Festschrift Jubiläum 25 Jahre | Page 16

wieder eingefangen, andere leben nun möglicherweise in den Straßen. Nicht so Kamal und Halim. Die beiden fragten sofort eine Italienerin nach einem Taxi und bekamen auch eine freundliche Antwort und so gelangten sie zum Bahnhof, wo sie in den nächsten Zug nach Mailand stiegen. Einmal kam in den Zug eine Polizeikontrolle, doch sie fragten nicht nach den Papieren… Kamal und Halim haben viele nette Menschen in Italien getroffen. In Mailand angekommen, wurden sie schon auf dem Bahnhof von einem Mann gefragt, ob er sie für 1200 € nach Schweden bringen dürfe. Für ein geübtes Auge war es keine Schwierigkeit, sie als syrische Flüchtlinge auszumachen. Selbstverständlich nahmen sie das Angebot an. Mit diesem Mann gelangten sie bis in die Schweiz. Von dort sollten sie alleine nach Dänemark weiterreisen. Doch so weit sollten sie nicht mehr kommen. In Freiburg war Endstation. Sie wurden von der Polizei aufgegriffen. Nun warten sie darauf, in Deutschland Asyl zu bekommen. für mehr gab es keinen Platz. Während der 10-tägigen Fahrt hatten sie nur minimalste Vorräte an Nahrung und Trinkwasser, die letzten Tage über gab es gar nichts mehr. Es bleibt ein Rätsel, wie sie diese Zeit überlebt haben. Der Mann, der während dieser qualvollen Tage ihr Schicksal, das Schicksal der 350 Menschen in den Händen hielt, war der gerade einmal 20-jährige Kapitän, der noch nie zuvor ein Schiff gesteuert hatte und die ganze Zeit über Marihuana rauchte. Und ringsherum nur kilometerweit Wasser. Doch am 10. Tag kam die Erlösung in Form eines türkischen Schiffes. Sie hatten Glück, das Schiff sah sie, nahm sie auf und brachte sie nach Italien. In Italien wurden sie sofort festgenommen und in ein Basketballfeld gesperrt. Immer wieder ging es um Fingerprints, Fingerabdrücke. Haben sie die erst einmal abgegeben, bekommen sie in Italien Asyl. Als sich eines Tages alle Gefangenen und auch das Wachpersonal der Essensausgabe zuwendeten, nutzte Kamal die Chance und brach in einem anderen Bereich des Basketballfeldes eine Türe auf. Für ihn war das kein Problem. Er hatte früher viel geboxt. Dadurch konnten später 100 Flüchtlinge ihr provisorisches Gefängnis verlassen und während die Polizisten die Verfolgung aufnahmen entwischten auch die restlichen 250. Sie alle verschwanden in verschiedene Richtungen, viele wurden wahrscheinlich Djamal stammt aus Damaskus. Als Einziger seiner Familie ist er ins Ausland geflohen. Sein Vater drängte ihn das Land zu verlassen, um so dem Militärdienst zu entgehen. Mittlerweile muss in Syrien jeder Mann zwischen 19 und 95 zur Armee. Außerdem gab er sei- ZeitDruck | syrien 16