Sonntagsblatt 01-2022 - Page 17

Die Zukunft der Deutschen in Ungarn – Epilog zur Ödenburger Volksabstimmung

Von Alfred von Schwartz Druck der Röttig-Romwalter Druckerei AG , Ödenburg
Nur die Wahrheit kann uns heilen .
Vorbemerkung der SB-Redaktion
Unser Leser Patrick Rieckmann aus dem Ödenburger Land wies vor einigen Monaten auf ein interessantes historisches Dokument hin , das drei Monate nach der Volksabstimmung in Ödenburg und vor genau 100 Jahren publiziert wurde . Auch wenn manche inhaltlichen und sprachlichen Formulierungen auf den Menschen der Gegenwart befremdlich wirken , stellt Alfred von Schwartz ’ Schriftstück eine wichtige Quelle dar , um Denkweisen und historische Vorgänge besser zu verstehen . Diesen Essay veröffentlichen wir in vier Teilen . In dieser SB-Ausgabe können Sie auch die Rezension einer neuen Studie zur Volksabstimmung in Ödenburg lesen ( Grenzerfahrungen , Teil Feuilleton ).
Teil 1
I .
Die Volksabstimmung , die im Sinne des Übereinkommens von Venedig am 14 . Dezember 1921 in Ödenburg stattfand , bietet so viele interessante Daten zur Beurteilung des Verhältnisses zwischen dem deutschen und dem ungarischen Volksstamme , dass eine kurze Darstellung des Resultates nicht überflüssig sein dürfte .
In der Stadt Ödenburg und in den zur Abstimmung berechtigten acht Landgemeinden waren insgesamt 26.900 stimmberechtigte Wähler . Von diesen stimmten zirka 90 % ab . Von den abgegebenen Stimmen waren etwas mehr als 2 % ungültig . Von den abgegebenen Stimmen entfielen :
1 . Auf dem ganzen Gebiete : 63,6 % für Ungarn 34,1 % für Österreich
2 . Nur in der Stadt Ödenburg 71,2 % für Ungarn 26,7 % für Österreich
3 . Nur in den acht Landgemeinden : 44,3 % für Ungarn , 53,2 % für Österreich
Wenn man nun bedenkt , dass unter den acht Landgemeinden eine , nämlich Groß-Zinkendorf , ganz madjarisch ist , was auch daraus erhellt wird , dass in dieser Gemeinde 1026 Stimmen für Ungarn und nur 5 Stimmen für Österreich abgegeben wurden und wenn man aus diesem Grunde diese Gemeinde aus dem Gesamtresultate ausschaltet , was Österreich bei minimaler Voraussicht freiwillig tun musste , so gelangen wir zu folgenden Resultaten : Ohne Groß-Zinkendorf entfielen
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