Kulturführer Mitteleuropa 2022 - Page 7

© Samu Gabor
Ich entwerfe Lösungen für soziale Fragen und Probleme , die danach schreien , angesprochen zu werden . Ich entwerfe Creatuals , also kreative Rituale ( creative rituals ), um Muster zu durchbrechen und Menschen zum Nachdenken zu bewegen . Alchemie hat mich schon immer interessiert . Es geht darum , Gold zu erschaffen . Ich liebe es , mit Symbolen zu arbeiten bis ein Konzept für ein bestimmtes Problem einfach , kraftvoll und rein wie Gold ist .
Wie kann die Digitalisierung dazu beitragen , dass Menschen nicht nur miteinander in Kontakt treten , sondern sich auch verbunden fühlen ? MZ : Die Digitalisierung ist ein großartiges Werkzeug für globale Vernetzungssysteme und menschliche Verbindungen . Sie bringt Menschen zusammen , aber es fehlt der wichtigste Sinn , den wir TOUCH ( Berührung ) nennen . Die digitale Verbindung wird niemals physisches Zusammenkommen übertreffen . Wir können einen Händedruck oder eine Umarmung weder imitieren noch fälschen . Ich glaube , es wird immer eine Sehnsucht nach analoger und realer Berührung geben .
Berlin ist auch ein Sehnsuchtsort , ein Magnet , der viele anzieht . Warum sind Sie beide nach Berlin gekommen ? MZ : Ich bin in meiner Kindheit viel gereist . Mein Vater war ein Stadtplaner und Designer . Ich wechselte oft das Land und die Schule und genoss es , in verschiedenen Kulturen zu leben . Das hat mich und meine Denkweise geprägt . Ich fühlte mich als Weltbürgerin und nicht als Angehörige einer Nation . Für mich als Kind wurden Grenzen in Köpfen geschaffen . Mein Partner bekam 2016 einen Job als Museumsdirektor in Berlin , also zogen wir mit unseren Kindern hierher . In Berlin angekommen , sagte jemand zu mir : » Du brauchst Berlin nicht . Berlin braucht dich !« Vielleicht hatte sie recht , und ja , Berlin ist wie ein Magnet . Es ist schwer zu beschreiben , was es mit dieser Stadt auf sich hat . Ich schätze , es sind die Geschichte und die leichte Spannung , die man immer noch zwischen Ost und West spürt . IG : Ich bin 2016 aus Ungarn nach Berlin gezogen , um hier dauerhaft mit meiner Familie zu leben . Wir waren davor häufig in Berlin . Es gab immer einen Grund , hinzufahren . Ich habe die Berliner Mauer 1984 am Checkpoint Charlie passiert , und bin nach 1990 unzählige Male hingefahren , um die Veränderungen zu bewundern und den Berliner Freiheitsgeist zu genießen . Nachdem 2014 in Ungarn die illiberale Demokratie ausgerufen wurde , beschlossen wir , eine neue Heimat zu suchen , und Berlin war eine leichte Wahl .
Ein herzliches Händeschütteln macht Fremde zu Bekannte . Das Projekt Handshape stellt das Ritual ins Zentrum eines sozialen Experiments .
InfoEuropa 7