Festschrift Jubiläum 25 Jahre | Page 7

Kleinstadt, die eigentlich eher einem großen Dorf ähnelt - und trafen auf der Straße einen jungen Mann, dem wir „iyi bayramlar“ (frohe Feiertage) wünschten. Wir kamen ins Gespräch und wie wir so erzählten, wo wir herkommen und was wir tun, fragte er uns, ob wir schon einmal einen Kurban Bayram erlebt hätten. Als wir verneinten, klopfte er an das nächste Tor mit den Worten „dann kommt mal mit, hier wohnt die Familie meines Schwagers“. So kam es, dass wir uns plötzlich auf einem großen Innenhof wiederfanden, neben landwirtschaftlichen Geräten, einem Auto, Tischen, ein paar Stühlen, einer Feuerstelle, einer zunächst ein wenig verblüfften Familie und - einer toten Kuh. Schnell wurden wir vorgestellt und dann herzlich zum Cay trinken eingeladen. Während wir da saßen, unterhielten wir uns mit dem Dede (Opa) der Familie über türkische und deutsche Feiertage. Er hatte einmal von Freunden gehört, in Deutschland gäbe es einen Feiertag, an dem die Menschen ihr Haus abdunkelten und sieben Tage lang nicht raus gingen. Was genau wir denn da machen und warum so gefeiert wird, konnten wir ihm leider nicht erklären. Er war jedenfalls sehr erstaunt darüber, dass wir diesen Feiertag nicht kannten. Dann zeigte er uns noch gemeinsam mit seinem Sohn den hofeigenen Eingang zum unterirdischen Städtesystem und erklärte, dass fast jedes Haus des Ortes über einen solchen verfüge. Die meisten seien jedoch nach ein paar Metern eingestürzt oder mussten zugebaut werden. Außerdem zeigte er uns noch einen großen Mauer- stein mit uralten eingeritzten christlichen Zeichen, den sein Vater einmal gefunden hatte. Eigentlich habe er ihn vor Jahren an ein Museum verkaufen wollen, da er aber selbst nicht sicher war, wie viel der Stein wert sei, hatte er ihn doch lieber behalten. Unterdessen war der Metzger des Ortes gekommen und die tote Kuh war hinten an den kleinen Traktor gehängt und ausgenommen worden. Das Fleisch wurde auf drei Wannen verteilt: eine für die Familie, eine für Nachbarn und Freunde und eine für Familien, die es sich selbst nicht leisten können an Bayram zu schlachten. Das ist so Brauch am Opferfest. Als krönenden Abschluss aßen wir zusammen vom frisch über der Feuerstelle zubereiteten Fleisch, mit gebratenen Paprika und selbst gebackenem Brot. Zu trinken gab es Ayran, aus Joghurt von der Milch der eigenen Kühe. „Dieser Ayran ist so gesund, jetzt werdet ihr zwei Jahre lang nicht mehr krank werden“ sagte der Dede. Bis jetzt sollte er recht behalten. Filiz Aksoy war von 1996 bis 2009 Schülerin an unserer Schule. Sie macht derzeit ihren Master in Soziologie in Frankfurt am Main und war von September 2012 bis Februar 2013 für ein Auslandssemester in Istanbul. Wer mehr Fotos aus dieser Zeit sehen möchte findet sie unter www.zeitinistanbul.tumblr.com ZeitDruck | der rückblick 7