Edelstahl Aktuell Mai 2024 | Page 28

Chemie & Petrochemie

WSS unterstützt „ Jahrhundertprojekt “ mit 100 Mio . Schweizer Franken

Das „ Jahrhundertprojekt “ der Werner Siemens-Stiftung ( WSS ) steht fest : Ein Team um Regina Palkovits und Jürgen Klankermayer von der RWTH Aachen wird in einem WSS-Forschungszentrum katalytisch getriebene Produktionsverfahren entwickeln , die eine mehrdimensionale Kreislaufwirtschaft in der chemischen Industrie ermöglichen . Das effiziente Recycling von Kunststoffgemischen sei ein erklärtes Ziel . Die WSS stattet das Zentrum mit 100 Millionen Schweizer Franken , verteilt auf zehn Jahre , aus . Anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens hatte die in Zug ( Schweiz ) ansässige Werner Siemens-Stiftung einen Ideenwettbewerb für die Gründung eines WSS-Forschungszentrums ausgeschrieben , das Technologien für eine nachhaltige Ressourcennutzung erforschen und entwickeln wird . Hochkarätige Forschende aus Deutschland , Österreich und der Schweiz bewarben sich mit insgesamt 123 Ideenskizzen .
Exzellente Wissenschaft , innovatives Projekt Die Wahl fiel schließlich auf das Projekt „ catalaix : Katalyse für eine Kreislaufwirtschaft “ unter der Leitung von
Kunststoffabfall wird für die chemische Reaktion vorbereitet und in den Mahlbehälter einer Laborkugelmühle gefüllt . Fotos : Werner Siemens-Stiftung / Felix Wey
Professorin Regina Palkovits und Professor Jürgen Klankermayer vom Institut für Technische und Makromolekulare Chemie an der RWTH Aachen . Den Ausschlag gegeben habe die Forschung zur sehr attraktiven Wiederverwendung der molekularen Bausteine von Wertstoffen auf einem hohen Produktionsniveau . „ Insbesondere das effiziente Recycling von Kunststoffgemischen wäre eine weitreichende , revolutionäre Innovation im Bereich Nachhaltigkeit “, so Professor Matthias Kleiner .
Gezielter Abbau dank neuer Katalyseverfahren Im Mittelpunkt der Forschungsarbeiten stehe die Katalyse – jene Technologie , die Geschwindigkeit chemischer Reaktionen erhöht oder sie erst ermöglicht . Das Aachener Team werde sich zunächst auf Kunststoffe konzentrieren und diese durch die Kombination von chemischen , elektrochemischen und mikrobiellen Katalyseverfahren in wiederverwendbare Ausgangsstoffe umwandeln . Dass dies funktionieren kann , haben sie nach
Presseinformationen bereits für diverse Kunststoffklassen demonstriert .
Mehrdimensionale Kreislaufwirtschaft Die Idee der Forschenden gehe aber über einzelne und isolierte Stoffkreisläufe hinaus . Die molekularen Bausteine , die als Ausgangsstoffe durch das Recycling entstehen , seien maßschneiderbar und derart vielseitig einsetzbar , dass sie sich je nach Bedarf auch in andere Wertschöpfungsketten und Materialkreisläufe einspeisen lassen .
In der Laborkugelmühle kann der Kunststoff in definierte Partikelgrößen gemahlen werden .
Behälter und Kunststoff nach dem Mahlvorgang bei tiefen Temperaturen , die ein Schmelzen des Kunststoffs beim Zerkleinerungsprozess vermeiden .
28 edelstahl aktuell | Ausgabe 3 | mai 2024