Edelstahl Aktuell November 2025 | Page 34

MAINTENANCE Neue Beschichtungen gegen Korrosion unter Dämmung

Korrosion unter Dämmung( CUI) ist eines der kostspieligsten Probleme der Industrie. Wo Rohrleitungen, Tanks oder Anlagenkomponenten mit Isoliermaterial versehen sind, bleibt eindringende Feuchtigkeit oft lange unbemerkt. Edelstahl ist zwar grundsätzlich korrosionsbeständig, doch unter feuchten, chloridreichen Bedingungen entstehen auch hier Lochfraßkorrosion( Pitting), Risskorrosion und Materialschwächungen. Neue Entwicklungen bei Beschichtungen und Inspektionsmethoden ermöglichen es jetzt, Schäden früher zu erkennen und Anlagen gezielter zu schützen.
Ein Beitrag von Anett Leonhard, Edelstahl Aktuell
Auch Edelstahl wird in vielen Anlagen isoliert. Gründe sind vor allem die Energieeffizienz, die Arbeitssicherheit und der Schutz vor Kondensatbildung. Eine Dämmung verhindert Wärmeverluste, schützt Mitarbeitende vor heißen Oberflächen und reduziert Kondensat an kalten Leitungen. Unter der Isolierung kann sich jedoch Feuchtigkeit ansammeln, die in Verbindung mit Chloriden zu Korrosion führt. So entsteht das Phänomen der Korrosion unter Dämmung, von dem auch Edelstahl betroffen ist.
Warum CUI so tückisch ist Bei CUI bleibt die Korrosion oft über Jahre verborgen. Erst wenn das Dämmmaterial entfernt wird oder die Bauteile bereits stark geschwächt sind, wird das Ausmaß sichtbar. Inspektionen sind aufwendig, da dafür ganze Abschnitte der Isolierung entfernt werden müssen. Klassische Beschichtungen wie Epoxide oder Silikate verzögern den Prozess, stoßen bei wechselnden Temperaturen und Durchfeuchtungen jedoch an ihre Grenzen. Für Betreiber bedeutet das hohe Wartungskosten, lange Stillstände und im schlimmsten Fall Sicherheitsrisiken. In der Prozessindustrie zählt CUI daher zu den folgenreichsten Schadensbildern im gesamten Bereich der Korrosion.
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Korrosion unter Dämmung: Feuchtigkeit dringt ein und greift die Rohrleitung an – lange Zeit bleibt der Schaden unsichtbar. Foto: Sora
Beschichtungen der neuen Generation Moderne Systeme setzen zunehmend auf mehrschichtige Ansätze, die nicht nur als Barriere wirken, sondern auch aktiv auf Umgebungsbedingungen reagieren. Ein Beispiel hierfür sind nanoverstärkte Barriereschichten. Sie verzögern das Eindringen von Wasser und Chloriden deutlich und verlängern somit die Schutzwirkung in feuchten oder aggressiven Umgebungen. Einen anderen Ansatz verfolgen aerogelbasierte Beschichtungen: Sie bieten neben dem Korrosionsschutz auch isolierende Eigenschaften. Dadurch lassen sich Wärmeverluste reduzieren, was insbesondere in Prozessen mit hohen Betriebstemperaturen von Vorteil ist. Darüber hinaus gibt es inzwischen selbstheilende Systeme, die Mikrorisse eigenständig schließen, sobald Feuchtigkeit eindringt. Dadurch bleibt die Schutzschicht länger intakt und das Risiko für unbemerkte Korrosionsprozesse sinkt erheblich. Für Edelstahlbauteile sind Beschichtungen relevant, die auch bei hohen Temperaturen stabil bleiben und keine spröden Risse ausbilden. Entscheidend ist dabei die Kombination aus einer elastischen Grundierung, die Bewegungen ausgleichen kann, und einer Deckschicht, die
EDELSTAHL AKTUELL | AUSGABE 8 | NOVEMBER 2025 gegen Hitze und Chemikalien resistent ist.
Intelligente Inspektionsmethoden Zerstörungsfreie Prüfungen wie Wirbelstrom- oder Ultraschallverfahren ermöglichen heute eine frühzeitige Erkennung von Feuchtigkeit und Materialveränderungen – ohne die Dämmung großflächig zu entfernen. Ergänzend kommen Feuchtesensoren zum Einsatz, die in die Isolierung eingebracht werden und bereits bei minimaler Durchfeuchtung ein Warnsignal auslösen. Moderne Datenauswertung und digitale Monitoring-Systeme erlauben zudem eine kontinuierliche Überwachung,