+3 Magazin Juni 2017 - Page 10

+2 10 ... und was ist Ihre Meinung? WELCHEM ENERGIETRÄGER GEHÖRT DIE ZUKUNFT? WIR FRAGEN: www.plus-drei.de antwort@plus-drei.de Der mit 300 Metern höchste Staudamm der Welt steht in Tadschikistan und versorgt mit 3.000 Megawatt Leistung fast das gesamte Land mit Strom.  Quelle: Wikipedia © iStock./Claudiad Harald Lesch, Professor für Astrophysik, Ludwig-Maximilians- Universität München und Fernsehmoderator Perspektivwandel Klar ist, nur den erneuerbaren Ener- gien darf die Zukunft gehören. Die fossilen Ressourcen sind im wahrs- ten Sinne des Wortes Geschichte und zwar sehr alte Geschichte, Erdge- schichte nämlich. In Zukunft werden wir mit Wind, Sonne und Bio-Anlagen unseren Energiehunger stillen, der allerdings pro Kopf deutlich schwä- cher ausfallen muss. Dem Energiespa- ren gehört deshalb auch die Zukunft. Wenn es gelingt, Europa und Afrika in Friedenskontinente zu verwandeln, dann hätten wir zwischen Stromspei- chern, Wasserkraftwerken in Nor- wegen und Solarthermiekraftwerken in der Sahara ein perfektes Netz für die Versorgung mit elektrischer „Pre- mium-Energie“. Die im Sonnenlicht verborgene Energie in elektrische Energie zu verwandeln, sie mit Solar- Electricity-Pipelines von einem Kon- tinent zum anderen zu transportieren und sie für alles zu verwenden, was nötig ist, egal ob für Wärme, Indust- rieprozesse, Mobilität oder künstliche Herstellung von Treibstoffen: Das hat nicht nur Charme, sondern stellt für mich die Zukunftsperspektive dar, für ein gedeihliches Leben. Da ange- sichts des Klimawandels diese Trans- formation sehr schnell gehen muss, können wir nicht noch zwei oder drei Jahrzehnte auf die Kernfusion warten. Es wäre schön, wenn es funktionieren würde, aber es muss eben auch ohne sie gehen, eben jetzt. Johannes Lakes, Leser Energiesparend leben Dem Menschen als Energieträger. Bevor wir uns auf alternative Ener- giequellen festlegen, sollten wir Menschen unsere Energie darauf verwenden, unsere Ansprüche zu überprüfen und uns Klarheit dar- über zu verschaffen, mit welchem Ressourcenverbrauch und welcher Umweltbelastung die Bereitstellung der Güter zur Befriedigung unserer Ansprüche verbunden ist. Ist dieser Lebensstandard als globales Modell vertretbar? Wenn nicht, müssen wir unsere Energie darauf verwenden, einen Lebensstil zu entwickeln, der in Konsum und Produktion global als Beispiel angesehen werden kann. Das kann bedeuten, dass wir weni- ger und anders konsumieren, anders produzieren, das heißt mit weniger Ressourcenverbrauch und gerin- geren Umweltbelastungen. Die für diese andere Lebensweise dann noch erforderliche Energie sollte aus rege- nerativen Quellen erzeugt werden. Gerd Eisenbeiß, Leser Elektrische Aussichten Mir ist seit Jahrzehnten in Ener- gieforschung und -politik klar: Die Zukunft gehört dem elektrischen Strom, der immer direkter aus Sonne und Wind erzeugt wird. Er wird die Autos antreiben, die Wärme erzeu- gen, die in Gebäuden noch gebraucht wird, und auch die Sekundärträger in Speichern, zum Beispiel Wasserstoff.