LLGEMEINES
WENN DIE HOFFNUNG NICHT WARE
27 Grubenlampen
Die schwarzen , auf einen Haufen zusammengeworfenen Holzkreuze brannten noch , als schon der Traktor vom Schacht „ Gorki 3 ” losfuhr . Der Komissar Gupalow saß neben dem Traktoristen und schrie ihm Wort für Wort ins Ohr , wie er zu fahren hätte : Erst einmal quer über die Umfassung , dann wenden , von der anderen Seite über die Fläche , wieder zurück und nochmals über das Ganze . Damit war es getan . Der Komissar ließ den Traktor halten , sprang herab und blickte , die Hände tief in den Taschen seines Lederrockes , befriedigt über die gewiße Stelle hin . Dann schritt er auf die Baracke 13 zu , die jener Stelle am nächsten lag , drückte mit der Schulter die Türe auf und rief in den Raum : „ Jetzt ist Platz gemacht !” Die Arbeiterinnen , meistens Bauernfrauen aus dem deutschen Banat , die man in die Bergwerke von Dnjepropetrowsk deportiert hatte , wuschen gerade ihre Eßgeschirre aus . Sie hörten , was der Komissar rief . Aber keine sprach ein Wort .
„ Hört ihr denn nicht ?” schrie Gupalow mit rotem Gesicht ,
„ ich habe euch vor der Baracke Platz gemacht !” Doch die Arbeiterinnen schwiegen noch immer . Der Komissar blieb auf der Schwelle stehen und lachte . Er lachte so lange , so drohend , bis die Arbeiterinnen begriffen , daß auch sie lachen müßten . So lachten sie denn . Gupalow war zufrieden und ging . Am anderen Morgen , als die Arbeiterinnen zur Tagesschicht antraten , sahen sie , daß der kleine deutsche Soldatenfriedhof , der inmitten des Werksgeländes lag , von den breiten Raupenbändern des Traktors völlig niedergewalzt worden war . Die kleine Umfriedung war gefallen , der Platz eingeebnet , die einzelnen Gräber ließen sich kaum mehr erkennen . Man konnte jetzt wirklich , wie Gupalow meinte , frei über den Platz queren und damit den Weg zum Schacht „ Gorki 3 ” abkürzen . Die Arbeiterinnen jedoch bogen , ohne daß ein Wort darüber gesprochen worden wäre , um den rechteckigen Platz herum , nicht anders , als stünden die siebenundzwanzig Grabhügel noch auf der zerstörten Fläche .
Einige Wochen später , als Komissar Gupalow unerwartet Barackenvisite hielt , bemerkte er , wie die Grubenarbeiterinnen , die eben schwarz von der Kohle , die sie gebrochen hatten , vom Schacht herüberkamen , noch immer um die Fläche des ehemaligen Soldatenfriedhofes herumschwenkten . Da schrie er wutentbrannt auf sie ein , was sie trieben , wäre Sabotage . Wenn sie künftig nicht den direkten Weg zum Schacht nehmen würden ,
LLGEMEINES
Wir feiern das Jahresende an unserem STAMMTISCH
in Wudersch / Budaörs ( wie gewöhnlich ) im Heimatmuseum ( Budapester Str . 47 / 1 ) am 29 . Dezember 2006 um 18 Uhr . Bei dieser Gelegenheit wollen wir einen Rückblick machen auf das NICHTERLE- DIGTE und Vorschau halten auf das WÜNSCHENSWERTE für 2007 ( - und weiter !). Alle Mitglieder sollen diesmal mitmachen - und viele Gäste werden dazu erwartet .
ALLE SIND HERZLICHST EINGELADEN ! ließe er ihre Rationen verkürzen . Weil Gupalow aber trotzdem seiner Sache nicht sicher war , ordnete er an , daß der Platz vor der Baracke 13 derart mit Stacheldraht abgesperrt wurde , daß nur der schmale Weg über die eingeebneten Gräber offen blieb .
Die Arbeiterinnen sahen dem allem schweigend zu . So oft sie mit ihren groben Holzschuhen jene Stelle passieren mußten , dachten sie an jene Unbekannten , die hier in der Erde lagen .
So kam der Abend des 24 . Dezember heran . Es dunkelte früh . Nur wenig Schnee bedeckte die Erde . Die Arbeiterinnen saßen in der Baracke beisammen . Keine wollte die andere daran erinnern , daß dies der Heilige Abend wäre . Doch gab es nicht an mehr zu denken , als nur an die eigene Not ?
Plötzlich erhob sich in der Ecke eine schlanke , hochgewachsene Frau . Schweigend schritt sie durch die Baracke und ging zum Kontrollraum , um ihre Grubenlampe zu nehmen . Sie zündete die Lampe an und trat ins Freie . Den umzäunten Weg schritt sie vor , bis sie zu jener Stelle kam , an der das erste Kreuz eines deutschen Soldaten gestanden hatte . Hier stellte sie die Lampe auf die bloße Erde nieder .
Die anderen , die ihr zugesehen hatten , nahmen nun gleichfalls ihre Lampen , zündeten sie an und stellten sie der Reihe nach auf die zerstörte Fläche hin , so daß an der Stelle jedes einzelnen Grabes eine Lampe brannte , siebenundzwanzig Grubenlampen der Arbeiterinnen des Schachtes „ Gorki 3 ”.
So standen sie schweigend beisammen und blickten auf die Lichter hin , die still und unbeweglich in der Dunkelheit brannten . Es war ein schönes Bild . Wenn man allein auf die Lichter blickte und alles andere vergaß , konnte man glauben , der kleine deutsche Soldatenfriedhof wäre genau so geblieben wie er damals war , als sie das erste Mal in das Werk gekommen waren .
Dann sangen sie die Lieder der fernen Heimat und die Frau , die als erste ihre Lampe für die Toten entzündet hatte , las dazwischen die Namen der Gefallenen vor , die sie sich zu jener Zeit , als die Holzkreuze noch gestanden waren , notiert hatten : „ Josef Stelzer ... Peter Hirt ... Friedrich Weigand ... Thomas Bergleitner ...” und so alle siebenundzwanzig Namen .
Natürlich wurde der Vorfall dem Komissar Gupalow gemeldet . Die Meinungen der Arbeiterinnen , was weiterhin geschehen würde , waren geteilt . Einige dachten , daß sie bestraft würden . Wahrscheinlich gäbe es vom nächsten Tag an verkürzte Rationen . Wieder andere glaubten , Gupalow würde , um endgültig Ruhe zu haben , die Toten ausgraben und an anderer Stelle verscharren lassen . Doch nichts dergleichen geschah .
Am anderen Morgen aber kamen Arbeiter , die im Aufträge des Komissars den Stacheldraht niederrissen . Die Grubenarbeiterinnen nahmen dies als ein Zeichen , daß sie wieder den alten Weg rings um die Fläche des Friedhofes nehmen durften . So war es auch . Ja , als sie eines Tages die siebenundzwanzig Gräber wieder instandsetzten , hinderte sie niemand daran .
Karl Springenschmied
Spendenliste
Giegler |
Thomas |
Tarjan |
Ft |
5.000 |
Magyarics |
Franz |
Wudersch / Budaörs |
Ft |
2.000 |
Manherz |
Johann |
Werischwar / Pilisvörösvár Ft |
1.000 |
Marlok |
Julius |
Sankt Iwan / Pilisszentiván Ft |
3.000 |
Ternay |
Hans |
Baje / Baja |
Ft |
1.500 |
Wasserteurer Dr . |
Peter |
Wien / A |
Ft |
10.000 |
Obige Auflistung beinhaltet die in der Zeitspanne vom 19-10-2006 bis Anfang Dezember einbezahlten Spenden . Herzlichen Dank allen Spendern für die Unterstützung !
Sonntagsblatt 27