divingEurope vier ein kleines Schmankerl. Das liegt sicher auch an den Barrakudas, die an einer der Flanken dieser Miniinsel ihr Revier haben. Das Schöne am Käse: es ist ein Tauchplatz für jeden.
Das Boot ankert keine 20 Meter davor auf nur zwölf Meter tiefem Grund, der nächste Eingang liegt etwa auf derselben Höhe und ist so groß, dass man bei aller Mühe nirgendwo hängenbleiben kann. Im Inneren des Käse herrscht Ballsaal-Atmosphäre. Es gibt eine riesige Halle mit weiteren Ein- und Ausgängen, durch die soviel Licht scheint, dass eine Tauchlampe fast nicht nötig ist. Und der Teufel? „ Versteckt sich natürlich!“ Sagt Achim mit einem Lachen und erklärt dann: „ Es gibt da drin einen bestimmten Punkt, an dem die Löcher im Felsen gegenüber unserem Haupteingang mit etwas Fantasie schrägstehende Augen und einen aufgerissenen Mund bilden – das Gesicht des Teufels, El Diablo.“
Wer mag kann auf dieser Seite aus der Höhle hinaus tauchen. Je wärmer das Wasser, desto stoischer zeigen sich die Barrakudas, die dort fast immer stehen. Keine gigantische Schule wie am Cap Freu weiter nördlich, aber dafür sind auch am Käse einige große Exemplare dabei. Es lohnt aber auch ein Blick ins Detail. Zwischen den Algen und Gewächsen vor den Eingängen und an den äußeren Felswänden leben viele Nacktschnecken. Während die Fadenschnecken wie die violette Flabellina affinis eindeutig in der Mehrzahl sind, gibt es auch Leopardennacktschnecken, seltener sind die Sternschnecken wie die große weißgelbe Hypselodoris picta.
Mit magischen Wesen – Stichwort Teufel – haben sie es wohl rund um die Font de Sa Cala, denn ein weiterer Tauchplatz firmiert in der Liste der Basis als Hexentanz. Auch hier bietet sich das klassische Unterwasser- Landschaftsbild der Region, nämlich die felsige Landschaft mit großen Auswaschungen und Höhlen. Die Hexen tummeln sich dabei( wahrscheinlich...) in einer solchen, die sich direkt aus dem sandigen, nicht all zu tiefen Meeresboden erhebt. Wieder ist es eine Felsenhalle mit mehreren Ein- und Ausgängen, allerdings ist der Innenraum wesentlich größer als im Käse. Richtig dunkel ist es nicht, und bei Bedarf ist man schnell wieder draußen. Klingt also nach einem prima Tauchplatz, um zum ersten Mal ein Höhlentauchgefühl zu schnuppern? Genau so ist es, wie wir bei unserem Fototauchgang dort selber feststellen konnten. Im flachen Wasser davor ist zudem Kindertauchen möglich.
Überhaupt sind die Küsten Mallorcas für Geologen ein offenes Buch. Vor wie viel Hundert Millionen Jahren sich welche Erdplatten verschoben haben und so weiter lassen wir jetzt mal weg. Aber auf ganz Mallorca überwiegen seitdem Kalkgesteine, und die sind zum Teil eben leicht wasserlöslich. Gerade in den Felsküsten gibt es daher diese deutlichen Aushöhlungen. Die Tropfsteinformationen unter Wasser stammen aus einer Zeit, da der Meeresspiegel die Löcher nicht überflutet hatte. Der wunderbare Tauchplatz namens Kathedrale ist nur ein Beispiel von vielen dafür.
Zwar nicht trockenen Fußes, aber ohne Tauchausrüstung lässt sich eine hübsche kleine Tropfsteinhöhle besuchen, deren Eingang sich ein paar Meter über dem Meeresspiegel befindet. Weil da nicht geankert werden kann, müssen alle erst mal ins Wasser, um von da die zwei, drei Meter zum schmalen Ausstieg aus dem Meer zu schwimmen.‘ Nen Schnorchel braucht dabei keiner, dafür bekommt jeder Teilnehmer einen Helm, wie ihn auch die Höhlenforscher bei ihren Expeditionen tragen. Denn... es wird geklettert.
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