Welche Rolle sollte Deutschland Ihrer Meinung nach bei der Gestaltung einer globalen
Marktstruktur im Energiebereich spielen? Welche Chancen sehen Sie für eine Harmonisierung internationaler Interessen auf diesem Gebiet?
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Deutschland gilt im Bereich Klimaschutz und Clean-Tech weltweit als führend. Gerade durch die Sonderstellung im Bereich Atomkraftwerke und die Energiewende nimmt Deutschland eine Sonderrolle ein und wird dadurch nicht von allen Nationen als Benchmark gesehen werden. Dennoch kann eine globale Marktstruktur nur im engen Schulterschluss mit den anderen G20 Nationen geschehen.
Der deutsche Beitrag zum Klimaschutz sollte verstärkt darin bestehen, durch Grundlagenforschung und möglichst technologieneutrale Innovationsförderung die Kosten des Klimaschutzes zu senken. Wenn die internationale Staatengemeinschaft weiterhin daran scheitert, verbindliche Abkommen zur Reduktion klimaschädlicher Emissionen zu vereinbaren, ist der Klimaschutz nur durch solchen Fortschritt zu erreichen, sei es durch drastische Reduktion der Kosten der Erzeugung und Speicherung von erneuerbaren Energien, oder durch Fortschritte im Bereich der CO 2
-Abscheidung und im Climate Engineering.
Wünschenswert wäre, wenn Deutschland mit der Energiewende als Vorreiter zeigen könnte, dass eine Abkehr von fossilen Brennstoffen funktionieren kann, ohne Wettbewerbsnachteile zu erleiden. Ein solcher Erfolg könnte Deutschland in die Rolle versetzen, das eigene Know-How über Technologien und Regularien aus dem Energiemarkt für die globale Marktstruktur zur Verfügung zu stellen. Deutschland nimmt als rohstoffarmes Land hierbei sicherlich eine Sonderstellung ein und könnte in dieser Hinsicht möglicherweise in Japan und Korea geeignete Verbündete finden. Sollten diese Länder zeigen können, dass ein alternativer Weg möglich ist, könnte das Signalwirkung auch für andere Staaten entwickeln.
Wichtig für eine mögliche Vorreiterrolle Deutschlands ist zudem, nicht mit dem Vorbild neuer Großtechnologien aufzutreten, sondern intelligente Systemlösungen für den jeweiligen Bedarf anzubieten. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, vorhandene lokale bzw. regionale Strukturen zu erhalten und für Energie- und Ressourceneffizienz zu nutzen. Dort, wo diese Strukturen nicht oder nicht mehr existieren, sollten sie wieder geschaffen werden. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Stromversorgung: Eine nachhaltige Stromversorgung kann nicht ausschließlich auf Großkraftwerken und entsprechender Infrastruktur zur Verteilung beruhen, sondern benötigt insbesondere auch kleinräumige Strukturen, Einheiten und Regelkreise, beispielsweise zur Zwischenspeicherung von Strom und für das Lastmanagement.
Die ernüchternden Ergebnisse der letzten beiden Klimarahmenkonventionen zeigen, dass derartige Bestrebungen auf absehbare Zeit ein » Wunschdenken « bleiben werden und man noch meilenweit von der Lösung der Klimaproblematik entfernt ist.
Rolle Deutschlands
Harmonisierung internationaler Interessen
Green Growth Forum | Kommuniqué | Nachhaltige Entwicklung 43