FÜNF MINUTEN MIT PHILIP KÖSTER
Weltrekord mit 14 Jahren, Weltmeister im Wellen- reiten mit 17 – das deut- sche Windsurf talent war früh erfolgreich und konnte den Titel zweimal wiederholen. Nach einer Zwangspause greift der 23-Jährige wieder an.
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Wie fühlt sich Erfolg in so jungen Jahren an? KÖSTER Anfänglich ließ ich alles einfach auf mich zukommen: Ich konzent rierte mich nur auf die Wettkämpfe und fühlte mich geehrt, eine solche Aufmerksamkeit zu erhalten. Mit den ersten Erfolgen kam eine Welle von Medienanfragen, Interviews, TV-Auftritten und Gala-Besuchen. Ich traf dabei auch eine Menge interessanter Leute: Bei meiner Auszeichnung als „ GQ Man of the Year“ lernte ich Jane Fonda kennen. Allerdings habe ich sie nicht erkannt und fragte sie, wer sie sei. Jane Fonda war darüber sehr amüsiert, und wir haben in der Maske viel gelacht. Ich fand es einfach super, Neues zu erleben.
Sie haben täglich Kontakt mit Unvorhersehbarem – den Urkräften Wasser und Wind. Wie gehen Sie damit um? KÖSTER Ich bin auf Gran Canaria auf- gewachsen, an einem sogenannten „ Highwindspot“. Meine Mutter sagt immer im Spaß, dass ich das Gehen bei sieben Windstärken gelernt habe und ohne Wind wahrscheinlich umfallen würde. Bereits mit acht Jahren begann ich mit dem Windsurfen, und die Liebe zu Wind und Wellen ist bis heute riesengroß. Mein Vater brachte mir früh bei, wie ich mich bei hohen Wellen und starken Strömungen verhalten muss. Natürlich muss man vor den Naturgewalten Respekt haben, Angst ist jedoch fehl am Platz. Es ist sehr wichtig, die Bedingungen richtig einzuschätzen und nicht leichtsinnig zu handeln. Windsurfen ist für mich ein außergewöhnlicher Reiz, es ist kraftvoll und jedes Mal anders.
Sie sind berühmt für ihre spektakulären Luftsprünge, werden von Surflegenden wie Robby Naish als Jahrhunderttalent bezeichnet. Spornt das an oder erzeugt das auch Druck? KÖSTER Ein solches Lob von so großen Sportlern zu erhalten bedeutet mir sehr viel. Druck verspüre ich dadurch allerdings nicht. Auf dem Wasser kon- zent riere ich mich nur auf meine Leistung und versuche, möglichst viel Spaß zu haben. Stimmen die Bedingungen im Wettkampf, versuche ich immer, extreme Sprünge zu zeigen oder neue Tricks auszuprobieren.
Im Herbst 2016 dann der große Einbruch: Kreuzbandriss, Innenband- anriss, Meniskusschaden nach einem Trainingssturz aus sechs Metern vor der Küste Australiens. Statt Titel- verteidigung nun Reha. Wie sind Sie mit dem plötzlichen Stillstand umgegangen? KÖSTER Das war für mich sehr schwer zu akzeptieren. Zunächst stand die lange Reise nach Deutschland an, um mich in Hamburg operieren zu lassen. Die Schmerzen waren unerträglich. Zum Glück haben mich meine Freundin und mein Vater in Deutschland durch die schwere Zeit nach dem Eingriff begleitet – ohne ihre Hilfe wäre ich wohl nicht so schnell wieder auf die Beine gekommen. Zuerst fühlte ich mich regelrecht leer, dann kam die Wut und das Unverständnis, wieso ausgerechnet mir dieser Unfall passiert ist. Ich bin auch meinem Sponsor Red Bull sehr dankbar, der sich nach der Verletzung während der Reha umfangreich um mich gekümmert hat.
Seit Jahren versuchen Sie den Dreifachsalto – ein Sprung, der noch niemandem gelungen ist. Wie intensiv arbeiten Sie an solchen Zielen? KÖSTER Als erster Mensch den Triple- Loop zu schaffen ist ein großer Wunsch von mir. Ich sehe neue Tricks und ganz besonders diesen Sprung als eine große Herausforderung. Allerdings muss man realistisch an solche Aufgaben herangehen: Selten herrschen so gute Bedingungen, dass ich einen Versuch starten kann. 2015 wäre es mir beinahe gelungen, seitdem warte ich auf den perfekten Moment. © HBM 2017 siehe Seite 110
Mit Philip Köster sprach HBM-Redakteurin Christina Kestel.
114 HARVARD BUSINESS MANAGER JULI 2017