divingEurope 2|2018 NEU - Page 166

divingEurope 2|2018 Im Vergleich zum Flussaal hat der Conger einen leicht überstehenden Oberkiefer. Wrack in rund 50 Meter Tiefe, das irgendwann als „Congerwrack“ Furore machte und berühmt und beliebt wurde. Es gab mehrere Exempla- re, die größten mit nahezu zwei Meter Länge. Nachdem die Meeraale immer wieder gefüttert worden waren, musste schließlich das Mitglied eines Filmteams sozusagen für diese Dumm- heit anderer büßen. Die großen Conger waren mittlerweile derma- ßen konditioniert, dass sie das Futter schlicht- weg erwarteten. Außerdem hatte sich das ein oder andere Tier an Taucher gewöhnt. Als das Filmteam dort Aufnahmen machen wollte, kam einer der großen Meeraale aus dem Versteck und schlängelte um einen der Taucher herum. Als der Raubfisch von hinten unter dem Arm hindurch an der Brust des Tauchers entlang schwamm, stieß der Mann das Tier von sich weg. Mit einer blitzschnellen Drehung griff der Conger daraufhin an und riss dem Taucher mit einem Biss das Gesicht in Höhe der Wange auf. Nur Dank der Hilfe des Tauchpartners, der dem Verletzten den Atemregler sicherte und ihn beim 166 Notaufstieg aus über 50 Meter begleitete, ging das Ganze abgesehen von der Gesichtsverlet- zung glimpflich aus. Offenbar war der Vorfall im Laufe der Jahre als Taucherlatein deklassiert worden oder sogar ganz in Vergessenheit geraten. Im Jahr 2013 kam es jedenfalls in einem anderen Land am Mittelmeer zu einer fast identischen Attacke ei- nes Meeraals – wieder mit einem Biss ins Ge- sicht. Auch hier war laut Insidern aus der Ge- gend der Conger zuvor angefüttert worden. Zum Glück setzte sich die Duplizität der Ereignisse insofern fort, dass auch in diesem Fall der be- troffene Taucher ohne andere Probleme zurück an die Oberfläche kam. Wie bei den meisten Wildtieren gilt auch beim Conger: Panikmache ist quatsch. Anfüttern soll- te generell ein Tabu sein, ist bei dieser Tierart aber erst recht eine ganz blöde Idee. Denn auch wenn er auf vielen Fotos grinst wie ein Knuddeltier: Der Meeraal ist ein Raubfisch, dem mit Respekt begegnet werden sollte.