Goldilocks Sonderausgabe DLT - Page 21

Kryptowährungen und Blockchain werden seit Jahren rauf und runter diskutiert . Und immer noch geht es darum , ob sich die Technologie durchsetzen wird , ob Bitcoin ein Hype oder eine Luftnummer ist . Zum Vergleich : Die Blockchain-Technologie ist älter als das iPhone . Doch das iPhone hat sich mittlerweile aber nicht nur durchgesetzt , es hat den kompletten Markt verändert . Um smarte Mobiltelefone – egal , welches Betriebssystem darauf läuft – sind eigene Ökosysteme entstanden , aus unserem Alltag sind die kleinen Geräte nicht mehr wegzudenken . Bei Kryptowährungen und der Blockchain-Technologie ist das nicht der Fall .
Man darf bei der aktuellen Diskussion nicht vergessen , dass Kryptowährungen nur ein Anwendungsfall der Distributed-Ledger- Technologie sind . Un diese Technologie ist ohne Frage ein wichtiges Werkzeug für zukünftige Finanzprodukte- und technologien .
Oft wird Fälschungssicherheit als Vorteil von Blockchain hervorgehoben . Ich denke , dieser Punkt ist gar nicht entscheidend oder einzigartig . Einzigartig ist die Möglichkeit , das eigene Vermögen in Form von Crypto- Assets wie Währungen , Token oder NFTs dem Zugriff Dritter zu entziehen . Der Staat kann auf Bitcoin und andere Krypto-Assets nicht zugreifen . Sie sind sanktionsfrei dank Dezentralität . Man kann ein Krypto-Vermögen im Wert mehrerer Millionen Euro auf einen USB-Stick ziehen und in der Hosentasche herumtragen . Dabei ist es trotzdem die ganze Zeit sicher vor fremdem Zugriff , solange man das Passwort nicht verrät .
Wer glaubt , dass nicht nur das Finanzsystem , sondern der ganze Staatsapparat , die Gesellschaft und all ihre Institutionen nur wenige Augenblicke vom Zusammenbruch entfernt sind , wird sich eher für Kryptowährungen begeistern können . Vermögen so zu lagern , dass niemand sonst darauf zugreifen kann , stellt für diesen Personenkreis einen echten Mehrwert dar .
Ich persönlich allerdings bin Optimist und glaube , dass alles gut wird . Mein Bedarf nach einem Vermögenswert , den der Staat nicht kontrollieren kann , ist deshalb eher gering . Dabei ist mir aber durchaus bewusst , dass es viele Menschen auf der Welt gibt , für die der Zusammenbruch des Systems bittere Realität ist . Der russische Krieg in der Ukraine ist ein Beispiel dafür , wie schnell Menschen , beispielsweise in besetzten Gebieten , alles verlieren können .
Auch die Frage nach dem Vertrauen spielt eine zentrale Rolle . Habe ich Vertrauen in andere Menschen und vor allem : Habe ich Vertrauen in Institutionen ? Wir leben in einer Sharing-Economy . Die einen fahren mit einem Sharing-Auto in den Urlaub , den sie in einer Sharing-Wohnung verbringen . Im Alltag nutzen wir Sharing-Fahrzeuge , um von A nach B zu kommen . Das alles erfordert Vertrauen .
Auch wenn ich Geld in einen ETF investiere , vertraue ich darauf , dass der Mittler mein Geld dem richtigen Zweck zuführt . Außerdem vertraue ich den Aufsichtsbehörden , dass sie die Gefahren für mich auf dem Kapitalmarkt minimieren . Hat man dieses Vertrauen nicht , sind Krypto-Assets eine echte Alternative . Denn Krypto-Assets , jedenfalls in ihrer Reinform , brauchen keine Mittler und damit niemanden , dem ich vertrauen muss .
Gehen Blockchain und Krypto wieder weg ? Nein , ganz sicher nicht . Fälschungssichere Datenbanken sind bei Finanzprodukten natürlich unheimlich praktisch . Und für sanktionsfreie Krypto-Assets gibt es sicher eine Nische aus Angebot und Nachfrage . Nicht so sicher bin ich mir allerdings bei nicht-sanktionsfreien Krypto-Assets , die eben doch dem Zugriff Dritter unterliegen . Hier fehlt der ureigenen Nutzen der Sanktionsfreiheit und die Finanzprodukte stehen in unmittelbarer Konkurrenz zu herkömmlichen Finanzprodukten . Und zwar nicht nur beim Preis , sondern auch bei der Usability . Und die ist bei sanktionsfreien Krypto-Assets ungefähr so wie der Geschmack der ersten Zigarette : ziemlich schrecklich . Setzen sich Blockchain und Krypto also durch ?
Blockchain als Technologie – bestimmt . Immer da , wo die Vorteile der Fälschungssicherheit und Nachvollziehbarkeit überwiegen .
Krypto-Assets mit ihrer Sanktionsfreiheit werden hoffentlich nicht allzu viele Menschen wirklich brauchen . Und die Nachfrage danach wird im Laufe der Weltgeschichte schwanken , genauso wie in den Wochen in denen dieser Text entsteht . Aktuelle Fiat-Währungen , und zukünftig auch die CBDCs , also die offiziellen Digitalwährungen der Notenbanken , sind starke Konkurrenz .
Was heißt das nun für jede Leserin und jeden Leser dieser GOLDILOCKS-Ausgabe ? Muss ich nun Krypto-Assets kaufen ? Meine Antwort ist ganz klar : Nein . Denn das sollte man – wie bei allen Finanzanlagen – nur tun , wenn man das Konstrukt ausreichend verstanden hat und hinreichend überzeugt ist .
Muss ich mich mit der Blockchain-Technologie auseinandersetzen ? Die Antwort hierauf ist hingegen ganz klar : Ja . Und zwar weniger weil es wichtig ist , zu verstehen , wie dieser wichtige Baustein der Finanztechnologie funktioniert . Sondern mehr um das Geschehen in der Branche einordnen zu können und nicht zuletzt um das Kundenverhalten zu verstehen .
JULI 2022
SONDERAUSGABE

KRYPTOS &

BLOCKCHAIN : WAS BEDEU- TET DAS FÜR

MICH ?

Kryptowährungen und Blockchain werden seit Jahren rauf und runter diskutiert . Und immer noch geht es darum , ob sich die Technologie durchsetzen wird , ob Bitcoin ein Hype oder eine Luftnummer ist . Zum Vergleich : Die Blockchain-Technologie ist älter als das iPhone . Doch das iPhone hat sich mittlerweile aber nicht nur durchgesetzt , es hat den kompletten Markt verändert . Um smarte Mobiltelefone – egal , welches Betriebssystem darauf läuft – sind eigene Ökosysteme entstanden , aus unserem Alltag sind die kleinen Geräte nicht mehr wegzudenken . Bei Kryptowährungen und der Blockchain-Technologie ist das nicht der Fall .
Man darf bei der aktuellen Diskussion nicht vergessen , dass Kryptowährungen nur ein Anwendungsfall der Distributed-Ledger- Technologie sind . Un diese Technologie ist ohne Frage ein wichtiges Werkzeug für zukünftige Finanzprodukte- und technologien .

PESSIMIST ODER OPTIMIST ?

Oft wird Fälschungssicherheit als Vorteil von Blockchain hervorgehoben . Ich denke , dieser Punkt ist gar nicht entscheidend oder einzigartig . Einzigartig ist die Möglichkeit , das eigene Vermögen in Form von Crypto- Assets wie Währungen , Token oder NFTs dem Zugriff Dritter zu entziehen . Der Staat kann auf Bitcoin und andere Krypto-Assets nicht zugreifen . Sie sind sanktionsfrei dank Dezentralität . Man kann ein Krypto-Vermögen im Wert mehrerer Millionen Euro auf einen USB-Stick ziehen und in der Hosentasche herumtragen . Dabei ist es trotzdem die ganze Zeit sicher vor fremdem Zugriff , solange man das Passwort nicht verrät .
Wer glaubt , dass nicht nur das Finanzsystem , sondern der ganze Staatsapparat , die Gesellschaft und all ihre Institutionen nur wenige Augenblicke vom Zusammenbruch entfernt sind , wird sich eher für Kryptowährungen begeistern können . Vermögen so zu lagern , dass niemand sonst darauf zugreifen kann , stellt für diesen Personenkreis einen echten Mehrwert dar .
Ich persönlich allerdings bin Optimist und glaube , dass alles gut wird . Mein Bedarf nach einem Vermögenswert , den der Staat nicht kontrollieren kann , ist deshalb eher gering . Dabei ist mir aber durchaus bewusst , dass es viele Menschen auf der Welt gibt , für die der Zusammenbruch des Systems bittere Realität ist . Der russische Krieg in der Ukraine ist ein Beispiel dafür , wie schnell Menschen , beispielsweise in besetzten Gebieten , alles verlieren können .

EINE FRAGE DES VERTRAUENS

Auch die Frage nach dem Vertrauen spielt eine zentrale Rolle . Habe ich Vertrauen in andere Menschen und vor allem : Habe ich Vertrauen in Institutionen ? Wir leben in einer Sharing-Economy . Die einen fahren mit einem Sharing-Auto in den Urlaub , den sie in einer Sharing-Wohnung verbringen . Im Alltag nutzen wir Sharing-Fahrzeuge , um von A nach B zu kommen . Das alles erfordert Vertrauen .
Auch wenn ich Geld in einen ETF investiere , vertraue ich darauf , dass der Mittler mein Geld dem richtigen Zweck zuführt . Außerdem vertraue ich den Aufsichtsbehörden , dass sie die Gefahren für mich auf dem Kapitalmarkt minimieren . Hat man dieses Vertrauen nicht , sind Krypto-Assets eine echte Alternative . Denn Krypto-Assets , jedenfalls in ihrer Reinform , brauchen keine Mittler und damit niemanden , dem ich vertrauen muss .
Gehen Blockchain und Krypto wieder weg ? Nein , ganz sicher nicht . Fälschungssichere Datenbanken sind bei Finanzprodukten natürlich unheimlich praktisch . Und für sanktionsfreie Krypto-Assets gibt es sicher eine Nische aus Angebot und Nachfrage . Nicht so sicher bin ich mir allerdings bei nicht-sanktionsfreien Krypto-Assets , die eben doch dem Zugriff Dritter unterliegen . Hier fehlt der ureigenen Nutzen der Sanktionsfreiheit und die Finanzprodukte stehen in unmittelbarer Konkurrenz zu herkömmlichen Finanzprodukten . Und zwar nicht nur beim Preis , sondern auch bei der Usability . Und die ist bei sanktionsfreien Krypto-Assets ungefähr so wie der Geschmack der ersten Zigarette : ziemlich schrecklich . Setzen sich Blockchain und Krypto also durch ?
Blockchain als Technologie – bestimmt . Immer da , wo die Vorteile der Fälschungssicherheit und Nachvollziehbarkeit überwiegen .
Krypto-Assets mit ihrer Sanktionsfreiheit werden hoffentlich nicht allzu viele Menschen wirklich brauchen . Und die Nachfrage danach wird im Laufe der Weltgeschichte schwanken , genauso wie in den Wochen in denen dieser Text entsteht . Aktuelle Fiat-Währungen , und zukünftig auch die CBDCs , also die offiziellen Digitalwährungen der Notenbanken , sind starke Konkurrenz .

UND NUN ?

Was heißt das nun für jede Leserin und jeden Leser dieser GOLDILOCKS-Ausgabe ? Muss ich nun Krypto-Assets kaufen ? Meine Antwort ist ganz klar : Nein . Denn das sollte man – wie bei allen Finanzanlagen – nur tun , wenn man das Konstrukt ausreichend verstanden hat und hinreichend überzeugt ist .
Muss ich mich mit der Blockchain-Technologie auseinandersetzen ? Die Antwort hierauf ist hingegen ganz klar : Ja . Und zwar weniger weil es wichtig ist , zu verstehen , wie dieser wichtige Baustein der Finanztechnologie funktioniert . Sondern mehr um das Geschehen in der Branche einordnen zu können und nicht zuletzt um das Kundenverhalten zu verstehen .
EIN KOMMENTAR VON
CLAS BEESE CO-FOUNDER FINLETTER
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