´s Dorfblattl Haiming
Ein Blick in die Geschichte von Ötztal Bahnhof
Vom rasanten Aufstieg eines Ortsteiles
D
ie Geschichte des Ortsteiles Ötztal Bahnhof ist
durch markante, teils zufällige,
teils gewollte Ereignisse gekennzeichnet. Wenn wir davon
ausgehen, dass dieser Ortsteil
der Gemeinde Haiming in der
„Oberen Gmua“, beim Wiesrain,
also in unmittelbarer Nähe zum
heutigen Recyclinghof und direkt am „Verbundsee“, beginnt,
dann hat das vermeintlich junge
Ötztal Bahnhof der alten Stammgemeinde geschichtlich einiges
voraus.
Chronik
Frühgeschichte
Im Sprachgebrauch des 19. Jahrhunderts wurde die nahezu vollständig bewaldete Gegend des
heutigen Ötztal Bahnhof allgemein als „Auf Farchach“, später
als Forchet bezeichnet. Und hier,
genau auf den Grundparzellen
3036 und 3021, wurde im Herbst
des Jahres 1951 eine acht Jahre
vorher angelegte Sandgrube
erweitert. Die Lehrerin Johanna
Haselwanter und der Oberlehrer
Ernst Falkner aus Barwies fanden
in dem neuen Teil der Sandgrube
Tongefäßscherben und schickten diese an Univ. Prof. Dr. Leonhard Franz, der die Grube dann
im April 1952 begutachtete und
einem Urnenfeld zurechnete.
Aus verschiedenen Aufsammlungen ließen sich 169 Gefäße
rekonstruieren - aus dieser Zahl
errechnete Franz eine fiktive Gräberzahl von 67. Nachträgliche
Untersuchungen ließen den
Schluss zu, dass sich am Wiesrain ein Friedhofsareal mit Belegsbeginn zur Mitte des 6. Jhd.
v. Chr. mit einer Kontinuität bis in
die Mitte des 4. Jhd. v. Chr. (Hallstattzeit) befunden hatte. Welchem Stamm die ersten „Ötztal
Bahnhöfler“ angehörten und wo
genau sie ihre Siedlung hatten,
bleibt offen. Menschen ließen
sich dort nieder, wo sie Quellwasser zur Verfügung hatten
- in unserem Fall wären das die
Quellen des Amberg. Alte Flurbezeichnungen wie „Beinkorb“
am Fuße des Amberg weisen
auf frühe Siedlungstätigkeit hin,
aber nur weitere Funde könnten
entscheidende Beweise liefern.
Die Eisenbahn kommt
Die folgenden Jahrhunderte
liegen im Dunkel der Geschichte verborgen. Den nächsten,
großen Schritt machte ÖtztalBahnhof, als die Arlbergbahn
in Betrieb genommen wurde.
Mit Wehmut wurde am 30. Juni
1883 der letzte Postwagen verabschiedet, ehe am 1. Juli um
halb fünf Uhr der Piff der ersten
Lokomotive auf der Strecke
Innsbruck-Landeck ertönte. Als
wichtige Station wurde Ötztal
auserkoren. In den Innsbrucker
Nachrichten vom 2. Juli 1883
steht geschrieben:
„...auf vielen Stationen fanden
sich Gemeinde-Deputationen
ein, auf der Station Oetzthal
sogar eine Abordnung der Gemeinden des Thales und stellten
sich dem Herrn Präsidenten der
Staatseisenbahnen vor...“
Die Errichtung der Station Ötztal war zugleich Impulsgeber
für die jüngere Geschichte des
Ortsteiles, die infrastrukturelle
Basis für die weitere Entwicklung
war gelegt. Der agile, findige
Haiminger Wirt Alois Sterzinger
erkannte die Bedeutung der
Station. In der Brixner Chronik
vom 13. 12. 1900 findet sich ein
Nachruf des Verstorbenen:“....wie
die Oberinnthaler Bahn gebaut
wurde, trat Sterzinger aus seinen
bescheidenen Verhältnissen heraus, eröffnete einen Schank an
der Stelle, wo nachher der Oetzthaler Bahnhof zu stehen kam,
und erbaute später den nach
ihm benannten Sterzinger-Hof
mit Zugebäuden, dem er durch
Anlage von schönen Spaziergängen, prächtiger Einrichtung und
lebhafte Reclame viele Fremden
zuführen wollte, doch hiefür
war der einsame Ort weniger
geeignet...“. Der „Pionier“ des
Ortsteiles Ötztal-Bahnhof musste seinen Sterzinger-Hof 1899
veräußern. Schon 1901 wurde
der Betrieb in „Hotel Oetzthaler
Hof“ mit Besitzer Johann C. Klotz
Der Ötztalerhof mit dem einladenden Gastgarten. Links am Zubau erkennbar das Büro des Tiroler Landesreisebüros.
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Winter 2016
umbenannt. Weitere Besitzer waren dann u.a. Ernst Lutteri, Emmi
Witzmann, Adalbert Doblander,
Josef Gruber, Magdalena und
Fritz Buchholz, Elsa Leydig, Familie Egger - viele Jahre wurde
das Hotel von Pächtern geführt.
Heute befinden sich im Objekt
samt Erweiterungsbauten Wohnungen, Geschäfte, ein Restaurationsbetrieb - die Immobilien
befinden sich in Privatbesitz bzw.
im Eigentum der Ötztaler Hof
Vermietungs OG. Vom einstigen
„romantischen, einladenden“
Ambiente mit herrlichem Gastgarten ist nichts geblieben.
Der Ortsteil in einer alten Aufnahme von 1963
rechts. Rechts im Bild ist gut das Werksgelände