FahrRad 1/2014 | Page 47

Fahrradtechnik Oberschenkelinnenseite. Die Sattelnase gibt Halt und Führung auf dem Rad, „Rocksättel“ ohne Nase sind für Touren­ fahrten ungeeignet. Die Auswahl an unterschiedlichsten Sattelkonstruktionen ist enorm, deshalb ist es wichtig, dass die Hauptkriterien erfüllt werden. Bei Prostatabeschwerden oder allgemeiner Empfindlichkeit im Dammbe­ reich kommen auch Sättel mit Aussparun­ gen, weicheren Einsätzen oder Sonderfor­ men mit aufgesetzten Sitzpolstern in die engere Wahl. Der klassische Ledersattel ist ein Mitfa­ vorit bei Viel­ und Langstreckenfahrern. Wer sich hierfür entscheidet, lässt sich auf eine gewisse Eingewöhnzeit ein, in der sich der Sattel der individuellen Anatomie anpasst. Er fordert allerdings einen höhe­ ren Pflegeaufwand, bietet dafür eine gute Schweißaufnahme und sorgt für ein ange­ nehmes „Klima“. Das Gros der Sättel be­ steht allerdings heute aus diversen Kunst­ stoffen. Hat man seine Auswahl getroffen und einen Händler gefunden, der eine „Test­ phase“ einräumt, sollte es möglich sein, den „Richtigen“ zu finden. Die Testphase ist wichtig, da die Qualität des Sattels nicht auf einer Ehrenrunde vor dem Geschäft erkennbar ist, sondern auf einer ein­ bis zweistündigen Tour. Berücksichtigen sollte man auch, dass der Gelegenheitsradler natürlich eher Be­ schwerden, nicht nur im Gesäß, sondern auch im Rücken, Nacken und den Händen bekommt, wenn er mal eine lange Tour anstrebt. Ist es dann der richtige Sattel pas­ send zum Fahrrad­ und Einsatztyp, ist die Montage außerordentlich wichtig! Voraus­ gesetzt die Gesamtgeometrie des Rades (Rahmengröße, Abstände Sitz­Pedal­ Lenker) stimmt, beginnt man mit einer waagerechten Ausrichtung des Sattels. Von dieser Einstellung sollte bei der Fein­ justierung auch nur wenig abgewichen werden. Neigt sich die Sattelnase zu weit nach unten, rutscht man unweigerlich beim Fahren nach vorn. Außerdem hilft das nur bei Männern. Das rundere Becken der Frauen sorgt bei Schrägstellung des Sat­ tels dafür, dass das Becken nach hinten kippt und die Wirbelsäule Ihre natürliche S­ Form verliert. Hier helfen die Sättel mit weicherer Kontaktfläche im Dammbereich. Umgekehrt verstärken sich bei steiler Sat­ telnase die Druckbeschwerden im Damm­ bereich. Für Frauen mit eher sportlicher Fahrweise sind Sättel in T­Form geeigne­ ter. Das sind Sättel, die in der Draufsicht einem „T“ ähneln, also vom breiten hinte­ ren Teil schnell in die schlanke Nasenform wechseln. Erfahrungen und Empfehlun­ gen anderer Radler sind nur eine kleine Hilfe, da Anatomie, Fahrstil, Haltung und Körpergewicht zu unterschiedlich sind. Ausprobieren ist in jedem Fall der einzig richtige Weg. Fahrfreude beginnt mit dem richtigen Sattel! Eberhard Schnabel FahrRad Frühling 2014 47