ZFG Durchhalten trotz Corona-Krise - Page 34

Wegweiser für besonders „geladene“ Tage Ein wichtige Orientierung für Eltern und besonders auch alleinerziehende Mütter und Väter iese Zeit bedeutet für Eltern und Kinder oft ein hohes Maß an Stress, auch weil wir uns weniger aus dem Weg gehen können und permanent gefordert sind. Daher ein kleiner Wegweiser für besonders „geladene“ und an- gespannte Tage: D Was kann ich tun, bevor es kracht …? 4LDHMDLs TRkHOODMfUNQYTADTFDM LŘRRDMVHQTMRC@ rüber bewusst werden, dass sowohl Eltern als auch Kinder, bevor es zu einer Eskalation kommt, maximal gestresst sind. Woran erkenne ich also, dass ich selbst oder mein Kind einem Extremstress unterliegen? Dies kann sich z. B. durch ein langsames „Hochschaukeln“ bemerkbar machen. Hierbei wird dann immer lauter und schneller gesprochen, die Anspannung ist sichtbar durch Mimik und Gestik. Bei manchen ist es aber gerade anders, sie werden immer ruhiger und sagen irgendwann nichts mehr, bevor sie dann „explodieren“. Wie ist es bei Ihnen, bei Ihrem Partner, bei Ihren Kindern? Wann und wie merken Sie, dass zunehmend eine Eskalation droht? Diese Fragestellungen sind sehr wichtig, damit Sie es rechtzeitig wahrnehmen und vorbeugend handeln können. Dies schafft Entlastung und Stressabbau. So können Sie so manche Eskalation vermeiden. Und natürlich ist dies auch für Sie als Eltern(teil) sinnvoll, denn gerade Ihnen wird in dieser Zeit so einiges abverlangt. Spüren Sie an sich diese maximale Anspannung, versu- chen Sie eventuell durch einen Anruf bei einer vertrauten Person sich Entlastung und Zuspruch zu holen, gehen Sie kurz auf Abstand, machen Sie (wenn möglich) einen Spaziergang oder hören Sie Musik. Was kann ich nun tun, um einer Eskalation zuvorzukommen? Führen Sie zu Hause für jedes Familienmitglied einen „si- cheren Ort“ ein. Es handelt sich dabei um eine wertvol- le Hilfestellung aus der systemischen Familientherapie. Nicht jede und jeder verfügt über ausreichend Wohnraum, aber trotzdem ist es sinnvoll, dass jedes Familienmitglied eine kleine Ecke oder auch ein Zimmer hat, die es sich so gestalten kann, dass es sich wohlfühlt (Kissen, Decke, Fotoalbum, Bücher, Erinnerungsstücke, Kuscheltier, etc.). Besprechen Sie mit der Familie den Sinn des sicheren Orts. Dieser liegt darin, dass, wenn es zu einer maximalen Anspannung kommt, sich derjenige dorthin begibt. Wei- sen Sie sich gegenseitig darauf hin, wenn dieser Moment gekommen ist. Das jeweilige Familienmitglied sucht dann seinen sicheren Ort auf, die anderen lassen es möglichst in Ruhe. Was tun, wenn es doch gekracht hat? Nicht immer gelingt es, dass wir uns so gut im Griff haben. Da kommt es vor, dass wir schreien und vielleicht auch etwas sagen, das uns später leidtut. Wichtig ist, dass Sie nicht zu streng mit sich sind. Wir alle sind Menschen und unterliegen Situationen, in denen wir manchmal nicht mehr die nötige Kraft haben, besonnen und durchdacht zu reagieren. Körperliche Gewalt ist dabei allerdings immer und überall zu vermeiden! Sollte es nun „gekracht“ haben, bitten Sie um Entschuldigung. Erklären Sie Ihrem Kind, dass Sie maximal gestresst waren und das, was passiert ist, nicht in Ordnung war. So zeigen Sie Ihrem Kind, dass das Verhalten, welches Sie auch bei ihm nicht sehen wollen, nicht okay war – und gehen mit gutem Beispiel voran, wie man um Entschuldigung bittet. Ihr Kind lernt von Ihnen, dass es auch einen versöhnlichen Weg „zurück“ gibt. Diese „Wegweisungen“ stammen von Frau Patricia Weidinger, SKF Ingolstadt, die sie im Rahmen von Elternbriefen für die Schulsozialarbeit formuliert hat. Für die freundliche Erlaubnis, diese abzudrucken, vielen herzlichen Dank! 34 DURCHHALTEN TROTZ CORONA-KRISE