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AUS STROH GOLD SPINNEN
„Aus Stroh Gold spinnen“
Märchen damals – Forschung heute – Wirklichkeit morgen
Gabriele Perryman im Gespräch mit dem Agraringenieur Egon Heger, Berater und Pionier im ökologischen Pflanzenanbau. Sein neues Verfahren
könnte die landwirtschaftliche Fasererzeugung
revolutionieren.
Leinenfäden sind glänzend, fein und strapazierfähig. Leinenstoffe sind edel, temperaturausgleichend und heilend. Zudem: Flachsanbau sei das
Beste, was man für den Ackerboden tun kann,
sagt Egon Heger, und ähnliches gelte für den
Hanf. Das ist genial – sowohl ökologisch, als auch
ökonomisch.
Warum werden Hanf und Leinen in Mitteleuropa selten angebaut?
Der Anbau ist risikoreich – eine Mischung aus
ökonomischen und agronomischen Risiken:
Nur große Felder sind wirtschaftlich. Kleine Mengen an einheitlichen Flachsfasern sind schwer
zu verkaufen. Doch bei großflächigem Anbau in
Mitteleuropa besteht jedes Jahr das Risiko eines
Ausfalls der gesamten Ernte durch schlechtes
Wetter.
Woran forschen Sie derzeit?
Ich befasse mich in den letzten Jahren mit der
Entwicklung eines völlig neuen Verfahrens mit
dem Ziel, die Gewinnung von Nessel- und Hanffasern energie-autark und unter vollständiger
Nutzung der gesamten Pflanze durchzuführen.
Welche Vorteile hat das neue Verfahren?
Zum einen ist es eine Vereinfachung der Röste
auf dem Acker durch eine Art „Turboröste“. Das
ersetzt den mühsamen und teuren Weg, den getrockneten Pflanzenleim auf mechanischem oder
chemischem Weg von der Faser zu entfernen.
Zum anderen braucht man die Holzteile nicht
mechanisch vom Bast zu trennen. Es spart Energie und Geld.
Ein weiterer Vorteil für die Landwirtschaft ist,
dass sämtliche Pflanzenteile genutzt werden:
z. B. die Blätter der Fasernessel als Futtermittel
oder die des Hanfs zur Arzneiherstellung. Und
das Wasser, das zur Turboröste eingesetzt wurde, kann wieder zu Dünger aufbereitet werden.
…Rösten, Brechen, Schwingen – keine harte
Kampfsportart, sondern die traditionelle, langwierige Herstellungsmethode zur Gewinnung
von Fasern für Leinen, Hanf, Nessel und Ramiegarnen. Egon Heger hat stattdessen ein sanftes
Verfahren entwickelt und gemeinsam mit der Firma Mattes & Ammann zum Patent angemeldet.
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