Bücher über Interreligiöse Spiritualität, Meditation und Universaler Sufismus König Akbar und seine Tochter von Noor Inayat Khan | 页面 35
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rinnerungen an Noor
I
ch erinnere mich. Ja, ich erinnere mich! Ja, Noor ist da, immer,
irgendwo in meinem Geist, in meiner Seele.
Ich erinnere mich an ihre weise Art zu handeln, als wir noch Kinder waren, an mütterliche Fürsorge für uns, von ihr, die ja nur zwei Jahre älter
war als ich. Ich erinnere mich an ihre Liebe zu Blumen, zu allen schönen
Dingen, an ihre Tränen, überwältigt von der Schönheit der heiligen Gesänge, die Abba, unser Vater, für uns sang.
Wir bekamen unseren Vater selten zu Gesicht, außer, wenn er von
Schülern umgeben war oder wenn er kam, um uns eine Gutenachtgeschichte vor dem Schlafengehen zu erzählen. Er war der Vater, der
Murshid der großen Familie seiner Schüler. Wir ahnten nur, was gemeint war, wenn unsere Schulkameraden von Erlebnissen mit ihrem
„Dad“ redeten. Ich erinnere mich, wie Noor uns eines Tages zu sich rief
und sagte: „Habt ihr heute Morgen Abbas Augen gesehen?“ Und als unser Vater die Tür zum orientalischen Zimmer für seinen nächsten Schüler, Murid, öffnete, konnten wir das unglaubliche Leuchten, das Feuer in
seinen Augen kaum fassen! Noor hörte jedes Mal hochkonzentriert und
mit Hingabe zu, wenn Murshid uns seine Kinderklasse im Garten gab.
Diese tiefen Eindrücke erblühten in ihr und entwickelten sich in ihren
Jataka Tales, der ersten Manifestation von Noors Plan, die Lebensgeschichten aller Propheten der Weltreligionen zu erzählen, ein Plan, der
unglücklicherweise durch die uns bevorstehenden Tragödien zunichte
gemacht werden sollte.
Einige Gedichte erzählen von ihrer tiefen Verbundenheit mit den Gedemütigten, den Leidenden, den Unterdrückten, von ihrem Bestreben,
die freimütigen Zukunftsträume von Kindern zu würdigen, hohe Ideale
zu bewahren, um so den Zynismus und die Bitterkeit unserer Gesell151