FOTOPROFI Magazin 21.03.2026 | Page 16

SPECIAL INTERVIEW 16

� Touché: Massai-Giraffen in der Maasai Mara, Kenia

Auf David Lloyds Instagram-Account finden sich zwei kurze Sätze, die viel über seine Art der Fotografie verraten: „ Alle Tiere sind wild und frei“ und „ Alle Bilder ohne Photoshop“. Damit setzt er bewusst auf einen Kontrast zu den oft stark bearbeiteten Bildern in den Sozialen Medien und zur Fotografie von gefangenen Tieren. Seine Bilder zeichnen sich durch klassische, saubere Kompositionen aus, während seine Motive hauptsächlich aus der Tierwelt Afrikas stammen.

Die kunstvolle Kompositionsweise von Lloyd kommt nicht von irgendwoher: der in London lebende Neuseelänger war früher im Bereich Grafikdesign tätig, bevor er sich als Fotograf selbstständig machte. Die Fotografie begann, wie er sagt, als „ obsessives Hobby“, bei dem er nach Afrika reiste und Fotos machte, um sie an seine Wand zu hängen. Mittlerweile hängen seine Fotos an den Wänden zahlreicher Wildtierliebhaber.

Du engagierst dich immer wieder für Naturschutzprojekte. Glaubst du, dass ein Wildlife- Fotograf etwas an die Natur zurückgeben sollte? Ich bin schon mein ganzes Leben lang Fotograf. Ich habe zum ersten Mal eine Kamera in die Hand genommen, als ich fünf Jahre alt war. Genauso habe ich mich schon als Kind für Wildtiere interessiert, und ich liebe die Kunst. Bevor ich Fotograf wurde, war ich Grafikdesigner. Vor zehn

„ Ich habe keine bestimmte Regel dafür, wie ich Fotos mache“

Jahren habe ich mein obsessives Hobby, nach Afrika zu reisen und Fotos zu machen, zum Beruf gemacht.

Aus den vielen Reisen ist eine Empathie für Tiere entstanden. Man beginnt, sie besser zu verstehen. Ich habe Tiere schon immer gemocht, aber wenn man sie aus erster Hand sieht, entwickelt man mehr Mitgefühl. Man möchte sich um sie kümmern. Man möchte, dass es ihnen gut geht.

Ein Teil von mir sagt, dass ich Tiere zu meinem Vorteil benutze, und ich habe ein gewisses schlechtes Gewissen, also möchte ich etwas zurückgeben.

Aber ich bin ein wenig kritisch gegenüber Leuten, die Fotografen dafür kritisieren, dass sie nichts zurückgeben. Das ist eine natürliche Entwicklung. Es ist eine natürliche Sache, etwas zurückgeben zu wollen. Übrigens geht auch andersherum: Viele Menschen beginnen mit einer Leidenschaft für Tiere und entwickeln dann ihre Fotografie, wie Jonathan Scott.

Dieser zärtliche Moment zwischen einer Giraffenmutter und

� Hippodrama: Nilpferde in der Maasai Mara, Kenia

ihrem Jungen – wo wurde der aufgenommen? Dieses Bild wurde in der Maasai Mara in Kenia aufgenommen. Das ist immer ein sehr beliebtes Foto, wenn ich es auf den Sozialen Medien teile. Ein echter Moment Mutter-Kind-Moment eben. Es ist sehr rührend und hat dieses anthropomorphe Element.

Sind solche emotionalen Momente das Ziel deiner Fotografie? Ich habe keine bestimmte Regel dafür, wie ich Fotos mache. Die Leute sagen mir manchmal, dass die Tiere entweder für mich posieren oder ich sie auf die richtige Weise einfange. Ich bin nicht losgezogen und habe mir gesagt, dass ich die Tiere auf eine bestimmte Art und Weise einfangen muss. Ich fotografiere die Motive so, wie sie mir vor die Kamera kommen, und das ist, was dabei herauskommt.

Wenn ich die Bilder mache, wähle ich vielleicht mit meinem Unterbewusstsein diejenigen aus, die so emotional sind. Manche Bilder beschneide ich ein wenig, um die Komposition ansprechender zu gestalten.