Kleinstadt, die eigentlich eher einem großen Dorf ähnelt - und trafen auf der Straße einen jungen Mann,
dem wir „iyi bayramlar“ (frohe Feiertage) wünschten.
Wir kamen ins Gespräch und wie wir so erzählten, wo
wir herkommen und was wir tun, fragte er uns, ob wir
schon einmal einen Kurban Bayram erlebt hätten. Als
wir verneinten, klopfte er an das nächste Tor mit den
Worten „dann kommt mal mit, hier wohnt die Familie
meines Schwagers“.
So kam es, dass wir uns plötzlich auf einem großen Innenhof wiederfanden, neben landwirtschaftlichen Geräten, einem Auto, Tischen, ein paar Stühlen, einer Feuerstelle, einer zunächst ein wenig verblüfften Familie und
- einer toten Kuh. Schnell wurden wir vorgestellt und
dann herzlich zum Cay trinken eingeladen. Während
wir da saßen, unterhielten wir uns mit dem Dede (Opa)
der Familie über türkische und deutsche Feiertage. Er
hatte einmal von Freunden gehört, in Deutschland gäbe
es einen Feiertag, an dem die Menschen ihr Haus abdunkelten und sieben Tage lang nicht raus gingen. Was
genau wir denn da machen und warum so gefeiert wird,
konnten wir ihm leider nicht erklären. Er war jedenfalls sehr erstaunt darüber, dass wir diesen Feiertag nicht
kannten.
Dann zeigte er uns noch gemeinsam mit seinem Sohn
den hofeigenen Eingang zum unterirdischen Städtesystem und erklärte, dass fast jedes Haus des Ortes über
einen solchen verfüge. Die meisten seien jedoch nach
ein paar Metern eingestürzt oder mussten zugebaut werden. Außerdem zeigte er uns noch einen großen Mauer-
stein mit uralten eingeritzten christlichen Zeichen, den
sein Vater einmal gefunden hatte. Eigentlich habe er ihn
vor Jahren an ein Museum verkaufen wollen, da er aber
selbst nicht sicher war, wie viel der Stein wert sei, hatte
er ihn doch lieber behalten.
Unterdessen war der Metzger des Ortes gekommen und
die tote Kuh war hinten an den kleinen Traktor gehängt
und ausgenommen worden. Das Fleisch wurde auf drei
Wannen verteilt: eine für die Familie, eine für Nachbarn
und Freunde und eine für Familien, die es sich selbst
nicht leisten können an Bayram zu schlachten. Das ist
so Brauch am Opferfest.
Als krönenden Abschluss aßen wir zusammen vom
frisch über der Feuerstelle zubereiteten Fleisch, mit
gebratenen Paprika und selbst gebackenem Brot. Zu
trinken gab es Ayran, aus Joghurt von der Milch der
eigenen Kühe. „Dieser Ayran ist so gesund, jetzt werdet
ihr zwei Jahre lang nicht mehr krank werden“ sagte der
Dede. Bis jetzt sollte er recht behalten.
Filiz Aksoy war von 1996 bis 2009 Schülerin an unserer Schule. Sie macht derzeit ihren Master in Soziologie in Frankfurt am Main und war von September 2012 bis Februar 2013 für ein Auslandssemester
in Istanbul. Wer mehr Fotos aus dieser Zeit sehen
möchte findet sie unter
www.zeitinistanbul.tumblr.com
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