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BLICK IN DIE BILANZ

CONTINENTAL AG – ZWISCHEN PANDEMIE UND TRANSFORMATION

Die COVID-19-Pandemie beeinflusst spätestens seit März 2020 weltweit das wirtschaftliche und private Leben . So führte die wirtschaftliche Unsicherheit für Unternehmen und Privatpersonen zu einem starken Rückgang der Neuwagenverkäufe . Laut dem Verband der Automobilindustrie wurden im Jahr 2020 insgesamt 2,9 Mio . Neuwagen in Deutschland verkauft – ein Rückgang um circa -17,4 % im Vergleich zum Vorjahr und der geringste Wert seit 20 Jahren . Besonders kritisch ist diese Entwicklung für den in Deutschland stark vertretenen Automobilsektor gewesen , der die Überschüsse aus dem traditionellen Geschäft benötigt , um einen Teil der Investitionen in die Zukunftsbereiche Elektromobilität und autonomes Fahren zu finanzieren . Dies betrifft beispielsweise die Continental AG , die sich bereits seit 2018 in einem kostspieligen Transformationsprozess befindet .
Ein Blick in den Finanzbericht der Continental AG zeigt die angespannte Situation , in der sich der Konzern aktuell befindet . So fiel der Umsatz für das Geschäftsjahr 2020 um -15,2 % auf 37,7 Mrd . € und damit auf den niedrigsten Wert seit sechs Jahren . In den Jahren 2017 bis 2019 betrug dieser im Durchschnitt noch circa 44,0 Mrd . € jährlich . Zudem verschlechterte sich das Jahresergebnis im Vergleich zu 2019 von 1,5 Mrd . € auf -2,4 Mrd . €. Somit wurde das zweite Jahr in Folge ein Milliardenverlust ausgewiesen . Der Jahresfehlbetrag aus dem Jahr 2019 resultierte insbesondere aus einer Wertberichtigung in Höhe von -2,5 Mrd . €.
Positiver operativer Cashflow Ein positiver Aspekt ist hierbei der positive operative Cashflow . Dieser betrug zwischen 2013 und 2019 durchschnittlich 4,7 Mrd . €, fiel für das Jahr 2020 jedoch auf 2,7 Mrd . €. Bei der Betrachtung der einzelnen Geschäftsbereiche für das Jahr 2020 zeigt sich ein differenziertes Bild . So erzielte der Bereich Rubber Technologies einen Umsatz von 15,6 Mrd . € ( -13,2 % im Vergleich zu 2019 ) und trug somit 41 % zum Konzernumsatz bei . Das EBIT ( bereinigt ) fiel im gleichen Zeitraum um -18,7 % auf 1,8 Mrd . €. Dabei wurde der negative Effekt durch einen starken Rückgang der Rohstoffpreise für Rohöl und Naturkautschuk abgeschwächt . Da es sich hierbei lediglich um eine temporäre , nachfragebedingte Abnahme handelt , werden stark steigende Preise in Folge der wirtschaftlichen Erholung erwartet .
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Der Bereich Automotive Technologies , der ebenfalls für 41 % des Konzernumsatzes verantwortlich war , weist für das Jahr 2020 einen Umsatz von 15,3 Mrd . € ( -19,0 %) aus , wobei das EBIT ( bereinigt ) um circa 1,4 Mrd . € auf 0,3 Mrd . € sank . Im Geschäftsbereich Powertrain Technologies fiel der Umsatz um -10,7 % auf 7,0 Mrd . € ( 18,0 % des Konzernumsatzes ). Das EBIT ( bereinigt ) nahm um -112 Mio . € auf -55,6 Mio . € ab . Als Ursache gibt der Konzern in beiden Geschäftsbereichen Lieferprobleme für Halbleiter an . Diese resultieren aus den starken Nachfrageschwankungen während der Pandemie , die zu einer Drosselung der Produktion bei den Haltleiterherstellern führten . Aufgrund der unerwartet schnellen Erholung der Nachfrage konnte in der Produktion nicht rechtzeitig reagiert werden . Der Vorstand rechnet hierbei mit einer Erholung im Laufe des Jahres 2021 .
Weniger Eigenkapital Die negative Geschäftsentwicklung seit 2019 spiegelt sich auch in einer negativen Eigenkapitalentwicklung wider . So sank das Eigenkapital von 18,3 Mrd . € im Jahr 2018 auf zwischenzeitlich 15,9 Mrd . € ( -13,4 %) im Jahr 2019 und betrug zum Ende des Geschäftsjahres 2020 noch lediglich 12,6 Mrd . € ( -20,4 %). Für die Verbindlichkeiten lassen sich im gleichen Zeitraum zwei Trends beobachten . Einerseits stieg der Gesamtwert der Verbindlichkeiten seit 2018 um + 22,1 % auf 27,0 Mrd . € an . Dies führte dazu , dass sich die Eigenkapitalquote um -13,9 Prozentpunkte auf 31,9 % verschlechtert hat . Allerdings wurde zeitgleich der Anteil der kurzfristigen
Verbindlichkeiten an den Gesamtverbindlichkeiten um -18,2 Prozentpunkte auf 52,9 % reduziert . Hierdurch verbesserte sich der Deckungsgrad II , der die finanzielle Stabilität des Unternehmens misst , auf 109,8 %. Zudem stieg die Current Ratio auf 1,2 . Die Current Ratio beschreibt die Fähigkeit , die kurzfristigen Verbindlichkeiten durch das Umlaufvermögen zu bedienen . Hierdurch wird auch die kurzfristige Zahlungsfähigkeit verdeutlicht .
Die angespannte Situation sowie das Nichterfüllen der Markterwartungen spiegeln sich auch im Aktienkurs wider . So halbierte sich der Aktienkurs seit Juni 2018 bis zum Lockdown im März 2020 von 224,70 € auf 111,74 €. Aktuell notiert die Aktie bei circa 113,00 €, nachdem sie während der COVID 19 Pandemie zwischenzeitlich auf 56,00 € gefallen war . Um den benötigten finan-
Philipp Hartmann M . Sc . in Unternehmensführung Wissenschaftlicher Mitarbeiter Georg-August-Universität Göttingen