Festschrift Jubiläum 25 Jahre | Page 18
Für Kamal und Halim wird es mit den Papieren schwieriger werden, da sie als Palästinenser ja schon Asyl in
Syrien haben. Doch sie warten noch immer geduldig.
Sie haben noch Hoffnung. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Täglich schießen sie aufeinander. Versuchen sich zu töten. Männer, die unter anderen Umständen sicherlich
gerne miteinander den Abend verbracht hätten. Plötzlich ist es von Bedeutung, wer welcher Religion angehört. Früher waren sie alle einfach Menschen, alle Syrer.
Die vier Interviewten sind Sunniten.
Als wir über Assad sprachen, wurde das Gespräch zum
einzigen Mal ein wenig kritisch. Sie sprachen öfter auf
Arabisch untereinander, die Wärme ging ein wenig verloren. Doch ansonsten beantworteten sie gerne unsere
Fragen. Obwohl das sicherlich nicht einfach für sie war.
Lustige Momente bereitete immer wieder Halim, wenn
er uns wild gestikulierend alles Mögliche auf Arabisch
erzählte und dann von seinem Sohn amüsiert grinsend
darauf hingewiesen wurde, dass wir rein gar nichts verstehen.
* Namen von der Redaktion geändert
Da sich die vier Interviewpartner nicht fotografieren
lassen wollten, stammen die hier verwendeten Bilder
aus den Archiven des UNHCR und der IHH. Sie zeigen
Syrer in Flüchtlingslagern in Jordanien, der Türkei und
Syrien (S. 16, 17, 18) und beim Überqueren der Grenze nach Jordanien (S. 14, 15)
© UNHCR/Jared J.Kohler: S. 14, 15, 16
© UNHCR/Anna Branthwaite: S. 17
© IHH: S. 18
Vor kurzem habe ich Djamal noch einmal gesehen. Es
war eine gute Woche, er war sehr glücklich, er hatte seine Papiere bekommen. Nun kann er 3 Jahre hier bleiben; wenn er in dieser Zeit nicht straffällig wird, sogar
für immer. Er kann arbeiten, reisen – nach Amerika,
in Europa, seinen Bruder holen. Plötzlich hat er wieder
eine Zukunft, eine schöne Zukunft.
Lennard Schwöbel (Klasse 11) schildert das bewegende Schicksal der vier syrischen Männer und macht
auf eines der größten Probleme und Herausforderungen unserer Zeit aufmerksam. Das Interview führten
Felix Hübner (Klasse 12), Aron Eichhorn (Klasse 11)
und Lennard Schwöbel.
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