Sonntagsblatt 3/2020 - Page 3

zuvor Assimilierten gewesen , was die Verständigung zwischen der Minderheiten und der Mehrheit erschwert hätte . Ondrej Ficeri von der Akademie meint im Beitrag , dass das Ziel der madjarischen Elite nicht die ( physische ) Liquidierung der Slowaken gewesen sei , sondern deren Assimilierung , um die Entstehung einer Nationalbewegung zu verhindern - von einer territorialen Autonomie ganz zu schweigen .
Erste Tagung der LdU-Vollversammlung nach der Pandemie
Das höchste Gremium der Ungarndeutschen tagt in Werischwar
Quelle : LdU-Presse
Ficeri betont , dass die Trianon-Grenzen ungerecht gewesen seien , denn man habe dabei weder die ethnischen Grenzen und die Sprachgrenzen noch das Selbstbestimmungsrecht berücksichtigt . Besonders tschechische Gesandte hätten es vermocht , die Teilnehmer der Friedenskonferenz von Trianon und die Öffentlichkeit zu überzeugen , dass die Volkszählungsergebnisse von 1910 kein realistisches Bild über die ethnische Zusammensetzung zeigen würden , weshalb eine logische Grenzziehung nicht möglich sei . Letz betont , dass neben ethnischen Gesichtspunkten auch geografische und militärisch-geostrategische eine Rolle gespielt hätten . Flüsse wie Donau und Eipel hätten bestens als Grenze gedient . Nach Holec hätte der nationale Egoismus gewaltet und geschaltet , weswegen eine gerechte Grenzziehung per se nicht möglich gewesen wäre .
Ob die tschechoslowakische Minderheitenpolitik aus den Fehlern der madjarischen gelernt hat ? Auch wenn Holec einräumt , dass sich die Madjaren in der Slowakei aus vielerlei Gründen nicht heimisch gefühlt hätten und unzufrieden gewesen seien , sei die tschechoslowakische Minderheitenpolitik in keinster Weise mit der madjarischen vergleichbar gewesen : Während die Slowaken vor Trianon keine Schulen und Vereine gehabt hätten , hätten die Madjaren in der Tschechoslowakei diese Stück für Stück bekommen - inklusive politischer Partizipation . Die Unzufriedenheit der Madjaren habe auf dem Trianon- Schock gefußt . Wie auch Letz betont , hätten diese Menschen zuvor keine Erfahrung mit dem Minderheitendasein gemacht . Ondrej Ficeri spricht hingegen von begrenzten Minderheitenrechten , die noch begrenzter gewesen seien als die heutigen , jedoch sei es strafbar gewesen die ungarische Hymne zu singen oder der Revolution von 1848 / 49 zu gedenken und dies dauere bis heute an . Jegliche nationale Forderung seitens der Slowakeimadjaren werde kritisch betrachtet und stoße auf eine emotionale Reaktion der slowakischen Öffentlichkeit und Politik .
Ob man Trianon überwinden kann ? Letz zeigt Verständnis für das Trauma-Gefühl der Madjaren , das aber von der Politik bewusst am Leben gehalten werde . Das unterstreicht auch Holec , der meint , dass die Politiker in der Geschichte herumgepfuscht hätten und dies immer noch täten , um die Erinnerung an Trianon wachzuhalten und die Menschen einer Gehirnwäsche zu unterziehen . Anstatt nach vorne zu schauen , blicke man stets zurück . Das gegenseitige Misstrauen sei historisch begründet . Dabei laste auf den Schultern der Slowakeimadjaren heute – im Gegensatz zum Assimilationsdruck im historischen Ungarn – kein Druck , Slowaken zu werden , unter dem Motto , man könnte da keine weiterführende Schule besuchen oder eine Anstellung in der Verwaltung finden . Die Madjaren in der Slowakei verfügten heute über Schulen , Theater , politische Parteien .
Zum Schluss wird erneut sein Mitakademiker Holec zitiert , der meint , dass für ihn ungarische Sprache und Kultur nicht fremd seien , wodurch er die ungarische / madjarische Mentalität kenne und wisse , dass der Friedensvertrag , solange er in Kraft bleibt , ein wunder Punkt bleibe . ------------------------------------------------------------------- Link zum Videobeitrag : https :// www . youtube . com / watch ? v = 0ftITzUPwgo ( A határok lehetnének igazságosabbak is . Szlovák történészek Trianonról ); erschienen am 18 . Juli 2020 auf dem Internetportal Azonnali ; Weiterverwendung des Materials mit freundlicher Genehmigung von Chefredakteurin Beáta Bakó .
SoNNTAGSBLATT
Die erste Sitzung der LdU-Vollversammlung nach der Pandemie fand am 4 . Juli aus Sicherheitsgründen nicht wie üblich in der LdU-Geschäftsstelle in Budapest , sondern in der Festhalle des Friedrich-Schiller-Gymnasiums in Werischwar statt . An der ersten Besprechung der Vollversammlung seit Feber 2020 nahmen 38 von den 47 Vollversammlungsmitgliedern teil . Das höchste Gremium der ungarndeutschen Nationalität behandelte im Rahmen der Sitzung 17 Tagesordnungspunkte .
Vor der Tagesordnung wurde von Ibolya Hock-Englender die neue Stellvertreterin der sich in Mutterschutz befindenden LdU-Geschäftsführerin Dr . Hajnalka Gutai vorgestellt . Die Leitung der LdU-Geschäftsstelle übernahm mit dem 1 . Juni die aus Fünfkirchen stammende Rechtsanwältin Dr . Ágnes Sudár .
Dieses Jahr feiert die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen ihr 25-jähriges Bestehen , da jedoch wegen der Pandemie keine Feier organisiert werden konnte , nutzte die Vorsitzende Ibolya Hock-Englender die Gelegenheit und bedankte sich im Rahmen der Vollversammlungssitzung bei den langjährigen Mitarbeitern der Geschäftsstelle und der Regionalbüros für ihre Arbeit im Dienste der LdU . Zu ihrem Arbeitsjubiläum wurden Angelika Pfiszterer , Kulturreferentin der LdU , Georg Krémer , Regionalbüroleiter in Seksard , Robert Wild , Regionalbüroleiter in Ödenburg , sowie Zoltan Schmidt , Regionalbüroleiter in Fünfkirchen , beglückwünscht . Ildiko Szeltner-Winhardt , Regionalbüroleiterin der Region Nord , ging in den wohlverdienten Ruhestand und wurde im Rahmen der Vollversammlung feierlich verabschiedet . Die Vorsitzende informierte das Gremium über die wichtigsten Ereignisse seit der letzten Sitzung der Vollversammlung und über die Beschlüsse während der Pandemie . Da die reguläre Vollversammlung im Mai dieses Jahres wegen der Corona-Krise ausgefallen war , verabschiedete die LdU-Vorsitzende gemäß des Notstandsgesetzes nach Absprache mit dem Kabinett in ihrer Person als Vorsitzende den Haushalt , die Investitionen , das Bildungswesen und die Förderungen betreffenden Entscheidungen .
Im Rahmen der Besprechung des Haushalts 2020 wurde über den Abschlussbericht der Ungarischen Schatzkammer berichtet , wonach alle LdU-Einrichtungen im Wirtschaftsjahr 2019 den Vorschriften entsprechend gewirtschaftet haben . Der Haushalt des Jahres 2020 ist ausgeglichen , dank staatlicher Fördermittel werden mehrere große Investitionen durchgeführt , wie aus dem Bericht der stellvertretenden Vorsitzenden Olivia Schubert hervorgeht : so der Umbau und die Erweiterung des Kindergartens des Valeria-Koch-Bildungszentrums in der Szőnyi-Straße in Fünfkir-
( Fortsetzung auf Seite 4 )
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