Sonntagsblatt 1/2017 | Page 32

In unserer Sache: Georg Krix

In unserer Sache: Georg Krix

„ In eigener Sache”, wie der langjährige Schriftleiter dieser Zeitung, Georg Krix kurz und bündig den Lesern im Sonntagsblatt Nr. 6 / 2016 seinen Rückzug überschrieb, sollten wir kurz inne halten und eine Wegmarke in der jüngsten ungarndeutschen Geschichte in Erin- nerung rufen. Der Abgang von Georg Krix aus der Reihe der aktiven Mitarbeiter des Sonntagsblattes ist, so meine ich, un ser aller Sache. Aller Ungarndeutscher. Georg Krix, der Wieder grün der des Bleyer- schen Sonntagsblattes vor 26 Jahren, hat sich, wie kein anderer Ungarndeutscher in dieser Zeitschrift dem geistigen Erbe von Jakob Bleyer, trotz vieler Widrigkeiten, Rückschlägen und Ausgrenzungen( auch in den eigenen Reihen) unermüdlich hingegeben.
„ Ein sichtbarer Erfolg ist leider ausgeblieben” resümiert Georg Krix nüchtern-ungeschönt in seiner kurz gefassten, unauffällig auf der letzten Seite platzierten Abschiedsnotiz. Sein Leitfaden und sein Ziel war, für den Fortbestand des Un- garndeutschtums, „ für ein deutsches Leben in Ungarn, für eine schö nere Zukunft der Volksgruppe zu arbeiten”, wie er selbst schreibt. Wie Georg Krix, der kantig unbequeme Mahner, seine Leser noch in seinem Schlusswort mit seinem letzten ceterum cen seo, mit dem er zum Bekenntnis zur „ deutschen Sprache und deutschen Art” erinnert, daran hat er sich immer treu gehalten. Mir ist kein einziger Ungarndeutscher in Ungarn begegnet, der so selbstverständlich und so konsequent stets seine deutsche Mutter- sprache benutzte bei allen unseren Begegnungen, wie er.
Viel, sehr viel Zeit ist vergangen seit Jakob Bleyer in dem von ihm 1921 gegründeten Sonntagsblatt – Wochenzeitung für das deutsche Volk in Ungarn seine Schwaben aus der Resignation zu mobilisieren versuchte. Aus dem schon damals drohenden Unter- gang zu retten versuchte. Jakob Bleyer scheiterte. Georg Krix, der Jakob Bleyer noch als Kind in seiner Süd-Ungarischen Heimatge- meinde erlebte und dessen Lebensweg er gut kennt, ist dennoch oder trotzdem den gleichen Weg gegangen. Einen Weg, der erneut, wie vor achtzig Jahren, an einer mit engstirniger nationalistischer Undurchdringbarkeit errichtete Betonmauer endete. Mit „ seinem” Sonntagsblatt, das Georg Krix 1993 als Ein-Mann-Redaktion aus dem Nichts auf die Beine stellte, hat er Bleyers Vermächtnis als mahnendes Zeichen hochgehalten und bei so manchen verzagten und bereits resignierten Ungarndeutschen( wie in mir) Hoffnun- gen geweckt. Bei den in der sozialistischen Zeit etablierten und bis heute( auch personell) weitgehend nahtlos weiter geführten, re gie- rungs konformen ungarndeutschen Medien fand er wenig Aner- kennung und von den ironisch als „ Berufsschwaben” apostrophierten Funktionsträgern der Volksgruppe hat er mehr Hohn und Spott, als Anerkennung erfahren müssen. Die Beharrlichkeit, die hartnäckige Hinterfragung der Schönfärberei, des Opportu- nismus, der Leisetreterei in der Volksgruppenführung gaben dem Blatt dennoch sehr schnell sein verdientes Profil, machten das Sonntagsblatt zum medialen und politischen Kontrastorgan zu den übrigen Folkloremedien. Zu einer unbequemen, oppositionellen ungarndeutschen Stimme in der so gleichgestimmt regie- rungs nahen ungarndeutschen Medienpräsenz. Deshalb möchte ich als Resümee meinen, Georg Krix hat sich tapfer geschlagen, wenn gleich er das Ziel nicht erreicht hat, nicht erreichen konnte. Er hat den Kampf nicht gewonnen, die „ Schlacht”, um die es geht, ist nämlich schon längst( vor ihm) verloren gegangen. Sein Bei- spiel für Mut, für Ausdauer, für Festigkeit zur eigenen Überzeugung sind in der Nachkriegsgeschichte der Ungarndeutschen einmalig. Das ist nicht wenig! Wer so viel Standhaftigkeit in einem so spannungsreichen gesellschaftspolitischen Umfeld wie Georg Krix in unserer Heimat Ungarn aufbrachte, dessen Lebensweg ist ein fest markierter Weg, kein verlorener Weg. Er möge ihn noch lange, wenn möglich mit mehr Gelassenheit, gehen. Die spitzen Splitter seiner „ Merkwürdigkeiten” Rubrik im Sonntagsblatt werden wir vermissen.
Dr. Johann Till