BEWEGUNG
FRAUEN
Lucy Walker (hintere Reihe, stehend, 3 v. l.)
mit Familie, Freunden und Bergführern
«Matterhorn:
No Ladies Please!»
Der Riffelberg wird diesen Sommer wie-
fahrung und das gemeinsame Erlebnis. Hüsser
der zum Theaterplatz: Vom 11. Juli bis 1.
wuchs zwar nicht in den Bergen auf, kann sich
September 2019 zeigen die Freilichtspiele
heute aber ein Leben ohne Berge und in einer
Zermatt mit «Matterhorn: No Ladies Plea-
Stadt nicht mehr vorstellen. Während und nach
se!» erstmals eine historische Komödie auf
dem Riffelberg. Wie bereits in den Jahren
rin und Regisseurin Livia Anne Richard für
das Buch und die Inszenierung der Ur-
aufführung verantwortlich. Nachdem die
Autorin und Regisseurin Livia Anne Richard
2015 die Erstbesteigung des Matterhorns
durch die Seilschaft um Edward Whymper
auf die Bühne brachte («The Matterhorn
Story») und 2017 mit «Romeo und Julia
am Gornergrat» eine der bekanntesten
Liebesgeschichten nach Zermatt versetzte,
dreht sich im Sommer 2019 wieder alles
ums Matterhorn. Mit der Verpflichtung von
Eliana Burki ist den Machern ein wahrer
Coup gelungen: Die renommierte Musikerin
und Alphornistin, welche mit dem Alphorn
experimentiert und dadurch musikalische
Tabus bricht, ist für die Musik verantwort-
lich. Auch die erste Frau auf dem Matter-
horn, Lucy Walker, hat Tabus gebrochen.
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freilichtspiele-zermatt.ch
heute, doch für die Frauen hatte sich der Weg tion «Zermatters». Da fühlt sie sich wohl, sehr
Hüsser nie aufgehört, den Bergen immer näher am Berg etwas geebnet: Mit grosser Mehrheit willkommen und als Frau und Bergführerin
der Schweiz» als Mitglieder aufzunehmen. Und lässlich der Versammlung in Bern entschieden zu kommen. Sie pendelte zwischen dem Unter- sprechen sich die Männer an ihrer 118. Abge- nie benachteiligt. Für Suzanne Hüsser ist Zer-
schuf damit die Grundlage eines Disputs: Wa- die Abgeordneten, die Frauen ausdrücklich aus richten als Lehrerin und der Ausbildung zur ordnetenversammlung in Brugg dafür aus, den matt ein Stück Heimat. Nur zur Zermatter Iko-
ren «Schweizer» und «Bewohner der Schweiz» dem Club auszuschliessen. Bisherige weibli- Bergführerin, pendelte zwischen zwei Welten Sektionen das Recht zu geben, Frauen aufzu- ne hat sie als Bergführerin ein ambivalentes
auch Frauen? Durften sie Mitglieder des SAC che Mitglieder durften Mitglied bleiben, ihre und entschied sich schlussendlich für das Le- nehmen, und zusätzlich möglichst rasch mit Verhältnis: «Das Matterhorn ist zwar einer der
werden? Oder eben nicht? Im Jahr 1879 tauchte Clubabzeichen jedoch nicht mehr tragen. Die ben als Bergführerin. «Das habe ich nie bereut, dem Frauen-Alpen-Club SFAC Fusionsverhand- genialsten, aber auch einer der widersprüch-
die sogenannte «Frauenfrage» erstmals auf der Antwort der Frauen: 1918 gründeten sie den die Berge sind meine Berufung, mein Leben.» lungen zu eröffnen. Verhandlungen, die nicht lichsten Berge», sagt sie und ergänzt trocken «Es
Traktandenliste der Abgeordnetenversamm- Schweizerischen Frauen-Alpen-Club (SFAC). Auch als Expeditionsleiterin in Neuseeland lange dauern. 1980 tritt die Fusion in Kraft. ist ein Horrorberg.» Diese Aussage korrigiert die
oder Nepal fühlte sie sich immer sehr wohl. Nicht ohne Melancholie mancher Frauen: Mit 52-jährige Expeditionsleiterin nicht. Einfach so
lungen des SAC auf. Was die Herren damals
nicht wissen konnten: Ihr Club würde sich ge-
Die Leidenschaft siegt
Suzanne Hüsser hat auf Expeditio- dem Zusammenschluss verschwindet der SFAC belanglos vor sich hin zu plaudern, ist nicht
nau 100 Jahre lang mit dieser Frage auseinan- Die Gender-Frage ist auch im Jahr nen viele Bergsteiger und sich selbst kennen für immer. Heute machen die Frauen rund ein ihre Art. Vielmehr schildert Suzanne Hüsser
dersetzen müssen. In den frühen Jahren sorgte 2019 noch nicht abschliessend geklärt: «Wenn gelernt, Eskalationen geschlichtet – Extremsi- Drittel aller SAC-Mitglieder aus, von den Neu- die Realität des Kletteralltags am Matterhorn,
dabei vor allem das Fehlen einer nationalen ich mich bei den Gästen als ihre Bergführerin tuationen inklusive. In all den Jahren, auf all mitgliedern sind über 40 Prozent weiblich. die Popularität des Berges und die Masse, die
Lösung für Unruhe im Club. Manche Sektionen vorstelle, reagieren einige immer noch erstaunt den Bergtouren, bei all den Kletterrouten und Untervertreten sind sie auf höheren Hierar- diesen Berg bezwingen möchte. «Das bringt
schlossen Frauen aus, andere nahmen sie auf und sind besorgt, ob ich als Frau mit ihnen den auf all den Expeditionen hat die diplomierte chiestufen: Lediglich rund 15 Prozent aller Tou- Probleme mit sich, das lockt Menschen an, die
und beantragten nationale Ausweise, die ihnen Gipfel bezwingen kann», sagt Suzanne Hüsser. Bergführerin viel erlebt. «Auch Unfälle, die ge- renchefs sind Frauen. Der SFAC ist mittlerweile weder die konditionellen noch die technischen
das «Central-Comité» wiederum verweigerte. Das passiere nicht etwa nur bei Berggängern hören dazu», weiss Hüsser. Aber auch das Hin- in Vergessenheit geraten. Voraussetzungen mitbringen.» Dafür umso
Immer wieder suchten die Abgeordneten nach aus fremden Kulturen, nein, auch bei Schweizer terfragen ihrer Rolle als Frau und Bergführerin einer Lösung. Doch ohne Erfolg. Einmal ver- Gästen. Mittlerweile hat sich Suzanne Hüsser in einer Männerdomäne. tagten sie den Entscheid auf das nächste Jahr, an solche Situationen gewöhnt und weiss, dass ein anderes Mal schoben sie ihn den Sektionen sich diese Vorurteile schnell legen. Schliesslich zu, ein weiteres Mal versuchten sie vergeblich, siegt immer ihre Leidenschaft für die Berge, Im Jahr 1980 waren die Vorurtei- ihre Statuten anzupassen. Bis im Jahr 1907: An- ihre professionelle Ausbildung, langjährige Er- le gegenüber Frauen zwar massiv grösser als
SAC wird weiblich
Suzanne Hüsser lebt heute in Visper- mehr Ehrgeiz. Hüsser erkennt auch, dass heute
terminen und in Zermatt. Mit einer Präferenz: einige Ambitionierte zwar viel Sport im Fitness-
An Zermatt, wo das «Horu» immer sicht- und center treiben oder auch Erfahrung als Mara-
spürbar ist, hat sie ihr Herz verschenkt. An die thon-Läufer haben – doch die Sicherheit am
Berge, aber auch an ihre Bergführerkollegin- Berg sei damit noch lange nicht gewährleistet.
nen und -kollegen bei der Outdoor-Organisa- Oder anders: Heute ist eine unwegsame Route
2015 und 2017 ist die Berner Theaterauto-
ihrem Sportstudium an der ETH Zürich hat
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