Goldilocks Ausgabe 12 | Page 26

REGIONALE ÖKOSYSTEME AUSGABE 12

Bild : Unsplash , Fachy Marín

GLOSSAR

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DIGITALE PLATTFORM

Digitale Plattformen sind moderne Handelsmodelle , die Kunden und Anbieter auf einem virtuellen Marktplatz zusammenführen . Man unterscheidet geschlossene Plattformen , auf denen nur der Plattformbetreiber seine Angebote platziert , und Plattformen , die auch für ausgewählte Fremdanbieter geöffnet sind . Digitale Plattformen bieten Banken die Möglichkeit , etablierte Bankprodukte und neue Finanzservices online anzubieten und damit eine hohe Reichweite zu entwickeln . Dabei nutzen die Plattformen digitale Technologien und erhobene Kundendaten , um ihr Angebot für die individuellen Bedürfnisse jedes Kunden zu optimieren und ihre Produktkompetenz hervorzuheben . Im Rahmen plattformbasierter Handelsmodelle gibt es verschiedene Strategien . Zum Beispiel können Banken ihre Lösungen auf externen Plattformen anbieten , um ihre Zielgruppe zu erreichen . Sie können aber auch eine eigene digitale Plattform launchen und dafür passende Partner mit attraktiven Angeboten gewinnen . Für den Kunden entstehen so echte Mehrwerte und ein anbieterübergreifendes , dreidimensionales Banking-Erlebnis . Vorteile für Anbieter sind leichte Skalierbarkeit und minimale Transaktionskosten .

ÖKOSYSTEM

Der Begriff Ökosystem stammt ursprünglich aus der Biologie und beschreibt einen kooperierenden Zusammenschluss verschiedener Gattungen von Pflanzen und Tieren innerhalb eines Habitats . Unter einem wirtschaftlichen Ökosystem versteht man entsprechend ein dynamisches , gemeinsam koordiniertes Netzwerk von Marktteilnehmern aus unterschiedlichen Bereichen , das ganz auf die Bedürfnisse der Kunden ausgerichtet ist . In digitalen Ökosystemen können alle Akteure ihre Leistungen differenziert online anbieten . So wird die Nachfrage zwischen verschiedenen Anbietern vermittelt und ein optimales End-to-End-Kundenerlebnis gewährleistet . Durch den Zusammenschluss der verschiedenen komplementären Anbieter wird der Kundennutzen gegenüber einer einzeln abgerufenen Leistung deutlich erhöht .

PROPRIETÄRE MÄRKTE

Das Adjektiv „ proprietär “ kommt aus dem Lateinischen ( Proprietär = Eigentümer ) und bedeutet , dass etwas sich in privatem Eigentum befindet . Im Unterschied zu freien Märkten sind proprietäre Märkte also Märkte , die jemandem gehören – in der Regel einer digitalen Plattform . Das hat für den Plattformbetreiber und den Kunden verschiedene Vorteile . So kann die Plattform Kundendaten strukturiert auswerten , ihre Kunden besser kennenlernen und anhand dessen ihre Angebote noch besser auf die Kundenbedürfnisse ausrichten . Services und Dienstleistungen können besonders flexibel und leicht zugänglich angeboten und das Angebot kontinuierlich ausgeweitet werden . Zudem hat der Plattformbetreiber die Kontrolle über die Anbieter auf einem proprietären Markt und kann die Struktur von Angeboten sowie Preisen gestalten und optimieren . So steuert er die Leistung aller Anbieter und setzt eigene Qualitätsstandards – und das kommt auch dem Kunden zugute .

PLATTFORMBETREIBER

Die Plattform-Ökonomie ist ein digitales Geschäftsmodell , das Kunden und Anbieter mithilfe einer ganzheitlichen Schnittstelle – der digitalen Plattform – miteinander in Kontakt bringt und Transaktionen vermittelt . Der Plattformbetreiber ( auch Owner genannt ) stellt die digitale Infrastruktur für den virtuellen Handelsplatz bereit . Einige der größten Börsenunternehmen sind Plattformbetreiber , beispielsweise Amazon , Facebook ( bzw . nun Meta Platforms ) oder Google . Der Plattformbetreiber fungiert als Gatekeeper und wählt Partner und Fremdanbieter – sogenannte Plattformzulieferer – nach seinen Kriterien aus . Die Positionierung als Plattformbetreiber ist strategisch sinnvoll für Banken und Unternehmen , die eine starke Reichweite haben , aber einen weniger ausgeprägten Wettbewerbsvorteil – denn so können sie die Produkte ihrer Zulieferer erfolgreich an ihre Kunden verkaufen . Der Betreiber kann auch selbst als aktiver Anbieter auf seiner Plattform in Erscheinung treten . In der Regel hat nur der Plattformbetreiber Zugriff auf die Kundendaten , die er auswerten und monetarisieren kann . Jedoch hat ein Plattformbetreiber auch viele rechtliche Pflichten zu erfüllen , beispielsweise steuerliche Meldepflichten .

PLATTFORMZULIEFERER

Der Wert von digitalen Handelsplattformen für ihre Kunden hängt auch von der Anzahl und dem Angebot der Plattformzulieferer ab . Plattformzulieferer werden auch als Fremdanbieter , Drittanbieter oder Producer bezeichnet – damit sind die externen Händler gemeint , die über die digitale Plattform Produkte oder Dienstleistungen anbieten und Geschäfte abwickeln . Erfolgreiche Plattformen kooperieren mit verschiedenen Plattformzulieferern und bieten ihren Kunden eine vielfältige Auswahl . Dies zieht mehr Interessenten an und erhöht den Traffic und die Nutzungsintensität der Plattform . Auf diese Weise wird die Plattform auch für Zulieferer attraktiver . Für den Zugang zu seinen Kunden über die Plattform zahlt der Zulieferer Gebühren an den Plattformbetreiber . Oft stellt der Plattformbetreiber auch die von ihm erhobenen Kundendaten gegen Gebühr zur Verfügung . Die Positionierung als Plattformzulieferer ist sinnvoll für Anbieter , die mit ihren Produkten einen hohen Wettbewerbsvorteil genießen , aber selbst noch keine maßgebliche Kundenreichweite haben . Sie können die hohe Reichweite der Plattform nutzen , um ihre Produkte an viele Kunden zu verkaufen und ihre Reichweite zu steigern .

REGIONALITÄTS- PRINZIP ( BEI DEN SPARKASSEN )

Die Sparkassen-Finanzgruppe ist dezentral strukturiert – mit 520 Unternehmen und 16.500 Geschäftsstellen in ganz Deutschland . Als öffentlich-rechtliches Finanzinstitut ist die Sparkasse dem Regionalitätsprinzip verpflichtet . Dieses gewährleistet die Bindung an den Träger , denn die Sparkassen haben einen öffentlichen Auftrag : Seit ihrer Gründung zielen die Sparkassen nicht – wie andere Banken – darauf ab , ihren Profit zu maximieren . Stattdessen sollen sie Menschen die wirtschaftliche und soziale Teilhabe ermöglichen . Daher engagieren sich die Sparkassen primär für Menschen und Unternehmen in ihrer Region . Das wirkt sich auch auf die Zufriedenheit der Kunden aus : Umfragen zufolge genießen die Sparkassen das höchste Vertrauen in der Bevölkerung im Vergleich zu anderen Kreditinstituten . Das Regionalprinzip ist im Sparkassengesetz fast aller Bundesländer verankert – mit Ausnahme von Schleswig- Holstein , Hamburg und Hessen .

CROWDFUNDING

Der Begriff Crowdfunding leitet sich von dem englischen Wort „ Crowd “ für Menschenmenge und „ Funding “ für Finanzierung ab . Man kann Crowdfunding also mit Gruppenfinanzierung oder Schwarmfinanzierung übersetzen . Es handelt sich um eine alternative Art der Finanzierung , die als Zielgruppe unter anderem auf Start-ups oder Privatpersonen abzielt . Über eine digitale Crowdfunding-Plattform können Kreditnehmer ihr Projekt vorstellen , um ausreichend viele Kreditgeber zu gewinnen . Kreditgeber sind dabei meist Privatanleger . Wird das Fundingziel erreicht , kommt die Finanzierung zustande . Findet der Kreditnehmer nicht genug Geldgeber , erhält er keine Finanzierung . Für private Investoren ist Crowdfunding eine interessante Form der Geldanlage , da es häufig hohe Renditechancen gibt und die Mindestanlagebeträge gering sind . Entsprechend hoch ist jedoch auch das Risiko . Es gibt verschiedene Formen des Crowdfundings , beispielsweise das lending-based Crowdfunding , bei dem Kredite zu festgelegten Konditionen vergeben werden , oder dass equity-based Crowdfunding , bei dem die Geldgeber kleine Firmenanteile erwerben .

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