HARVARD BUSINESS MANAGER MAGAZINE Harvard_Business_Manager__Juli_2017 | Page 89
SELBSTMANAGEMENT AKADEMIE
ANGENEHMER
PENDELN
Der Weg zur Arbeit muss nicht
zwangsläufig zur Belastung werden.
Fünf sinnvolle Strategien.
illionen Menschen auf der ganzen Welt
müssen jeden Tag einen langen Arbeits-
weg auf sich nehmen. Allein in den USA
verbringen etwa 25 Millionen Arbeit-
nehmer täglich mehr als 90 Minuten da-
mit, zur Arbeit und wieder nach Hause
zu fahren. Laut US-Statistikbehörde
benötigen ungefähr 600 000 „Mega-
pendler“ sogar mehr als 90 Minuten pro
Strecke. In Großbritannien braucht
der durchschnittliche Pendler für Hin-
und Rückweg 54 Minuten (gegenüber
45 Minuten im Jahr 2003), und in
den meisten großen Städten weltweit,
von Mailand bis nach Manila, ist der
Arbeitsweg länger als eine Stunde.
Die große Mehrheit der Arbeitnehmer
hat allerdings keinen Spaß an der Pen-
delei. Der Autohersteller Ford befragte
dazu mehr als 5500 Menschen in sechs
europäischen Städten. Viele fanden das
Pendeln stressiger als ihren eigentlichen
Job, einen Umzug oder einen Zahnarzt-
besuch. In einer Umfrage, die der No-
belpreisträger Daniel Kahneman und
seine Kollegen 2006 unter 909 Arbeit-
nehmerinnen in Texas durchgeführt
hatten, sagten die Teilnehmerinnen, die
morgendliche Fahrt zur Arbeit sei für
sie der unangenehmste Teil des Tages,
gefolgt von der Arbeit an sich und der
Heimfahrt, die auf Platz drei rangierte.
Diese Abneigung gegen das Pendeln
hat ernsthafte Auswirkungen auf das
Wohlbefinden. Eine im Jahr 2014 von
der britischen Regierung durchgeführte
Umfrage ergab, dass Menschen mit
einem längeren Arbeitsweg besorgter
und weniger zufrieden mit ihrem Leben
waren als Menschen, die nicht so lange
Strecken zurücklegen mussten. Darüber
hinaus empfanden sie auch ihre täg -
liche Arbeit als weniger lohnenswert.
Andere Studien ergaben, dass Men-
schen mit langen Arbeitswegen bei ihrer
Tätigkeit erschöpfter und weniger
produktiv sind und insgesamt eine ge-
ringere Zufriedenheit im Job verspüren.
JULI 2017 HARVARD BUSINESS MANAGER
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VON FRANCESCA GINO, BRADLEY STAATS,
JON JACHIMOWICZ, JULIA LEE UND JOCHEN MENGES