GASTRO Branchenbuch 2015 GASTRO Branchenbuch 2015 | Page 83

DIENSTLEISTUNGEN Die Hotellerie ist eine sehr anlagen- und kapitalintensive Branche. Die Betroffenheit durch das geplante Steuerrevival wäre sehr hoch und die Nachfolgeproblematik würde sich weiter verschärfen. Weiters hätten Erbschafts- und Schenkungssteuer negative Einflüsse auf Wachstum und den touristischen Arbeitsmarkt (Bild: Tim Reckmann/pixelio.de) „Wenn wir im Tourismus nicht wei- situationen flexibel und unbürokrater an Wettbewerbsfähigkeit verlie- tisch reagieren zu können“, so Rohrren und den Wohlstand innerhalb moser. der Tourismusregionen erhalten „Um die fehlende Investitionstätigmöchten, braucht es keine neuen keit wieder anzukurbeln, braucht Steuern, sondern strukturelle Ver- es leistbare Impulse, die sich mitteländerungen. Das Ziel muss sein, fristig auch für den Staat rentieren. die Abgabenquote insgesamt zu Investitionsfreibeträge, Investitisenken, statt neue Steuern einzu- onsprämie und verkürzte Abschreiführen“, so Rohrmoser und Sche- bungsdauern könnten wieder Imkulin. Die österreichische Abgaben- pulsgeber sein. Halbsatzbegünstiquote liege derzeit schon bei 43,8 gungen und die Steuerfreiheit der Prozent. stillen Reserven sollten bei allen Betriebsaufgaben gelten. Die PflichtKritische Punkte anteilsfristen sollten so verlängert „Die Hotellerie leidet im internatio- werden, dass der Pflichtteil bei einalen Vergleich an den höchsten ner Erbschaft erst im Laufe von Arbeitskosten (über 35% vom Be- zehn Jahren ausbezahlt wird. Es triebsumsatz). Vorrangiges Ziel soll- sollte zu keiner Ungleichbehandte sein, die vorhanden Spielräume lung zwischen Privatinvestitionen zur Senkung der Lohnkosten end- und Bankzinsen kommen“, fordert lich zu nutzen. Für kurzfriste Aus- Schekulin. hilfen sollte mit einer pauschalier- Die beiden Steuerexperten sind der ten Abgabe auf die Entgeltansprü- Meinung, dass eine Rechtsformche die Flexibilität erhöht werden. neutralität der Besteuerung von In einer globalisierten Welt müs- nicht entnommenen Gewinnen notsen Hotelbetriebe die Möglichkeit wendig wäre. Weiters sollten alterhaben, auf schwankende Buchungs- native Finanzierungsmodelle wie etwa die Tourismusanleihe mit einer Bundeshaftung ausgestattet werden. Flexibilität der Arbeit Die derzeitigen Zuverdienstgrenzen in Kombination mit Familienbeihilfe, Stipendium, Arbeitslosengeld und Alterspension gehören auf die Bedürfnisse der neuen Arbeitswelt angepasst. Insbesondere der Tourismus mit seinen Saisonspitzen und seinem temporären Geschäftsaufkommen bietet sich für flexible Beschäftigungen an. Den Betrieben sollte die Möglichkeit der Umsetzung flexibler Arbeitszeitmodelle auf Betriebsebene ermöglicht werden. Mehrfachversicherungen gelten zurecht als Hemmschuh für mehr Konsum. Es gibt arbeitswillige Pensionisten, die aus Ärger über die Mehrfachversicherung einer Beschäftigung in der Hotellerie nicht nachgehen. Die Schaffung einer pauschalen Abgabe auf Entgeltansprüche kurzfristiger Aushilfen in Höhe von 20 GASTRO Branchenbuch 83 Prozent, die sowohl die Sozialversicherung als auch die Lohnsteuer abdeckt, würde eine wesentliche Erleichterung für die heimischen Hotelbetriebe darstellen. Die Hotellerie ist eine sehr anlagenund kapitalintensive Branche. Die Immobilie ist für den Erfolg eines Hotels ein betriebsnotwendiger Faktor. Die Unternehmen halten Grundstücke und Gebä ude in ihrem Substanzportefeuille, um Urlaubsstimmung zu erzeugen. Will man diesen Wirtschaftszweig nicht schwer schädigen, so gehört das Vermögen geschont. Die Betroffenheit durch das geplante Steuerrevival wäre hoch und die Nachfolgeproblematik würde sich weiter verschärfen. Weiters hätten Erbschafts- und Schenkungssteuer negative Einflüsse auf den Tourismus. Ziel des Papiers der Prodinger-Steuerberatung ist es, den Wohlstand der österreichischen Tourismusregionen zu erhöhen. www.progfb.at