HARVARD BUSINESS MANAGER MAGAZINE Harvard_Business_Manager__Juli_2017 | Page 104

Sig | ni | fi | kanz? Kampagne A. In der oberen Grafik (ge- ringe Streuung) geben die meisten Kun- den in etwa das Gleiche aus. Manche Leute kaufen etwas mehr oder etwas weniger, aber wenn Sie einen Kunden zufällig auswählen, ist die Chance hoch, dass seine Ausgaben nahe am Durch- schnitt liegen. Daher ist es wenig wahr- scheinlich, dass eine Stichprobe sich stark von der Grundgesamtheit unter- scheidet. Sie können Ihren Ergebnissen also relativ großes Vertrauen schenken. Und nun vergleichen Sie dies mit der unteren Grafik (größere Streuung). Hier geben die Kunden sehr viel unterschied- lichere Beträge aus. Die durchschnittli- che Ausgabenhöhe hat sich nicht verän- dert, aber viele Menschen kaufen mehr oder weniger als der Durchschnitt. Wenn Sie einen Kunden zufällig auswählen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser recht weit vom Durchschnitt entfernt ist, höher als im Fall in der oberen Grafik. Wenn Sie also eine Stichprobe aus einer diverseren Bevölkerung wählen, dürfen Sie Ihren Ergebnissen nicht so stark ver- trauen wie im anderen Beispiel. Kurz gesagt: Je größer die Streuung, desto grö- ßer wird der Standardfehler ausfallen. Sinnvoll ist es, die vorliegenden Da- ten zu skizzieren und Bilder wie diese zu erstellen, wenn Sie die Daten analy- sieren möchten. Die Grafiken helfen Ihnen, ein Gefühl für Streuungen, Stan- dardfehler und dadurch auch für die statistische Signifikanz zu entwickeln. WAS MÜSSEN WIR VORAB ERLEDIGEN? Egal womit Sie sich beschäftigen: Der Prozess, mit dem Sie die Signifikanz er- mitteln, ist immer derselbe. Zunächst stellen Sie eine Nullhypothese auf – oft ist das ein Pseudoargument, das Sie zu widerlegen versuchen. In unserem Ex- periment könnte die Nullhypothese lau- ten: „Dem durchschnittlichen Kunden gefällt die neue Kampagne nicht besser als die alte.“ Bevor Sie anfangen, sollten Sie auch eine Alternativhypothese auf- stellen, hier zum Beispiel: „Dem durch- schnittlichen Kunden gefällt die neue Kampagne besser.“ Außerdem brauchen Sie einen Zielwert für das Signifikanz - niveau . Dieses zeigt Ihnen, wie selten Ihre Ergebnisse sind, unter der An- nahme, dass die Nullhypothese wahr ist. Diese Zielgröße wird meist als p-Wert bezeichnet, aber auch als Über- schreitungswahrscheinlichkeit oder Sig- nifikanzwert. Je niedriger der p-Wert, desto unwahrscheinlicher ist es, dass die Ergebnisse allein auf Zufall beruhen. Die Zielgröße festzulegen und p-Werte zu interpretieren, ist oft so komplex, dass es auf manche Menschen abschre- ckend wirkt. Es hängt jedoch sehr davon ab, was Sie analysieren, findet Tom Red - man. „Wenn Sie nach dem Higgs-Boson suchen, brauchen Sie einen sehr niedri- gen p-Wert, vielleicht o,00001“, erläu- tert er. „Aber wenn Sie wissen wollen, ob Ihr neues Marketingkonzept besser ist oder ob die neuen Bohrmeißel, die Ihr Ingenieur entworfen hat, schneller arbeiten als die derzeitigen, werden Sie vermutlich einen höheren Wert akzep- tieren, vielleicht sogar bis 0,25.“ In der Realität überspringen Manager diese zwei Schritte oft, wenn sie ein Ex- periment durchführen. Um die Signifi- kanz kümmern sie sich erst, wenn die Ergebnisse vorliegen. Dennoch gehört SERVICE ERKLÄRVIDEO Ein Experiment mit Tee und Milch dient als anschauliches Beispiel für die Erklärung von p-Wert, Nullhypothese und Signifikanzniveau. Auch für Statistik - anfänger verständlich. BUCH Ja, Statistik kann auch Spaß machen. In Charles Wheelans „Naked Stati stics. Strip- ping the Dread from the Data“ (W. W. Norton 2014) lernen Leser die Feinheiten statistischer Analyse. Hier muss sich niemand vor den nack - ten Zahlen fürchten. JULI 2017 HARVARD BUSINESS MANAGER 103