Sonntagsblatt 3/2020 - Page 4

chen , die Modernisierung des Deutschen Hauses in Wesprim , die Renovierung des Sitzes der LdU in der Julia- Straße in Budapest sowie die Erstellung der Pläne für einen zukünftigen Umbau des Lenau- Hauses in Fünfkirchen . Der Haushaltsbericht der LdU für 2019 wurde bekanntgegeben : Die Landesselbstverwaltung wirtschaftete auch in diesem Jahr solide und ausgeglichen . Parlamentsabgeordneter Emmerich Ritter berichtete im Rahmen der Besprechung über seine Tätigkeiten und sprach über die Modifizierung des Nationalitätengesetzes sowie des Haushaltsgesetztes für 2021 .
Für viele Selbstverwaltungen ist die Ausstattung sehr wichtig , deshalb wurde auch über die BMI-Förderungen zum Projekt „ Ausstattung von regionalen Begegnungsstätten “, das dieses Jahr zum ersten Mal ausgeschrieben wurde , von LdU-Bildungsreferentin Ibolya Sax und LdU-Jugendreferent Károly Radóczy berichtet . Die Förderung dient zur Erweiterung und Modernisierung der technischen Ausstattung und zur Beschaffung von Requisiten für Beschäftigungen und Programme in ungarndeutschen Begegnungszentren . Es wurden insgesamt 27 Anträge gestellt , von denen der zuständige Ausschuss 12 Anträge unterstützt .
Unter den mündlichen Vorlagen wurde die Finanzierung der Jugendlager des Gábor-Bethlen-Fondsverwalters besprochen . Die Förderung wurde vor der Pandemiezeit vom Fondsverwalter ausgeschrieben , allerdings im April wegen der gesundheitlichen Lage abgesagt . Die LdU erhielt im Juni – nach der generellen Genehmigung der Organisierung von Jugendlagern – die Nachricht , dass die Mittel für die Camps wieder freigegeben sind . Die LdU hat die nötigen Mittel für die Jugendlager erhalten , nun organisieren die Kollegen der LdU in kürzester Zeit die Weitergabe der Gelder an die Begünstigten .
Für eine nachhaltige Zukunft Zu Besuch bei „ grünen Schwaben ” in Werischwar
Von Richard Guth
Die Kommunalwahlen vor einem Jahr brachte vielerorts Gruppierungen an die Macht , die aus zivilem Engagement heraus mit der großen Politik in Berührung kamen . Dies scheint eine globale oder jedenfalls europäische Tendenz zu sein , denkt man an die Regierungsbeteiligung der Freien Wähler in Bayern oder an die Wahl der Aktivistin Zuzana Čaputová zur slowakischen Präsidentin . Die Diskussion um Nachhaltigkeit und Umwelt rückte in Vor-Corona-Zeiten in den Mittelpunkt des Interesses – nicht anders in Werischwar / Pilisvörösvár , wo die Frage der seit Jahrzehnten geplanten Schnellstraße M10 die Massen ( erneut ) mobilisierte . Der Verein „ Tegyünk Vörösvárért ” ( Tun wir was für Werischwar ) startete vor anderthalb Jahren eine Unterschriftensammelaktion für die rasche Umsetzung der Pläne de Umgehungsschnellstraße – binnen eines Monats schafften es die Aktivisten - vornehmlich in Werischwar - 10.000 Unterschriften zu sammeln . Wohlgemerkt hat die Kreisstadt bei Budapest etwas über 14.000 Einwohner .
Der Verein widmete sich von Anfang an den Themen „ Öffentlicher Verkehr ”, „ Elektromobilität ”, „ Nutzung erneuerbarer Energiequellen ” und „ Stärkung zivilgesellschaftlichen Engagements ”. Auf den Erfolg bei der Sammelaktion folgte ein erdrutschartiger Sieg bei den Kommunalwahlen Mitte Oktober : Der Verein gewann alle Wahlkreise und stellt den Bürgermeister und die Erste Stadträtin . So wurde das Vereinsprogramm zur offiziellen Politik einer Stadt , die sich zum nachhaltigen Ort entwickeln sollte .
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„ Wir wollen insgesamt eine Entlastung für Werischwar , wir wollen daher durch den Einsatz von Elektrorollern und -bussen die individuelle und öffentliche Elektromobilität stärken . Zu unseren Zielen gehört es einen Beitrag zur Senkung des CO2-Ausstoßes zu leisten , indem wir unsere kommunalen Einrichtungen energetisch sanieren und erneuerbare Energiequellen wie Sonnenenergie reger nutzen ”, erläutert die Erste Stadträtin Bernadett Strack . „ Dabei wollen wir auch andere Orte in der Umgebung wie zum Beispiel Sande / Pilisszántó mit einbeziehen , denn je mehr Beteiligte es gibt , desto günstiger ist es für alle Beteiligten ”, so die Politikerin . Die COVID-Pandemie habe die diesbezüglichen Bemühungen gebremst , aber keinesfalls gestoppt . Nach Angaben von Strack wäre es ohnehin ein längerer Lernprozess , bis die Bürger die Bedeutung von Nachhaltigkeit erkennen . „ Es ist aber auch kurzfristig von Bedeutung , denn ab 2021 haben nur solche Orte eine Chance auf Förderung , die eine Nachhaltigkeitsstudie nachweisen können ”, erläutert die Stadträtin . Bernadett Strack berichtete während des Treffens im Werischwarer Rathaus über Gespräche mit Vertretern grüner Projekte unter anderen in Paks und Salgótarján , wo mit staatlicher und EU-Unterstützung im Bereich Energiegewinnung bereits Vorhaben realisiert worden sind .
„ Dennoch bleibt ein wichtiges Projekt der Bau der Schnellstraße M10 , der wegen den umfangreichen Tunnelbauarbeiten als bedeutende Investition betrachtet werde kann . Das Vorhaben genießt die Unterstützung der gesamten Region ”, das sagt bereits Bürgermeister Dr . Adam Fetter . Strittige Punkte seien noch die Streckenführung und die Frage der Anschlussstellen . „ Die Stadt bemüht sich schon von Anfang an , dass dieses Bauvorhaben realisiert wird ”, so das Stadtoberhaupt von Werischwar . Die Stadt wolle als regionales Oberzentrum auch in diesem Bereich die Entwicklung in der gesamten Region vorantreiben , ergänzt Bernadett Strack .
Die Coronakrise hat nach Angaben der beiden Politiker ein Loch von 100 Millionen Forint ( 300.000 Euro ) gerissen , aber nach dem Motto „ Es gibt auch ein Leben nach Corona ” versucht die Doppelspitze nach neuen Finanzquellen Ausschau zu halten , um Projekte realisieren zu können . Dabei sprach der Bürgermeister davon , dass früher lokale Akteure nicht mit einbezogen worden wären , deshalb verfolge die neue Führung eine Politik der Öffnung zu den Unternehmen hin , um ein Netz auszubauen . Nach dem Eindruck des Bürgermeisters sind die Unternehmer bereit Investitionen für das Gemeinwohl zu realisieren wie Sanierungsarbeiten an Grundschulen und Kindergärten , die Errichtung von Kinderspielplätzen oder die Unterstützung von Veranstaltungen .
Ein wichtiger Bereich sei nach Worten von Bernadett Strack die Förderung gemeinschaftlicher Aktivitäten . „ Dabei müssen wir nicht alles realisieren , sondern es in die Hand anderer Akteure legen ”, so die Erste Stadträtin . Nach ihrem Eindruck habe es bis auf die Werischwarer Tage im August in der Vergangenheit kaum feste Programme gegeben . Besonders fehle es an Angeboten für Jugendliche . Deswegen seien neue Initiativen wie der Markt und Familienpicknick „ Platz ”, das Mitte Juli zum ersten Mal stattfand , besonders wichtig . Um solche Programme realisieren zu können , bedürfe es Orte , wo sich die Menschen versammeln können . Geplant sei deswegen die Errichtung eines Kultur- und Sportzentrums , das eine Handball- und eine Schwimmhalle beherbergen soll .
Auch für die deutsche Bevölkerung fehle es im Moment an einem Gemeinschaftshaus – dies soll nach Plänen des Magistrats in einem Gebäude gegenüber dem Haus der Künste entstehen . Liegenschaften müssten aber auch mit Inhalt gefüllt werden , darin sind sich Bürgermeister und Erste Stadträtin einig . Bernadett Strack findet dabei die Pflege und Weitergabe der Mundart bzw . der Sprache insgesamt für wichtig und unterstützt jede Initiative , die der Traditionspflege dient . So wünscht sie sich die Herausgabe eines schwäbischen Kochbuchs und einer Sammlung schwäbischer Wörter . Um Sprache und Tradition bemühe
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