wieder eingefangen, andere leben nun möglicherweise in den Straßen. Nicht so Kamal und Halim. Die
beiden fragten sofort eine Italienerin nach einem Taxi
und bekamen auch eine freundliche Antwort und so
gelangten sie zum Bahnhof, wo sie in den nächsten
Zug nach Mailand stiegen. Einmal kam in den Zug
eine Polizeikontrolle, doch sie fragten nicht nach den
Papieren… Kamal und Halim haben viele nette Menschen in Italien getroffen. In Mailand angekommen,
wurden sie schon auf dem Bahnhof von einem Mann
gefragt, ob er sie für 1200 € nach Schweden bringen
dürfe. Für ein geübtes Auge war es keine Schwierigkeit, sie als syrische Flüchtlinge auszumachen. Selbstverständlich nahmen sie das Angebot an.
Mit diesem Mann gelangten sie bis in die Schweiz.
Von dort sollten sie alleine nach Dänemark weiterreisen. Doch so weit sollten sie nicht mehr kommen. In
Freiburg war Endstation. Sie wurden von der Polizei
aufgegriffen. Nun warten sie darauf, in Deutschland
Asyl zu bekommen.
für mehr gab es keinen Platz. Während der 10-tägigen
Fahrt hatten sie nur minimalste Vorräte an Nahrung
und Trinkwasser, die letzten Tage über gab es gar nichts
mehr. Es bleibt ein Rätsel, wie sie diese Zeit überlebt
haben. Der Mann, der während dieser qualvollen Tage
ihr Schicksal, das Schicksal der 350 Menschen in den
Händen hielt, war der gerade einmal 20-jährige Kapitän, der noch nie zuvor ein Schiff gesteuert hatte und
die ganze Zeit über Marihuana rauchte. Und ringsherum nur kilometerweit Wasser. Doch am 10. Tag
kam die Erlösung in Form eines türkischen Schiffes.
Sie hatten Glück, das Schiff sah sie, nahm sie auf und
brachte sie nach Italien. In Italien wurden sie sofort
festgenommen und in ein Basketballfeld gesperrt. Immer wieder ging es um Fingerprints, Fingerabdrücke.
Haben sie die erst einmal abgegeben, bekommen sie
in Italien Asyl. Als sich eines Tages alle Gefangenen
und auch das Wachpersonal der Essensausgabe zuwendeten, nutzte Kamal die Chance und brach in
einem anderen Bereich des Basketballfeldes eine Türe
auf. Für ihn war das kein Problem. Er hatte früher
viel geboxt. Dadurch konnten später 100 Flüchtlinge
ihr provisorisches Gefängnis verlassen und während
die Polizisten die Verfolgung aufnahmen entwischten
auch die restlichen 250. Sie alle verschwanden in verschiedene Richtungen, viele wurden wahrscheinlich
Djamal stammt aus Damaskus. Als Einziger seiner Familie ist er ins Ausland geflohen. Sein Vater drängte
ihn das Land zu verlassen, um so dem Militärdienst
zu entgehen. Mittlerweile muss in Syrien jeder Mann
zwischen 19 und 95 zur Armee. Außerdem gab er sei-
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