Reisen
Sizilien:
Blüte der Antike
MERIAN-Autorin Wiebke Harms führt Sie zu den
meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Siziliens und
verrät, welche sich besonders lohnen.
Text: Wiebke Harms, Fotos: Gregor Lengler
S
izilien ist die größte und
zugleich eine der interessan-
testen Inseln im gesamten
Mittelmeer. Mit einem Hauch von
Orient und einer Fülle an Bauwerken
und Kunstdenkmälern ist Sizilien
etwas Besonderes und hat jede
Menge zu bieten.
Wer auf der
Rocca, einer 270
Meter hohen Fels-
wand, steht, dem
liegt Cefalù mit
seinem mächtigen
Dom zu Füßen.
Ätna:
Diesem Vulkan hängen so einige Superlative an: Der
höchste Vulkan Europas soll er sein und der aktivste –
beides ist schwer zu belegen. Mit jeder Eruption wächst
oder schrumpft er. Ein Ausbruch kündigt sich zwar kurz-
fristig an, aber wie stark er Feuer spuckt, lässt sich nie ge-
nau vorhersagen. Die Flanken des Ätna zählen für mich zu
den schönsten Naturlandschaften auf Sizilien, dort wach-
sen Pistazien und Wein, gleichzeitig erinnern Lavabro-
cken daran, dass der Vulkan auch anders kann. Wande-
rer empfängt der Ätna mit schroffen Felslandschaften,
unwegsamem Geröll und unberechenbaren Wetterum-
schwüngen. Der Aufstieg (sogar die Fahrt mit der Seilbahn
hinauf) ist ein Ausflug, der geplant sein will – und für mich
gerade deswegen ein ganz besonderes Erlebnis.
Palermo
Der Hauptstadt gelingt etwas Faszinierendes: Sie ist alt
und jung zugleich, auf eine ganz eigene Art schön und
hässlich. Mir gefällt Palermo dort besonders, wo die
Stadt den Verkehr eingeschränkt hat. Denn eines sollten
Sie in Palermo bleiben lassen: Autofahren. Zum Glück
liegen im Stadtkern Normannenbauwerke wie die Cap-
pella Palatina, erstklassige Restaurants und herrliche
Märkte nah beieinander. Schlendern Sie durch die Gas-
sen der Altstadt, an jeder Ecke gibt es Imbissbuden mit
köstlichen Streetfood-Happen wie Arancini.
Catania
Auf den ersten Blick hat die zweitgrößte Stadt etwas
Düsteres, was vor allem daran liegt, dass viele Gebäude
aus Lava- gestein gebaut wurden. Leider merkt man we-
nig davon, dass Catania am Meer liegt. Einzig der emp-
fehlenswerte Fischmarkt erinnert daran. Dafür lohnt
sich ein Spaziergang in die andere Richtung: Die Via Et-
nea läuft drei Kilometer lang schnurgerade auf den Ät-
na zu, rechts und links Cafés und Boutiquen. Knapp ei-
nen Kilometer von der Piazza Duomo entfernt liegt mein
Lieblingsplatz für eine Pause: der Giardino Bellini, der äl-
teste Stadtpark Catanias.
Der Junotempel
gehört zu den bes-
ser erhaltenen im
„Tal der Tempel“
von Agrigent.
In Cefalù geht
man durch alte
Torbögen zum
Strand.
Taorminas Teatro Greco
An dem Theater aus dem 3. Jh. v. Chr. ist alles imposant:
sein Alter, seine Größe, seine Lage. Nicht nur, wenn dort
im Sommer Konzerte und Theateraufführungen statt-
finden, füllt es sich darum. Schließlich ist es zum Teatro
Greco nur ein kurzer Fußweg von der Altstadt und
Taormina einer der meistbesuchten Orte.
Segesta
Viel ruhiger, aber nicht weniger eindrucksvoll ist das
Theater von Segesta, das im Frühjahr in einem Blumen-
meer zu schwimmen scheint. Ganz in der Nähe steht ein
besonderer Tempel: Seine massigen Säulen beispielswei-
se zeigen, dass seine Bauherren um 450 v. Chr. die Elymer
waren. Allerdings stellten sie ihn nicht fertig, wenn man
so will, ist er Siziliens älteste Bauruine. Im Gegensatz zu
vielen anderen Tempeln wurden hier keine Steine ge-
raubt, um damit zu bauen – der einsamen Lage sei Dank.
Tal der Tempel
Nehmen Sie sich einen ganzen Tag Zeit, um die archäolo-
gischen Stätten bei Agrigent anzuschauen. Acht Tempel
haben hier Jahrtausende überdauert, der älteste stammt
aus dem frühen 5. Jh. v. Chr. Nirgendwo außerhalb Grie-
chenlands kann man so viele Tempel auf einem ver-
gleichsweise kleinen Terrain sehen. Hier steht auch Sizi-
liens wohl bekanntester Tempel, der Concordia-Tempel.
Wenn Sie, so wie ich, irgendwann erschöpft sind von so
viel antiker Pracht (und so vielen Steinen), besuchen Sie
die herrlich grünen Gärten der Kolymbethra. Ein toller Ort
auch für ein Picknick!
Alte Festung,
schöner Hafen:
Castellammare del
Golfo im Nordwes-
ten der Insel.
Die Bucht an der
Tonnara di Scopel-
lo wird öfters als
Filmkulisse einge-
setzt.
Römische Mosaike
Allein die Abbildung der Jagdszene ist 66 Meter lang,
insgesamt wurden 6000 Quadratmeter Mosaike freige-
legt! Was für eine Arbeit muss in den Fußböden der Villa
Romana del Casale gesteckt haben. Etwas unbekannter,
aber nicht weniger sehenswert, sind die Mosaike in der
Villa Romana del Tellaro bei Noto. Dort herrscht mei-
stens weniger Andrang, sodass Besucher sich viel Zeit
lassen können, jedes Detail der Szenen zu entdecken.
Strände
Das Schwierige ist, sich zu entscheiden: Taormina hat die
hübsche Isola Bella, die bei Ebbe über eine schmale Land-
zunge mit dem Strand verbunden ist. An der Südküste um
die Scala dei Turchi ziehen sich die Sandstrände kilome-
terlang. Viele Palermitaner baden an ihrem Stadtstrand
Mondello, und im Nordwesten liegt San Vito lo Capo, der
wohl berühmteste Strand Siziliens. Das türkisblaue Was-
ser mutet fast karibisch an – im August reiht sich hier des-
halb ein Handtuch ans nächste. Meine liebsten Strände
liegen im Naturpark Zingaro. Die kleinen Buchten füllen
sich zwar ebenfalls schnell, ich wandere dann aber ein
Stück weiter, bis es mir an einer neuen Stelle gefällt – der
Zingaro ist nämlich auch ein klasse Wanderrevier.
Dörfer im Landesinneren
Das Innere der Insel bekommt von vielen Reisenden
leider wenig Aufmerksamkeit. Dabei liegen hier einige
der schönsten Dörfer. Orte wie Sperlinga in der Provinz
Enna, das förmlich aus einem Felsen herauszuwachsen
scheint. Oder das verschlafene Sclafani Bagni, von des-
sen Burgruine man einen atemberaubenden Blick auf die
Berge der Madonie hat, und Castelbuono mit seiner sch-
malen Ortsdurchfahrt, durch die bis in die 1970er Jahre
die Rennwagen der Targa Florio schossen.
Sonnenunter-
gang an der „Via
del Sale“: Salzge-
winnung prägt den
Landstrich zwi-
schen Marsala und
Trapani.
Barock
Fabelwesen, Löwen und geflügelte Halbwesen verste-
cken sich an Häuserecken, über Fenstern und unter Bal-
konen: Der sizilianische Barock ist bekannt für seine fan-
tasievollen Details, die man aber angesichts ihrer Fülle
an den prächtigen Kirchen und Palazzi leicht aus den
Augen verliert. Darum mein Tipp: Vergessen Sie nicht,
zwischendurch den Blick nach oben zu richten, wenn Sie
durch Noto, Ragusa oder Scicli schlendern.
Cefalù
Zwar ist die Altstadt von Cefalù übersichtlich, was dem
mondänen Ort auch seinen Charme gibt: Alles liegt na-
he beieinander und vor den Toren der Stadt kann man
auch noch baden. Trotzdem empfehle ich den Aufstieg
zur Rocca di Cefalù. Von dort oben werden einem die gi-
gantischen Ausmaße des Doms, den Roger II. im 12. Jahr-
hundert erbauen ließ, erst richtig klar.
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Die Lust am Reisen
Sizilien
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