Spielregeln der Macht Info Europa (2/2020) - Page 9

UNGARN

Antiziganismus ist trotz Corona gesund und lebendig

Lilla FARKAS
Die Juristin Lilla FARKAS setzt sich für die Gleichberechtigung der Roma-Minderheit ein . In ihrem Kommentar prangert sie tiefgehende und folgenschwere Probleme in Ungarn an , weist aber auch auf blinde Flecken in der europäischen Debatte um Rechtsstaatlichkeit und Minderheitenrechte hin .
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Rassismus gegen Roma / Romnja und Sinti / Sintize gibt es in ganz Europa . In Ungarn sind Angehörige der Minderheit sozial ausgegrenzt . Gerade beim Erreichen von Bildungsabschlüssen erleben viele Kinder Benachteiligungen .
Romaphobie bzw . Antiziganismus ist sozusagen die letzte akzeptierte Form von Rassismus in Europa . Die Minderheit ist wenig bis gar nicht in den Nachrichten zu sehen , da sich der Kampf gegen die Coronakrise hauptsächlich auf politische Reaktionen konzentriert . In der Slowakei und in Rumänien war lediglich die Schließung infizierter Roma-Viertel eine Nachricht wert , die zeigt , dass die Geschäfte wie gewohnt weiterlaufen . Die Instrumente der Virus-Eindämmung folgen dabei dem Muster jahrhundertelanger räumlicher Segregation und sozialer Ausgrenzung der Minderheit . Ob die Gesundheitsmaßnahmen die imaginären , oft aber auch sehr realen Mauern um die Roma-
Viertel überwinden , wird nicht berichtet . Die Romnja und Roma werden im Kampf gegen das Virus und die wirtschaftliche Not nach der Krise alleingelassen . Die Mehrheit ist auf dem Schwarzmarkt beschäftigt , was zur Folge hat , dass selbst die halbherzigen und viel kritisierten Maßnahmen zur Belebung der Wirtschaft wenig Wirkung auf sie haben werden . Eine gezielte Unterstützung wäre notwendig , aber wie so oft profitiert die Minderheit nicht von sozialen Förderungen . Vielmehr befürchten ExpertInnen und AktivistInnen , dass die Wirtschaftskrise nach dem COVID unweigerlich zu einer weiteren Verschlechterung ihrer sozioökonomischen Lage führen wird .
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