Fahrradtechnik
Oberschenkelinnenseite. Die Sattelnase
gibt Halt und Führung auf dem Rad,
„Rocksättel“ ohne Nase sind für Touren
fahrten ungeeignet.
Die Auswahl an unterschiedlichsten
Sattelkonstruktionen ist enorm, deshalb ist
es wichtig, dass die Hauptkriterien erfüllt
werden. Bei Prostatabeschwerden oder
allgemeiner Empfindlichkeit im Dammbe
reich kommen auch Sättel mit Aussparun
gen, weicheren Einsätzen oder Sonderfor
men mit aufgesetzten Sitzpolstern in die
engere Wahl.
Der klassische Ledersattel ist ein Mitfa
vorit bei Viel und Langstreckenfahrern.
Wer sich hierfür entscheidet, lässt sich auf
eine gewisse Eingewöhnzeit ein, in der
sich der Sattel der individuellen Anatomie
anpasst. Er fordert allerdings einen höhe
ren Pflegeaufwand, bietet dafür eine gute
Schweißaufnahme und sorgt für ein ange
nehmes „Klima“. Das Gros der Sättel be
steht allerdings heute aus diversen Kunst
stoffen.
Hat man seine Auswahl getroffen und
einen Händler gefunden, der eine „Test
phase“ einräumt, sollte es möglich sein,
den „Richtigen“ zu finden. Die Testphase
ist wichtig, da die Qualität des Sattels nicht
auf einer Ehrenrunde vor dem Geschäft
erkennbar ist, sondern auf einer ein bis
zweistündigen Tour. Berücksichtigen sollte
man auch, dass der Gelegenheitsradler
natürlich eher Be
schwerden, nicht nur
im Gesäß, sondern
auch im Rücken,
Nacken und den
Händen bekommt,
wenn er mal eine
lange Tour anstrebt.
Ist es dann der
richtige Sattel pas
send zum Fahrrad und Einsatztyp, ist die
Montage außerordentlich wichtig! Voraus
gesetzt die Gesamtgeometrie des Rades
(Rahmengröße, Abstände SitzPedal
Lenker) stimmt, beginnt man mit einer
waagerechten Ausrichtung des Sattels.
Von dieser Einstellung sollte bei der Fein
justierung auch nur wenig abgewichen
werden. Neigt sich die Sattelnase zu weit
nach unten, rutscht man unweigerlich beim
Fahren nach vorn. Außerdem hilft das nur
bei Männern. Das rundere Becken der
Frauen sorgt bei Schrägstellung des Sat
tels dafür, dass das Becken nach hinten
kippt und die Wirbelsäule Ihre natürliche S
Form verliert. Hier helfen die Sättel mit
weicherer Kontaktfläche im Dammbereich.
Umgekehrt verstärken sich bei steiler Sat
telnase die Druckbeschwerden im Damm
bereich. Für Frauen mit eher sportlicher
Fahrweise sind Sättel in TForm geeigne
ter. Das sind Sättel, die in der Draufsicht
einem „T“ ähneln, also vom breiten hinte
ren Teil schnell in die schlanke Nasenform
wechseln. Erfahrungen und Empfehlun
gen anderer Radler sind nur eine kleine
Hilfe, da Anatomie, Fahrstil, Haltung und
Körpergewicht zu unterschiedlich sind.
Ausprobieren ist in jedem Fall der einzig
richtige Weg. Fahrfreude beginnt mit dem
richtigen Sattel!
Eberhard Schnabel
FahrRad Frühling 2014
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