwartet hatten, zeigte unsere Untersuchung, dass die Menschen umso unzufriedener und kündigungsbereiter waren, je län- ger sie jeden Tag pendelten. Aber es gab auch Ausnahmen von der Regel, die uns veranlassten, darüber nachzudenken, ob diese Personen bestimmte psychi- sche Eigenschaften besaßen, die ihnen halfen, die negativen Auswirkungen zu vermeiden, die andere Teilnehmer spürten. Eine dieser Eigenschaften ist Selbstkontrolle oder die Fähigkeit, Versuchungen zu widerstehen, die dem Erreichen langfristiger Ziele im Wege stehen (beispielsweise Facebook zu nut- zen, anstatt zu arbeiten, oder Kuchen zu essen statt eines Apfels). Um diesen Zu- sammenhang zu untersuchen, fragten wir 229 Arbeitnehmer diverser Unter- nehmen, was sie normalerweise auf ih- rem Weg zur Arbeit tun. Wir fanden her- aus, dass diejenigen, die ein hohes Maß an Selbstkontrolle aufwiesen, dazu ten- dierten, die Zeit für produktives Planen zu nutzen. Wir nennen das arbeits - bezogene Prospektion. Ein Teilnehmer erklärte uns, er denke da rüber nach, was er tun werde, sobald er im Büro sei, und versuche zu planen, welche Dinge er am Tag erledigen wolle. Der letzte Schritt unserer Forschung war, zu untersuchen, ob jeder – nicht nur die diszipliniertesten Menschen –