Kulturführer Mitteleuropa 2022 - Page 12

VISUELL
Ergebenheit gegenüber der Angst . Ihre größte Sorge über die Zeit nach Corona ist das zunehmende Desinteresse der Menschen an ihren Mitmenschen . Zu Beginn der Pandemie erlebte Mitgefühl einen Höhepunkt , doch mit der Zeit wurde dieses immer oberflächlicher . Während Šáteková die experimentelle Online-Galerie verwaltete , stieß sie auf negative Reaktionen und auf das Problem von schwankender Qualität bei den Einsendungen .
Kunst als Spiegel der Gesellschaft
Ivana Šáteková , 2020
die sich daraus ergeben lauten : Ist Kunst ein Privileg oder wird sie als selbstverständlich angesehen ? Können Menschen ohne Kunst leben ? Was ist normal ?
Eine Frage der Qualität ?
In der Slowakei gründete sich auf Initiative der Künstlerin Ivana Šáteková die Gruppe CoronART , um Solidarität und Unterstützung , insbesondere für slowakische bildende KünstlerInnen , zu leisten . Ihr Motto lautet : » Lasst uns coronakarantena zu einer kreativen Herausforderung machen . Bilder , Fotografien , Skulpturen , Grafiken ... Hängen Sie alles , was während der Quarantäne entstanden ist , hier auf und lassen Sie uns in dieser frustrierenden Zeit eine kleine Online-Galerie erstellen !« Dahinter stand die Idee , einen kreativen virtuellen Raum zu schaffen , in dem die Menschen ihr Schaffen während der Krise mit anderen teilen können . Die Gruppe wuchs von einem kleinen Kreis auf über 9 000 Mitglieder an . Šáteková möchte eine kuratierte Auswahl dieser Arbeiten auch in Galerien zeigen . Ihre eigenen intimen Zeichnungen ironisieren die Konsumgesellschaft und die
Viele Werke sind mit , für , trotz und wegen CO- VID-19 entstanden . Viele haben nur ein kleines Publikum erreicht , aber ihre Bedeutung für die Szene selbst ist erwähnenswert . Denn einer der Werte der Kunst ist es , eine öffentliche Diskussion anzuregen . Das Projekt 7 × 7 Seven Free Reflections on Art ist ein Gemeinschaftswerk von KuratorInnen der Slowakischen Nationalgalerie . Es reagiert auf den Boom der Online-Kultur während der Quarantänemaßnahmen . Der digitale Fußabdruck der Slowakischen Nationalgalerie war schon vorher recht prominent , sodass es für das Team selbstverständlich war , das Online-Angebot unter den neuen Bedingungen zu erweitern . Ursprünglich als Ergänzung zu ständigen physischen Ausstellungen gedacht , wurde das digitale Format für einige Wochen zu einem Schwerpunktthema . Das Ausstellungskonzept gestaltete sich bedeutend flexibel für eine Institution , deren Betrieb » normalerweise « unter konservativen Bedingungen mit einem vorher festgelegten langfristigen Plan erfolgt . In der Ausstellung stehen die KuratorInnen im Vordergrund , denn sie bringt keine neuen Werke , sondern zeigt neue Perspektiven darauf . In den einzelnen Ausstellungsräumen haben die BesucherInnen die Möglichkeit , bereits ausgestellte Werke im neuen Kontext der Pandemie kennenzulernen .
Ein ähnliches Konzept steckt hinter der Ausstellung DESIGN IS NOW ! mit dem Untertitel Menschen werden Designer . Die Designer sind Menschen geblieben . Im Sommer 2020 wurde ein Querschnitt von Arbeiten von DesignerInnen im slowakischen Designmuseum ausgestellt . Die Ausstellung zeichnet die Aktivitäten von KünstlerInnen , DesignerInnen , Designstudios , EntwicklerInnen , Schulen , HerstellerInnen und LaiInnen während der Pandemie nach und zeigt markante Phänomene dieser Bewährungsprobe von Menschlichkeit und Zugehörigkeit .
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