diving7seas Sonderausgabe 2019 / DEUTSCH - Page 58

diving7seas 2019 Tipps für die Zeit an Land Yap ist eine Taucherinsel. Deswegen fliegt man den weiten Weg hierher – und wird da- für unter Wasser sozusagen belohnt. Um es ohne Umschweife deutlich zu ma- chen: Wer sich hier stundenlange Strand- wanderungen vorstellt, der wird ebenso ent- täuscht wie diejenigen, die sich nach jedem Sonnenuntergang ins Nachtleben stürzen wollen. Das findet nämlich nur in Colonia und nur ein Mal pro Woche statt: jeden Freitag- abend (und wirklich nur dann) ist in O‘Kee- fe‘s Bar schräg gegenüber des Manta Ray Bay Resorts Hully-Gully angesagt. Dann trifft sich die einheimische Jugend (und einige Ältere, die junggeblieben sind) zu Live-Mu- sik, Bier und Drinks und flotten Tänzchen. Dabei geht es aber in aller Regel gesittet zu. Schließlich kennt hier jeder jeden. Für alle mit Interesse an der Geschichte der Insel und der Kultur ihrer Bewohner wartet dennoch allerhand. Ein paar hundert Meter vom Hotel entfernt beginnt einer der al- ten Steinwege, über die die Inselbewohner früher von Dorf zu Dorf gelangten. Der Weg hinter den drei kleinen Supermärkten führt heute bis zur Kuppe des Hügels, auf dem seit 2018 die drei Windräder stehen. Weitgehend unbekannt ist, dass die Karoli- neninseln und somit auch Yap rund 15 Jahre lang bis zum Ende des Ersten Weltkriegs eine der deutschen Kolonien waren. Außer dem Namen von Yaps Hauptstadt, Colonia (schönen Gruß nach Köln...) erinnern nur noch die Reste eines Betonankers für ein Überseekabel auf einem Hügel und auf dem alten Friedhof der Hauptstadt der Grabstein von Conrad Hofschneider an diese Zeit. 1861 in „Weinsdorf bei Hanover“ (mit einem „n“ geschrieben) geboren, war er der Buchhalter der Kolonialregierung und starb 1911 auf der Insel. Es ist das einzig erhaltene deutsche Grab aus Yaps Kolonialzeit. Unweit des Hü- 58 gels mit dem kleinen Friedhof wurde an der Kreuzung Colonias (wo es kaum 50 Häuser gibt) ein kleines Museumsdorf errichtet. Wer keinen Ausflug ins weiter entfernte Traditi- onsdorf oder auch nur zu einem originalen Men‘s House machen möchte, kann hier sehen, wie Orte in Yap bis vor der amerikani- schen Unterstützung nach dem WK II ausge- sehen haben. Ein weiteres Ausflugsziel ist die alte Lan- debahn der japanischen Besatzer aus dem Zweiten Weltkrieg. Die US-Luftwaffe bom- bardierte die Insel mit gepflegter Regelmä- ßigkeit und es kam auch zu Luftkämpfen. Davon zeugen nach mehr als 70 Jahren noch immer einige Flugzeugwracks. 2015 wur- de damit begonnen, an einigen der Wracks Schautafeln mit Infos aufzustellen. Ein weltweit einzigartiges Ausflugsziel ist die Steingeldbank. Die riesige Münzen aus Aragonit wurden vor Urzeiten mit Kanus vom rund 420 Kilometer entfernten Palau (wo das Gestein in Höhlen abgebaut wurde) nach Yap gebracht. Die Mühe und die Gefahr des Transports machten das Steingeld wert- voll. Erst als 1871 der irische Kapitän David O‘Keefe nach Yap kam, dort später eine Han- delsgesellschaft gründete und Herstellung und Transport des Steingelds übernahm, verlor es zunehmend seine alte Bedeutung. Noch heute aber dienen die uralten Münzen den Stämmen als Zahlungsmittel für Land und Immobilien. Übrigens brachte O‘Keefe auch den Alkohol nach Yap. Ob der Seebaär sich damals auch immer nur freitags einen zur Brust genommen hat? Wohl kaum. Aber in O‘Keefe‘s Bar kann man jeden Freitag auch darüber philosophieren. Das Manta Ray Bay Resort hat ein Angebot für Ausflüge mit dem Hotel-Minibus im Pro- gramm Der bringt die Gäste auch an einen der Strände auf der Westseite der Insel.