Radreise
gleiche Frage. Sie fangen an zu lachen
über mich!!! So geht es weiter. Ich be
komme endlich heraus, wo es auf dem
Flughafen in Rostow am Don einen
Stadtplan gibt. Doch leider hat das Ge
schäft schon geschlossen. Lesen kann
ich nichts – die kyrillische Schrift habe ich
mir nicht so unterschiedlich von unseren
lateinischen Buchstaben vorgestellt.
Rückblick
Als ich 1991 zum ersten Mal nach War
schau mit dem Fahrrad fuhr und in Frank
furt/Oder an der Grenze ohne Visum
stand, war ich voller Abenteuerlust. An
der Grenze wurde mir ruckzuck ein Vi
sum ausgestellt gegen Zahlung von 20
DM und schon war ich in Polen. Mein Ent
deckergeist ließ mich alle Befürchtungen
und Ängste vergessen. Gleich nach der
Grenze ließ ich einen Jungen auf meinem
Fahrrad mitfahren und halbwegs konnten
wir uns verständigen – er konnte etwas
Englisch. So schlug ich mich bis War
schau durch und fuhr von dort mit der Ei
senbahn wieder zurück nach Dortmund
mit dem Moskau – Paris –Express.
Als ich 1998 mit dem Auto von Unna
nach Graz in Österreich fuhr, um von dort
nach Sarajewo im ehemaligen Jugosla
wien – heute in BosnienHerzegowina –
zu radeln, war ich voller Tatendrang. Von
Graz ging es nach Maribor in Slowenien,
nach Zagreb, nach Bihac in Bosnien und
über BosanskiBrod nach Sarajevo und
so weiter. Überall war „unsere DM“ gerne
gesehen und viele sprachen Deutsch
oder Englisch – ich kam mir fast vor wie zu
Hause.
Einmal fand ich kein Hotel und so habe
mich an den Rand eines kleinen Dörf
chens in meinen Schlafsack gelegt. Als
ich nach vier Stunden Schlaf morgens
aufwachte, schaute ich in die Gesichter
von besorgt dreinblickenden moslemi
schen Frauen mit Kopftüchern, die mich
besorgt und verwundert anblickten. „Gu
ten Morgen“ sagte ich – und ein breites
Grinsen ging über die Gesichter der mich
anblickenden Frauen. „Nimsci (Deut
scher)!“, riefen die Frauen und: „Guten
Morgen, mein Herr!“ Sie waren als Bür
gerkriegsflüchtlinge aus Jugoslawien An
fang der 90er Jahre in Deutschland unter
gekommen und gut behandelt worden –
sie brachten mir etwas zu essen und zu
trinken! So war das damals und so war es
eigentlich auf allen meinen Touren!
Zurück zum Dienstag, 6. August 2013.
Taxifahrer wittern ein Geschäft. Sie stür
zen auf mich zu : „Taxi, Taxi!“ verstehe ich
und dass sie mich zu einem Hotel fahren
wollen. Sie hängen wie Kletten an mir!
Aber so schnell gebe ich nicht auf. Ich will
mit einem Autobus in die Stadt fahren, um
dem Land und den Menschen etwas nä
her zu kommen und fange an, nach der
„Busstation“ zu fragen – mit Händen und
Füßen. Nach etwa einer halben Stunde
habe ich endlich die 1 Kilometer vom
Flughafen entfernt liegende Busstation
entdeckt – warum spricht keiner Eng
lisch?
Wie soll ich mir ein Fahrrad kaufen und
dann von Rostow am Don nach Wolgo
grad und von dort nach Astrachan am
Kaspischen Meer kommen, wenn ich kei
nen verstehe, mich keiner versteht und
ich die russische Schrift auch nicht an
satzweise lesen kann? Dem Busfahrer
mache ich klar, dass ich zum Zentrum will.
Er fragt: „Center?“ Ich nicke heftig – er
hatte mich verstanden! und gibt mir zu
verstehen, dass ich mich vorne hinsetzen
soll – er will mir Bescheid geben, wenn wir
im „Center“ angekommen sind. Endlich ist
FahrRad Frühling 2014
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