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Liebe auf den ersten bLicK
Der erste „Kulturschock“ erfolgt, als Katrin für ein
halbes Jahr nach Uganda reist, um dort in einem
Waisenhaus einen Freiwilligendienst zu absolvieren. „Dann wusste ich aber, ich bin noch nicht vorbereitet für so eine Aufgabe, ich muss mich noch
verändern und fester im Glauben werden.“ Nach
vier Jahren habe sie gespürt, „dass es soweit ist.“
In der Zeit habe sie viel gebetet und letztlich „ein
inneres Drängen“ gespürt. Katrin kündigt ihren
Job und belegt Seminare an einer Schule in Lüdenscheid, die sie für Arbeitseinsätze im Ausland
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schulen soll. Hier lernt sie ein Ehepaar kennen – sie
ist Deutsche und er Naga, „also ein Einheimischer
aus Nagaland“. Die beiden zeigen der jungen Frau
Bilder von seiner Heimat. „Unter welchen Umständen die Menschen dort leben, hat mich sehr beeindruckt.“ Als Katrin 2011 mit dem befreundeten
Ehepaar erstmals nach Nagaland reist, ist es Liebe
auf den ersten Blick: „Ich wusste, dass es das richtige Land ist, in dem ich mich ein paar Jahre engagieren will.“ Vor allem die Armut der Menschen
habe sie berührt. Die Straßen in den Städten sind
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nicht geteert. In Slumgebieten leben überwiegend
Einwanderer aus Bangladesch. Aber nicht nur in
ärmeren Gegenden, auch zwischen den Häuserblöcken der Mittelschicht stehen Hütten aus bloßem Bambus. „Die ganze Familie lebt zusammen
in nur einem Wohnraum, dessen Boden nur mit
Erde bedeckt ist.“ Die Schere zwischen Arm und
Reich könnte nicht deutlicher sichtbar sein. „Am
Anfang war es sehr schwierig für mich, Armut und
Reichtum dicht nebeneinander zu sehen.“
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