Sonntagsblatt 01-2022 - Page 9

Musikerfreund und 5-Dörfler-Mitglied Zoltán Peller aus Werischwar , Gründungsmitglied der Bravi Buam , die 37 Jahre lang eine feste Größe in der ungarndeutschen Musiklandschaft waren . Aber er gibt gleichzeitig zu bedenken : „ Bei uns Buam hat man immer den Partycharakter gesehen und nicht die harte Arbeit . Wenn wir zum Beispiel Samstagmittag nach Petschwar runtergefahren sind , um dort bis vier Uhr nachts aufzuspielen - dann wieder zurück , um kurz nach 11 ins Bett zu fallen ! Am nächsten Morgen ging dann die Arbeitswoche los . Das tägliche Üben findet die heutige ergebnisorientierte Jugend langweilig . Dennoch finde ich es gut , dass die traditionelle Blasmusik in unserer Region bei Jugendlichen immer noch beliebt ist . Eigentlich motiviert das einen richtig weiterzumachen , unter dem Motto : , Die Hoffnung stirbt zuletzt ‘”. So kamen zu den beiden bisherigen Bällen nach Angaben der Musiker viele junge Menschen aus allen Teilen des Landes , um dem sechsstündigen Ereignis beizuwohnen , wo neben der Pilišska Kapela auch die 5 Dörfler im Wechsel aufspielten , um abschließend ein Musikstück gemeinsam vorzutragen . Der Name „ 5 Dörfler “ kommt daher , dass die Kapelle aus Musikern besteht , die aus fünf Dörfern stammen , nämlich Edeck / Etyek , Sande , Sóskút , Taks / Taksony und Werischwar .
Der Beobachtungsschwerpunkt der beiden Musiker beschränkt sich nicht nur auf die Musik , sondern auch auf Sprache und Identität , sowohl im Kreise der Deutschen als auch der Slowaken , hier spricht Zoltán Molnár von „ ähnlichen Tendenzen ”. Zwar sei dieses Erbe „ im Blut ”, dennoch leben wir in einer „ beschleunigten und vermischten Welt , wo sich die Jugendlichen in eine andere Richtung bewegen . Die Region ist Budapest-zentriert und das Internet hat das Englische in den Vordergrund gerückt . Während die Alten wegsterben , wächst eine Generation heran , für die dieses kulturelle und sprachliche Erbe nicht mehr das Gleiche bedeutet . Auch die Intensität der Sprachkenntnisse nimmt deutlich ab .” Das zeigt sich auch am Beispiel des 15 Jahre älteren Zoltán Peller . Er spricht mit seiner 85-jährigen Mutter und seinem Bruder immer noch des Öfteren donaubairisch , aber selbst in seiner Generation sei das nicht mehr Usus , von der der Kinder ganz zu schweigen . Peller nennt dabei ein anderes Beispiel : Ein Musikerfreund von ihm aus Sande sei noch perfekt im Slowakischen , seine Kinder hingegen interessierten sich für dieses sprachliche ( und kulturelle ) Erbe nicht mehr . „ Dies hat meiner Ansicht nach große Auswirkungen auf die Identität , denn viele Kinder ziehen bei uns in Werischwar die Tracht an , weil man es muss , aber was dahinter steckt , erkennen sie nicht mehr , zumal man es ihnen auch nicht richtig erklärt ”, so Peller . Auch er sieht dabei die Rolle der vielen Zuzügler kritisch , „ wir sind schon sehr aufgeweicht ”, sagt er . Ähnlich kritisch sieht der Musiker die Rolle der sozialen Medien , die „ vieles zerstören ”.
Dass Musik dabei nicht nur die Region verbindet , zeigen die Kontakte der Sandemer Musikgruppe zum Mutterland Slowakei : „ Wir pflegen enge Kontakte zu slowakischen und tschechischen Kapellen . Zwei ehemalige Sängerinnen der slowakischen Gloria-Blaskapelle singen sogar bei uns . Es ist auch schon vorgekommen , dass wir von einem unbekannten tschechischen Musiker einen Stapel Noten geschenkt bekommen haben . Nächstes Jahr wollen wir an einem Blaskapellentreffen in der Nähe der slowakischen Hauptstadt Pressburg teilnehmen ”, erzählt Zoltán Molnár , der gleichzeitig bedauert , dass man zu slowakischen Kapellen auf der Großen Tiefebene kaum Kontakte pflege .
„ Der Slowakisch-Schwäbische Ball ist eine gute Initiative . Wir haben strikt nur Polka und Walzer gespielt und an die 250-300 Besucher sind bis zur letzten Minute geblieben . Viele haben eigentlich eine falsche Vorstellung von der Schrammel-Musik , die in den letzten Jahrzehnten stark von dem volkstümlichen Musiker deutscher Abstammung Ludwig „ Lagzi Lajcsi ” Galambos ( Grósz ) geprägt wurde . Wir haben dabei etwas angefangen , was es in Ungarn kaum gibt – weg vom , Schlager ‘, weg von der volkstümlichen Musik hin zur traditionellen Musik . Wir wollen Qualität statt Quantität , was viele bei unseren Auftritten nicht verstehen . Dennoch sehen wir eine große Zukunft darin , denn das stößt nach unserem Eindruck auf immer mehr Zuspruch ”, erklärt Zoltán Peller .
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