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AKTUELLES gute Möglichkeiten sehe , um sich zu beteiligen . China als Wettbewerber auszuschalten , werde nicht gelingen , „ denn wenn das Land von Chip-Lieferungen abgeschnitten wird , entwickelt es eben eigene Chips .“ Letzte Frage : „ Was kann Europa von China lernen ?“ Hier lobte Peter Tichauer die Krisenbewältigungsstrategie der Chinesen : „ Mit Blick auf den Umgang mit der Pandemie wird deutlich , dass in Deutschland nur zögerlich entschieden wird . Ständig müssen neue Verordnungen verabschiedet werden . Wenn China etwas erkennt , das notwendig ist , wird das pragmatisch und mit Disziplin und Konsequenz auch durchgesetzt .“
Schnelles Impfen
Einen Blick auf die Risikoweltkarte warf Coface-Volkswirtin Christiane von Berg . Sie stellte die neuesten Länder- und Branchenrisikobewertungen vor , die Coface vierteljährlich aktualisiert . Bei den Länderrisiken gibt es insgesamt fünf Nationen , deren Bewertung verbessert wurde . Diese Aufwertungen seien hauptsächlich auf erfolgreiche Impfkampagnen zurückzuführen , so von Berg . Den Großmächten China und USA bescheinigte die Volkswirtin große Fortschritte auf dem Weg zurück zu vorkrisenähnlicher Wirtschaftsstärke , während die Erholung in Deutschland aktuell noch etwas hinterherhinke . Aber es gebe auch positive Signale : „ Gerade im Verarbeitenden Gewerbe ist die Auftragslage gut – weil es für unsere großen Exportpartner wie China oder die Vereinigten Staaten aufwärtsgeht .“
Mehr Bedarf an Kartonagen
Auch die aktuellen Branchenrisikoeinschätzungen stellte Christiane von Berg vor . In Deutschland wurden die Bewertungen für die Pharma- , die Papier- und die Metall-Branche angehoben . Der Ausblick für die Pharmaindustrie habe sich aufgehellt , weil im aktuellen Lockdown Arztbesuche seltener aufgeschoben werden , „ dadurch hat sich die Medikamentennachfrage normalisiert .“ Dass der Papiersektor im Aufschwung sei , „ sehe ich Tag für Tag beim Blick in meine Papiertonne “, bekannte die Volkswirtin . Die Branche profitiere von der Verpackungsindustrie und deren Nachfrage nach Kartonagen und nicht zuletzt von der Nachfrage nach medizinischen Produkten wie Masken . „ Die Metall-Branche profitiert vor allem von der Belebung des Maschinenbaus und des globalen Automobilmarktes . Die Auftragseingänge sind stark , die Produktion wegen der Rohstoffknappheit derzeit noch nicht “, erklärte Christiane von Berg .
Insolvenzen
Mit Blick auf die Insolvenzzahlen stellte die Volkswirtin abschließend fest : „ Es gab 2020 zwar nicht viele Insolvenzen , aber die , die es gab , hatten es in sich .“ Das Statistische Bundesamt rechne mit einem Schaden von 44,1 Milliarden Euro – der höchste Wert seit 2009 und ein Anstieg um 65 % zum Vorjahr . „ Das ist eine ordentliche Hausnummer und zeigt : Wir sind noch lange nicht fertig mit dieser Krise .“
Ende des Schutzschirms
„ Keine Überraschungen für die Kunden “
Nach dem Auslaufen des Schutzschirms wird sich für die Kunden der Coface nichts ändern . Dies versicherte Jochen Böhm , Regional Risk Underwriting Director , auf Anfrage des Magazins Der CreditManager im Rahmen eines Pressegesprächs . Das Ergebnis des Rettungsschirms bewertet Böhm als durchweg positiv . Jetzt sei es jedoch an der Zeit , wieder die normalen Kräfte in der Wirtschaft walten zu lassen .
Grundsätzlich befürwortet die Coface das Auslaufen des Rettungsschirms . „ Zu Beginn der Pandemie war die Situation sehr unübersichtlich . Niemand wusste , welche Auswirkungen die Krise auf die globalen Lieferketten haben würde . Deshalb war es allein schon aus psychologischer Sicht erforderlich , diese Ketten abzusichern “, blickt Böhm zurück . Mittlerweile aber sei die Lage wieder wesentlich klarer . „ Schon zu Beginn des Jahres hat sich die Spreu vom Weizen getrennt “, so der Regional Risk Underwriting Director . Die Wirtschaft insgesamt entwickele sich positiv . „ Wir erwarten auch keine akute Insolvenzwelle , sondern einen langfristigen Bereinigungsprozess .“
Was passiert nun nach Auslaufen des Schutzschirms ? „ Unsere Kunden wissen , dass sich für sie nichts ändert . Wir sind diesbezüglich sehr transparent und informieren Kunden und Makler kontinuierlich “, erklärt Böhm . So seien beispielsweise keine Veränderungen bei Prämien und Limiten vorgesehen . „ Wir sind wieder in der Lage , mit unseren Instrumenten das Risikomanagement selbst zu steuern . So haben wir unser Monitoring-Team personell verstärkt und sind im engen Austausch mit den Unternehmen .“ So seien allein 4.000 Unternehmen angerufen worden , um Zwischenergebnisse anzufordern . Dabei hätten die meisten Firmen mitgewirkt und bereitwillig Quartalsergebnisse und Zwischenbilanzen zur Verfügung gestellt . In dem engen Monitoring fallen natürlich auch Unternehmen auf , die tatsächlich in Probleme geraten sind . „ Da wir dies alles wieder gut im Blick haben , wird es also einen fließenden Übergang aus dem Schutzschirm heraus in die Normalsituation geben .“
Jochen Böhm Regional Risk Underwriting Director , Coface
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