170 Jahre nach der Unabhängigkeit bedenken, ja selbst die
Herausforderungen von heute, einschließlich der andauernden
sozialen und ökonomischen Ungleichheiten und der tiefen, sich
noch immer weitenden, politischen Spaltungen. Und man sollte
darüber hinaus nicht vergessen, dass die Vereinigten Staaten
im Gegensatz zu Israel ein gigantisches Land voller natürlicher
Ressourcen sind, mit Ozeanen auf zweieinhalb Seiten, einem
sanften Nachbarn im Norden und einem schwächeren
Nachbarn im Süden.
Wie jede andere lebhafte Demokratie sieht sich Amerika
permanenten Veränderungen ausgesetzt. Gleiches gilt für Israel.
Israel zu bewundern, wie ich es tue, bedeutet aber nicht die
vorhandenen Mängel zu ignorieren, darunter das übermäßige
und Unheil verheißende Eindringen von Religion in die Politik,
die unentschuldbare Marginalisierung von nicht-orthodoxen
jüdischen Strömungen, die Gefahren durch politische und
religiöse Fanatiker und die unvollendete – wenn auch zweifellos
komplexe – Aufgabe der Integration arabischer Israelis in die
Breite der Gesellschaft.
Aber es bedeutet auch nicht zuzulassen, dass diese Probleme
alle beeindruckenden Errungenschaften Israels überschatten,
die, wie ich bereits sagte unter schwierigsten Bedingungen
vollbracht wurden.
In gerade einmal 70 Jahren hat Israel eine – in der Region
einzigartige – florierende Demokratie geschaffen, mit einem
Obersten Gerichtshofes, der wenn es angemessen erscheint,
auch den Premierminister und das militärische Establishment
in die Schranken weist (und sogar Ex-Präsidenten und Ex-
Premierminister, die das Gesetz verletzt haben, ins Gefängnis
bringt), mit einem streitlustigen Parlament, das jede denkbare
Meinung entlang des politischen und sozialen Spektrums
abbildet, mit einer starken Zivilgesellschaft und mit einer
energischen Presse.
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