WELLNESS WORLD Business 4-2014 | Page 42

© Philipp Wiebe/pixelio.de Beauty-Booster: Mit der Kraft der Pflanzen auf zu neuen Schönheitsufern. Infobox 2: Vegane Spa-Etiquette: Leder, Wolle, Seide und Borsten sind keine veganen Produkte. Möchte ein Kosmetikinstitut oder Spa vegane Produkte und Dienstleistungen anbieten, so müssen nicht nur die Pflegeprodukte entsprechend vegan sein, sondern auch die Anwendungshilfen und Textilien müssen vegane Anforderungen erfüllen. Beispielsweise dürfen Pinsel keine Tierhaare enthalten und bei der Auswahl von Handtüchern, Polstern und Decken ist darauf zu achten, dass diese nicht aus Schafswolle, Seide, tierischem Leder oder Daunenfedern gefertigt wurden. 42 kosmetik&Leben lässlich für vegane Kosmetik steht. Das Label der Vegan Society garantiert, dass die Produkte frei von Tierversuchen und tierischen Bestandteilen sind. Produkte der Firma Lavera tragen übrigens auch die Veganblume. Sante hat ebenfalls viele vegane Produkte im Sortiment, darunter Mascara und Nagellackentferner. Produkte von Druide sind als vegan markiert (allerdings nicht mit der Veganblume). Und auch im Spa sind vegane Produkte zu finden, beispielsweise von Piroche Cosmétiques, Living Nature, Panpuri, Charlotte Meentzen, Care of Gerd, Dr. Niedermaier Pharma oder Spa Vivent. Übrigens: Ein besonders ökologisches Mittel fürs Haarewaschen ist Wascherde! Grausam: konventionelle Kosmetik. Tierversuche mit Kosmetika sind längst verboten, denken viele. Doch das gilt nur für bereits geprüfte Cremes, Lippenstifte und Shampoos. Mit neuen Rohstoffen werden immer noch Tests an Tieren durchgeführt. Diese Tierversuche sind noch bis Ende 2014 erlaubt. Eine Fristverlängerung hält sich die EU allerdings jetzt schon offen, weil für die Testverfahren noch keine Alternativen genehmigt wurden – was nicht heißt, dass sie nicht existieren. Das Problem: Um gesetzlich anerkannt zu werden, müssen die Ersatzmethoden zum selben Ergebnis führen wie der Tierversuch. Und genau darin liegt das Problem. „Tests an Zellkulturen sind zum Beispiel wesentlich objektiver, weil Kaninchen oder Mäuse keine Maschinen sind, sondern oft individuell reagieren. Dadurch führen Tests ohne Tiere manchmal zu anderen Ergebnissen“, erklärt Dr. Corina Gericke vom Verein Ärzte gegen Tierversuche. „Viele dieser modernen Systeme werden also absurderweise nur deswegen nicht anerkannt, weil sie besser sind.“ Doch selbst wenn das Verbot von Tierversuchen für Beauty-Zutaten tatsächlich in Kraft treten sollte, bedeutet das nicht automatisch das Ende des Leides. „Fast 90 Prozent der für Kosmetik verwendeten Inhaltsstoffe werden auch in anderen Bereichen wie zum Beispiel in Waschmitteln eingesetzt“, sagt Dr. Corina Gericke. „Neu entwickelte Substanzen gegen Falten oder Cellulite können über diese Begründung weiter an Tieren getestet werden.“ Dabei gäbe es eine einfache Lösung, um sofort alle Tierversuche für Kosmetik einzustellen: Wenn neue Produkte nur noch aus den 8000 bereits geprüften Zutaten hergestellt würden. Die Wahrheit kann manchmal erschreckend sein. Höchste Zeit für einen Paradigmenwechsel in der Kosmetikbranche. Wellness world business | 4/2014