Antoine de Saint Exupery-Der kleine prinz Antoine de Saint Exupery - Der kleine Prinz | Page 76
Ich antwortete: »Gewiß«, und betrachtete schweigend die Falten
des Sandes unter dem Monde.
»Die Wüste ist schön, fügte er hinzu …«
Und das war wahr. Ich habe die Wüste immer geliebt. Man setzt
sich auf eine Sanddüne. Man sieht nichts. Man hört nichts. Und
währenddessen strahlt etwas in der Stille.
»Es macht die Wüste schön«, sagte der kleine Prinz, »daß sie
irgendwo einen Brunnen birgt.«
Ich war überrascht, dieses geheimnisvolle Leuchten des Sandes
plötzlich zu verstehen. Als ich ein kleiner Knabe war, wohnte ich in
einem alten Haus, und die Sage erzählte, daß darin ein Schatz ver-
steckt sei. Gewiß, es hat ihn nie jemand zu entdecken vermocht, viel-
leicht hat ihn auch nie jemand gesucht. Aber er verzauberte dieses
ganze Haus. Mein Haus barg ein Geheimnis auf dem Grunde seines
Herzens …
»Ja«, sagte ich zum kleinen Prinzen, »ob es sich um das Haus, um
die Sterne oder um die Wüste handelt, was ihre Schönheit ausmacht,
ist unsichtbar!«
»Ich bin froh«, sagte er, »daß du mit meinem Fuchs überein-
stimmst.«
Da der kleine Prinz einschlief, nahm ich ihn in meine Arme und
machte mich wieder auf den Weg. Ich war bewegt. Mir war, als trüge
ich ein zerbrechliches Kleinod. Es schien mir sogar, als gäbe es nichts
Zerbrechlicheres auf der Erde. Ich betrachtete im Mondlicht diese
blasse Stirn, diese geschlossenen Augen, diese im Winde zitternde
Haarsträhne, und ich sagte mir: Was ich da sehe, ist nur eine Hülle.
Das Eigentliche ist unsichtbar …
Da seine halbgeöffneten Lippen ein halbes Lächeln andeuteten,
dachte ich mir auch: Was mich an diesem kleinen eingeschlafenen