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Beitrag zum Thema » Energiewende und Energieeffizienz «
Cornelius Matthes

Sichere Energieversorgung, Energieeffizienz und der beschleunigte Übergang in die kohlenstoffarme Energiewirtschaft sind nicht erst seit der Energiewende in Deutschland unabdingbare Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum. Energiepolitik muss sowohl die Endlichkeit der fossilen Ressourcen als auch die Abhängigkeiten durch einseitige Energieimporte – speziell Gas – berücksichtigen. Was kommen muss, ist nicht sonderlich schwer zu erahnen: Wir brauchen sämtliche Energieformen, die preiswert, ungefährlich und umweltfreundlich sind – ob dezentral vom Scheunendach oder vom Windrad von der Wiese, ob aus Erdwärme und Gezeiten, ob aus neuen Wasserspeichern, ob fürs Elektro- oder Solargas-Auto, ob zentral Off-Shore und aus den Wüsten Nordafrikas. Die Ethik-Kommission stellte fest: » Die Initiative › Desertec ‹ ist ein erster wichtiger Ansatz «. Und die Kanzlerin schrieb der Desertec-Initiative ein Grußwort für die im November vergangenen Jahres im Auswärtigen Amt in Berlin stattfindende Jahreskonferenz, die sie auch schon im Vorjahr in Kairo unterstützt hat: » Die Bundesregierung begrüßt es, dass mit Desertec die Realisierung von Solarkraftwerken und Windkraftanlagen in Nordafrika vorangetrieben werden soll. Was wir am Ende sehen möchten, ist eine langfristige, gleichberechtigte Partnerschaft zwischen den Ländern Nordafrikas und Europas.« » Dezentral « gegen » zentral « auszuspielen, verrät dabei unpolitisch kleines ideologisches Karo – denn wir brauchen beides. Um den volatilen erneuerbaren Energien wirklich zum Durchbruch zu verhelfen, müssen zudem zwei Probleme gelöst werden: die Energieumwandlung bzw. Speicherung und der Stromtransport.

Das verlangt viel Geld, wobei auch darauf geachtet werden muss, eine faire und transparente Rechnung aufzumachen. Dies bedeutet, dass sowohl die Kosten gegenüber dem Status quo ohne Energiewende als auch alle Unterstützungen für die konventionellen Energien transparent gemacht werden müssen. Fast zwei Jahre nach dem Einläuten der Energiewende gibt es in Deutschland noch sehr viel zu tun. Nicht nur infolge des starken Strompreisanstiegs, der zum geringeren Teil auch durch das EEG mit verursacht wurde, gibt es aktuell eine breite Diskussion über die Kosten, aber auch die Organisation, Umsetzung und Machbarkeit der Energiewende. Die Bedeutung der Energieeffizienz um den gesamten Energiebedarf langfristig zu senken, kann nicht oft genug unterstrichen werden.
Der erste und wichtigste Pfeiler der Energiewende ist die Energiespeicherung; zuallererst die Verschwendung von Energie zu verringern. Die Energiewende erfordert Umdenken nicht nur in Politik und Wirtschaft, nicht nur Änderungen in unserem Energie-Verbrauchs-Verhalten, sondern auch in Forschung und Entwicklung.
Einen Teil der Lösung, der allerdings noch in der Zukunft liegt, und deshalb großer Forschungsanstrengungen bedarf, könnte die sogenannte Solare Raffinerie sein. Sie verarbeitet nicht nur CO 2
, sondern auch Biomasse. Biomasse gilt als » CO 2
-Sammler «, arbeitet also den Klima-Erfordernissen positiv entgegen. Wichtigste Bedingung dabei ist, dass die eingesetzten Pflanzen nicht mit der Nahrungsmittelproduktion konkurrieren – » Tank oder Teller « darf kein Gegensatz sein. Insgesamt, so Robert Schlögl vom Fritz-Haber-Ins-
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