CEWE OnTour 04/2018 | Page 24

Reisen Sizilien: Blüte der Antike MERIAN-Autorin Wiebke Harms führt Sie zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Siziliens und verrät, welche sich besonders lohnen. Text: Wiebke Harms, Fotos: Gregor Lengler S izilien ist die größte und zugleich eine der interessan- testen Inseln im gesamten Mittelmeer. Mit einem Hauch von Orient und einer Fülle an Bauwerken und Kunstdenkmälern ist Sizilien etwas Besonderes und hat jede Menge zu bieten. Wer auf der Rocca, einer 270 Meter hohen Fels- wand, steht, dem liegt Cefalù mit seinem mächtigen Dom zu Füßen. Ätna: Diesem Vulkan hängen so einige Superlative an: Der höchste Vulkan Europas soll er sein und der aktivste – beides ist schwer zu belegen. Mit jeder Eruption wächst oder schrumpft er. Ein Ausbruch kündigt sich zwar kurz- fristig an, aber wie stark er Feuer spuckt, lässt sich nie ge- nau vorhersagen. Die Flanken des Ätna zählen für mich zu den schönsten Naturlandschaften auf Sizilien, dort wach- sen Pistazien und Wein, gleichzeitig erinnern Lavabro- cken daran, dass der Vulkan auch anders kann. Wande- rer empfängt der Ätna mit schroffen Felslandschaften, unwegsamem Geröll und unberechenbaren Wetterum- schwüngen. Der Aufstieg (sogar die Fahrt mit der Seilbahn hinauf) ist ein Ausflug, der geplant sein will – und für mich gerade deswegen ein ganz besonderes Erlebnis. Palermo Der Hauptstadt gelingt etwas Faszinierendes: Sie ist alt und jung zugleich, auf eine ganz eigene Art schön und hässlich. Mir gefällt Palermo dort besonders, wo die Stadt den Verkehr eingeschränkt hat. Denn eines sollten Sie in Palermo bleiben lassen: Autofahren. Zum Glück liegen im Stadtkern Normannenbauwerke wie die Cap- pella Palatina, erstklassige Restaurants und herrliche Märkte nah beieinander. Schlendern Sie durch die Gas- sen der Altstadt, an jeder Ecke gibt es Imbissbuden mit köstlichen Streetfood-Happen wie Arancini. Catania Auf den ersten Blick hat die zweitgrößte Stadt etwas Düsteres, was vor allem daran liegt, dass viele Gebäude aus Lava- gestein gebaut wurden. Leider merkt man we- nig davon, dass Catania am Meer liegt. Einzig der emp- fehlenswerte Fischmarkt erinnert daran. Dafür lohnt sich 
ein Spaziergang in die andere Richtung: Die Via Et- nea läuft drei Kilometer lang schnurgerade auf den Ät- na zu, rechts und links Cafés und Boutiquen. Knapp ei- nen Kilometer von der Piazza Duomo entfernt liegt mein Lieblingsplatz für eine Pause: der Giardino Bellini, der äl- teste Stadtpark Catanias. Der Junotempel gehört zu den bes- ser erhaltenen im „Tal der Tempel“ von Agrigent. In Cefalù geht man durch alte Torbögen zum Strand. Taorminas Teatro Greco An dem Theater aus dem 3. Jh. v. Chr.
 ist alles imposant: sein Alter, seine Größe, seine Lage. Nicht nur, wenn dort im Sommer Konzerte und Theateraufführungen statt- finden, füllt es sich darum. Schließlich ist es zum Teatro Greco nur ein kurzer Fußweg von der Altstadt und Taormina einer der meistbesuchten Orte. Segesta Viel ruhiger, aber nicht weniger eindrucksvoll ist das Theater von Segesta, das im Frühjahr in einem Blumen- meer zu schwimmen scheint. Ganz in der Nähe steht ein besonderer Tempel: Seine massigen Säulen beispielswei- se zeigen, dass seine Bauherren um 450 v. Chr. die Elymer waren. Allerdings stellten sie ihn nicht fertig, wenn man so will, ist er Siziliens älteste Bauruine. Im Gegensatz
 zu vielen anderen Tempeln wurden hier keine Steine ge- raubt, um damit zu bauen – der einsamen Lage sei Dank. Tal der Tempel Nehmen Sie sich einen ganzen Tag Zeit, um die archäolo- gischen Stätten bei Agrigent anzuschauen. Acht Tempel haben hier Jahrtausende überdauert, der älteste stammt aus dem frühen 5. Jh. v. Chr. Nirgendwo außerhalb Grie- chenlands kann man so viele Tempel auf einem ver- gleichsweise kleinen Terrain sehen. Hier
steht auch Sizi- liens wohl bekanntester Tempel, der Concordia-Tempel. Wenn Sie, so wie ich, irgendwann erschöpft sind
 von so viel antiker Pracht (und so vielen Steinen), besuchen Sie die herrlich grünen Gärten der Kolymbethra. Ein toller Ort auch für ein Picknick!
 Alte Festung, schöner Hafen: Castellammare del Golfo im Nordwes- ten der Insel. Die Bucht an der Tonnara di Scopel- lo wird öfters als Filmkulisse einge- setzt. Römische Mosaike Allein die Abbildung der Jagdszene ist
 66 Meter lang, insgesamt wurden 6000 Quadratmeter Mosaike freige- legt! Was
 für eine Arbeit muss in den Fußböden der Villa Romana del Casale gesteckt haben. Etwas unbekannter, aber nicht weniger sehenswert, sind die Mosaike in der Villa Romana del Tellaro bei Noto. Dort herrscht mei- stens weniger Andrang, sodass Besucher sich viel Zeit lassen können, jedes Detail der Szenen zu entdecken. Strände Das Schwierige ist, sich zu entscheiden: Taormina hat die hübsche Isola Bella, die bei Ebbe über eine schmale Land- zunge mit dem Strand verbunden ist. An der Südküste um die Scala dei Turchi ziehen sich die Sandstrände kilome- terlang. Viele Palermitaner baden an ihrem Stadtstrand Mondello, und im Nordwesten liegt San Vito lo Capo, der wohl berühmteste Strand Siziliens. Das türkisblaue Was- ser mutet fast karibisch an – im August reiht sich hier des- halb ein Handtuch ans nächste. Meine liebsten Strände liegen im Naturpark Zingaro. Die kleinen Buchten füllen sich zwar ebenfalls schnell, ich wandere dann aber ein Stück weiter, bis es mir an einer neuen Stelle gefällt – der Zingaro ist nämlich auch ein klasse Wanderrevier. Dörfer im Landesinneren Das Innere der Insel bekommt von vielen Reisenden leider wenig Aufmerksamkeit. Dabei liegen hier einige der schönsten Dörfer. Orte wie Sperlinga in der Provinz Enna, das förmlich aus einem Felsen herauszuwachsen scheint. Oder das verschlafene Sclafani Bagni, von des- sen Burgruine man einen atemberaubenden Blick auf die Berge der Madonie hat, und Castelbuono mit seiner sch- malen Ortsdurchfahrt, durch die bis in die 1970er Jahre die Rennwagen der Targa Florio schossen. Sonnenunter- gang an der „Via del Sale“: Salzge- winnung prägt den Landstrich zwi- schen Marsala und Trapani. Barock Fabelwesen, Löwen und geflügelte Halbwesen verste- cken sich an Häuserecken, über Fenstern und unter Bal- konen: Der sizilianische Barock ist bekannt für seine fan- tasievollen Details, die man aber angesichts ihrer Fülle an den prächtigen Kirchen und Palazzi leicht aus den Augen verliert. Darum mein Tipp: Vergessen Sie nicht, zwischendurch den Blick nach oben zu richten, wenn Sie durch Noto, Ragusa oder Scicli schlendern. Cefalù Zwar ist die Altstadt von Cefalù übersichtlich, was dem mondänen Ort auch seinen Charme gibt: Alles liegt na- he beieinander und vor den Toren der Stadt kann man auch noch baden. Trotzdem empfehle ich den Aufstieg zur Rocca di Cefalù. Von dort oben werden einem die gi- gantischen Ausmaße des Doms, den Roger II. im 12. Jahr- hundert erbauen ließ, erst richtig klar. € 8,95 (D) . € 9,95 (Euro-Länder) . SFR 12,90 (CH) . März 20XX . C4701 E € 8,95 (D) . € 9,95 (Euro-Länder) . SFR 12,90 (CH) . März 20XX . C4701 E Die Lust am Reisen Sizilien Vorschau_Sizilien.indd 1 29.09.17 12:08 Jeden Monat eine Stadt, eine Region oder ein Land – das ist das Motto von MERIAN,­ das seit 1948 mit Reportagen, Essays und tollen Bildern Lust aufs Reisen macht. Weitere Informationen unter www.merian.de www.cewe-fotoservice.de