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WENIGER FINTECH-GRÜNDUNGEN – REIFERE PRODUKTE



Der FinTech-Markt in Deutschland hat sich in den letzten fünf Jahren sehr stark entwickelt und ist rasant gewachsen. In 2019 behielt die deutsche FinTech-Landschaft ihren Wachstumskurs bei: Acht neue FinTechs wurden im letzten Jahr gegründet.* Dennoch setzte sich auch der bereits seit 2017 anhaltende Trend einer starken Verlangsamung fort. Die Zahl der Neugründungen sinkt weiter. So wurden vor vier Jahren beispielsweise noch über 50 FinTechs pro Jahr gegründet, also mehr als sechsmal so viele wie 2019.

Mit Bezug auf aktuelle Trends im Markt ist es unwahrscheinlich, dass in den kommenden Jahren wieder ein so starkes Wachstum wie in den Jahren 2014 bis 2017 erreicht wird. Für diese Tendenz gibt es gleich mehrere Gründe. Zum einen ist der FinTech-Markt bereits relativ gesättigt und umkämpft, wodurch sich die Konkurrenz um Kunden und Zugang zu Finanzlösungen verstärkt. Zum
anderen hat sich die Skalierung von Geschäftsmodellen für lokale FinTechs aufgrund diverser Faktoren als schwierig erwiesen. Dazu gehören neben den hohen Kosten für die Kundenakquise auch der gestiegene Wettbewerb durch ausländische FinTechs sowie die zunehmenden Aktivitäten von BigTechs auf dem Finanzmarkt. Auch etablierte Akteure der Finanzbranche wie Banken, Sparkassen und Versicherungen steigen vermehrt mit eigenen Lösungen oder Produkten und Services aus Kooperationen in den Ring.

Ein weiterer Faktor: Auch viele Investoren richten den Fokus mehr und mehr auf die Viabilität des Geschäftsmodells, das Alter der FinTechs und auf deren Skalierbarkeit. Dies führt dazu, dass etablierte FinTechs mit bewährten Businessmodellen größere Finanzierungen erhalten, während sich für den Rest der Zugang zu nötigen Finanzierungsmitteln vergleichsweise schwierig gestaltet.

* Diese Statistik bezieht explizit nur solche Neugründungen mit ein, die dem FinTech-Segment zugeordnet werden. Eine Liste der Kriterien findet sich auf Seite 6.