MISS-INTERPRETED BLOGAZIN 2015 & 2016 | Page 51

LONG DISTANCE FRIENDSHIP

Es ist Sonntag, 8:41 Uhr. Ich sitze mit meinem Kaffee im Bett und habe 37 Tabs offen. Facebook, Twitter, einige Onlineshops, Blogs, pausierte Youtube Videos, diverse Pinterest-Inspirationen, die Seite der deutschen Bahn, Online Spritrechner und ein Mietwagenportal. Jetzt ein Cabrio mieten, das wäre es. 385km mit guter Musik in etwas mehr als 3 Stunden bezwingen. Eigentlich gar nicht so absurd. Sogar machbar. Aber verrückt. Ich schließe den Tab und versuche den Gedanken zu vergessen. Aber auch in den nächsten Tagen und Wochen wird er immer wieder kommen. Immer wieder wird mich die Sehnsucht packen, aber auch die Eifersucht. Denn ich kann nicht einfach mit zwei Portionen hausgemachter Lasagne inklusive Nachtisch rüber spazieren, an der Tür klingeln und spontan einen Mädelsabend einleiten. Wir können nicht mal eben an einem Regentag zusammen in die Stadt fahren und unsere Konten belasten und wenn ich mal wieder verheult im Bett liege, dann hat sie keine Chance mir die Taschentücher zu reichen. Weil ich nun mal hier wohne- und sie nicht.
Wenn ich es mir aussuchen könnte, dann würde ich mich natürlich gegen die Long Distance Friendship entscheiden. Selbstverständlich hätte ich es lieber wenn meine beste Freundin drei Straßen weiter wohnt oder in der nächsten Stadt. Aber so spielt das Leben nicht, und wenn man erst mal jemanden gefunden hat bei dem man sich ganz ohne Einschränkungen komplett wohl fühlt, dann nimmt man die Kilometer in Kauf. Und deswegen reden wir uns die Sache schön. Das jedes Treffen etwas besonderes ist. Das wir sogar für Wochenenden dankbar sind, an denen wir nichts tun außer Serien zu gucken. Oder Tage an denen jeder für sich in seiner Arbeit oder im Lernstoff versunken ist. Und das wir unsere Urlaube gemeinsam planen. Immerhin können wir uns gegenseitig auf WhatsApp und Snapchat bombardieren und der andere wird nie mit den Augen rollen. Was uns über Wasser hält sind eben Interaktionen dieser Art, Dates in Form von Facetime Anrufen und altmodische, handgeschriebene Briefe. Es sind die geliebten Erinnerungsbilder und die schief gegangenen Selfies, die aus sentimentalen Gründen nicht gelöscht werden dürfen, und im Camera Roll viel zu schnell nach oben rutschen und das hochscrollen schmerzlich lang wird. Ich glaube ich bin die letzte Person, die Tipps geben sollte wie eine Freundschaft, besonders eine die unter Entfernung leidet, funktionieren kann. Daher ist das hier kein Ratgeber, sondern ein appreciation post. Denn vor allen sie übernimmt den Part den Kontakt im Alltag aufrecht zu erhalten. Doch bei jeder guten, wie auch schlechten Nachricht ist es mein erster Impuls sie zu informieren und niemand anderen näher um mich herum. Und im Zweifelsfall weiß ich, dass sie da ist. Zwar gefühlt am anderen Ende von Deutschland, aber für mich da. Danke dafür.