divingEurope 3|2026 | Nr. 47 | страница 57

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Rund 40 Kilometer nordwestlich von Tallinn, im winzigen 1100-Seelen-Dorf Rummu, lauert eine der unheimlichsten und faszinierendsten Tauchstätten Europas. Was heute als mystische „ Blaue Lagune“ Badegäste und Taucher gleichermaßen magisch anzieht, war einst ein Ort des Grauens: das berüchtigte Gefängnis „ Murru Vangla“.

Die Geschichte dieses Ortes ist so düster wie die Tiefen, in die man hier abtaucht. 1937 errichtet, in der Sowjetzeit zum Hochsicherheitsgefängnis ausgebaut – mit bis zu 5000 Insassen hinter seinen Mauern, darunter zu lebenslanger Haft Verurteilte. Die Häftlinge schufteten in drei Schichten im angrenzenden Kalksteinbruch, später in Stahl- und Holzverarbeitung, sogar für das Militär. Ein System aus Zwang, Schweigen und Vergessen.
Dann kam 1991 die Unabhängigkeit Estlands. Die Fabriken wurden geschlossen, die Drainagen abgestellt und die Pumpen verstummten. So begann das Grundwasser gnadenlos und unaufhaltsam das gewaltige Steinbruchbecken zu fluten. Meter für Meter verschwanden Lagerhallen, Maschinen, Abbaugeräte unter einer stetig wachsenden Wasserwand – bis zu zwölf Meter tief. Nur die höchsten Außenmauern ragen noch heute wie Mahnmale aus der Wasseroberfläche. Im Spätsommer, wenn die Sicht auf beeindruckende zehn bis 15 Meter ansteigt, erkennt man selbst von oben die Grundrisse der versunkenen Bauten – und bekommt eine Gänsehaut.
Der Taucheinstieg liegt an der nordwestlichen Seite des Sees, dort, wo eine alte Gefängnismauer mit Stacheldraht, verrosteten Beleuchtungskörpern und allerlei anderen „ Nettigkeiten“ die ersten schaurigen Taucheindrücke liefert. Vorsicht ist hier wirklich oberstes Gebot – wir sind nach unseren Wracktauchgängen in der Ostsee und den eiskalten estnischen Seen mit Trockentauchanzügen
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