Kulturführer Mitteleuropa 2020 - Page 15

K O M M E N TA R und aus deren Geschichten wir Ideen und sogar Zuversicht für die Zukunft tanken. Yella Hertzka (1873–1948), österreichische Frauenrecht- lerin und jüdische Pazifistin. Seit 2015 erinnert der Yella Hertzka Park in der Seestadt Aspern an sie. »Wir haben nicht Regierungen zu folgen – wir haben Regierungen zu wählen, so wie sie uns für un- sere ferne Zukunft vorschwe- ben (…)« Narodowa) Maria Dulębianka (1861–1919), polnische Frau- enrechtlerin und Malerin. Obwohl Frauen kein Wahl- recht hatten, ließ sich Maria Dulębianka 1908 für die Wahl in den ostgalizischen Land- tag aufstellen und erhielt 500 Stimmen. Vilma Glücklich (1872–1927), ungarische Bildungrefor- merin, Pazifistin und erste weibliche Studierende an ei- ner ungarischen Universität. »No longer people will deal with pulling each other back, limiting each other’s freedom, but cooperation will fulfil their work, and make their life more beautiful and happier. Unfortunately, we are very far from it today« (1919) Schiedsgerichtsinstitution. Ihre Mitwirkung an Gesetzgebung und sozialen Reformen war in der desaströsen Lage nach dem Krieg essen- tiell. Diese, wie man heute sagen würde, Best Practice ihrer internationalen Netzwerke und der Austausch untereinander belebten ihre Kampagnen. Sie setzten sich für gleiche Bezah- lung ein und forderten ein Recht auf körperliche Unversehrtheit, Abtreibung, Zugang zu repro- duktiver Medizin, Friedenserziehung, höhere Schulen für Mädchen, Öffnung der Universi- täten sowie bezahlbaren Wohnraum insbeson- dere für alleinstehende Frauen. Sie errichteten Gartenbauschulen (Yella Hertzka), um Frauen zur Selbstbestimmung zu verhelfen. Auch die Bekämpfung von Hunger war ihnen ein Anlie- gen. Ihre ökonomische Unabhängigkeit und po- litische Mitsprache verloren allerdings viele der Frauen wieder als die Männer vom Krieg zurück- kamen. Mit dem aufkommenden Faschismus fand der Aufbruch der ersten Frauenbewegung ein schnelles Ende und zwang viele der eman- zipatorischen »Heldinnen« in Konzentrations- lager oder ins Exil. Ganze Archive wurden von den Nationalsozialisten vernichtet. Im Zuge der Wiederbewaffnung nach 1945 bauten Heimkeh- rerinnen wie beispielsweise Constanze Hallgar- ten mühsam wieder eine Friedensbewegung auf. Im Kalten Krieg hielten sie Kontakte zwischen Ost und West aufrecht und erlebten dadurch Diffamierungen. Sie beteiligten sich am Aufbau der UNO, an der Verabschiedung universeller Menschenrechte, die sie auch heute noch im Rahmen internationaler Konventionen zu Frau- enrechten und friedensschaffenden Maßnah- men vertreten. Es sind Pionierinnen wie Frieda Perlen, Anita Augspurg, Lida Gustava Heymann, Josephine Kulka, Yella Hertzka, Vilma Glücklich und viele mehr, die wir mit dem Projekt »Women vote Peace« dem Vergessen entreißen wollen InfoEuropa 15