Spielregeln der Macht Info Europa (2/2020) - Page 15

SLOWAKEI

Rechtsstaatlichkeit als wichtiger Investitionsfaktor

Doris HANZL- WEISS
Die COVID-19-Krise stürzte viele Unternehmen in unsichere Gewässer . Am Beispiel der Slowakei erklärt die Ökonomin Doris HANZL-WEISS , wie rechtliche Unsicherheit das Wirtschaftsumfeld belasten kann .
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Die Slowakei ist eine kleine offene Volkswirtschaft und stark vom Außenhandel abhängig . Die Automobil-Industrie ist für rund 32 % der Gesamtexporte verantwortlich und gilt damit als zentraler Exporteur des Landes . Sie stützt sich auf vier große ausländische Fahrzeughersteller im Land , darunter VW Bratislava , PSA Peugeot Citroën in Trnava , KIA Motors Slovakia in Žilina und Jaguar Land Rover in Nitra . Stabile wirtschaftliche insbesondere rechtliche Rahmenbedingungen waren und sind wichtige Faktoren für ausländische Investoren . Wie sich ausländische Direktinvestitionen in der Slowakei entwickelt haben und welche Rolle das wirtschaftlichere Umfeld dabei hatte soll hier näher erläutert werden .
Intransparenz unter Mečiar Die erste Zeit nach Gründung der Slowakei 1993 und dem Zerfall des kommunistischen Systems war gekennzeichnet durch geringe Zuflüsse an ausländische Direktinvestitionen ( ADI ). Grund dafür war das autoritäre Regime unter Vladimír Mečiar , das zu internationaler Isolation , undurchsichtiger Privatisierung und Klientelismus und in
Folge davon zur Abschreckung von ausländischen Investoren führte . Erst 1998 mit der neuen Regierung unter Mikuláš Dzurinda ( I und II ) und den damit einhergehenden tiefgreifenden Reformen konnte eine Wende erzielt werden . Zwischen 2000 und 2008 betrug der durchschnittliche jährliche ADI-Zuwachs 7,7 % des Bruttoinlandproduktes ( BIP ), viel höher als in den Nachbarländern Tschechien ( 5,9 %), Ungarn ( 4,7 %) oder Polen ( 3,6 %).
EU-Beitritt förderte Investitionen Entscheidende Faktoren für den Zufluss waren einerseits die Privatisierungen am Beginn der 2000er Jahre im Bereich Telekommunikation und im Energie- und Finanzsektor . Andererseits wirkte der EU-Beitritt 2004 als Katalysator für neue Investitionen . Besonders wichtige Greenfield-Investitionen , also etwa Neuerrichtungen von Produktionsstätten auf einem neuen oder noch jungen Markt , fanden im Bereich der Automobilindustrie statt . Nach der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise fiel die Slowakei bei den ADI-Zuflüssen jedoch hinter den Nachbarn zurück : Zwischen 2010 und 2018 konnte sie nur durchschnittlich 1,6 % des
Doris Hanzl- Weiss ist Ökonomin am Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche ( wiiw ). Sie ist Länderexpertin für die Slowakei und befasst sich mit Themen des Strukturwandels und Sektoranalysen . Hanzl-Weiss hat Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität Wien studiert und arbeitete an verschiedensten Projekten für internationale Institutionen ( z . B . UNIDO , Europäische Kommission vDG Grow , etc .).
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